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  • 05.07.2012 - 12:34 GMT

„Anwältin ohne Grenzen“ ist Frau Europas 2012: Jasmina Prpić

Die Frauenrechtlerin und Mitgründerin von „Anwältinnen ohne Grenzen e.V.“ Jasmina Prpić ist Frau Europas 2012. Die Jury des „Preis Frauen Europas – Deutschland“ der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) wählte die 58-jährige Juristin am Montagabend zur Preisträgerin. Sie ehrt damit ihr langjähriges und hartnäckiges Engagement für die Verteidigung der Rechte von Frauen mit juristischen Mitteln. Ausgezeichnet wird Prpić am 19. September in München.

„Jasmina Prpić macht uns bewusst, wie stark die Durchsetzung der Menschenrechte von ihrer juristischen Verteidigung abhängt“, begründet die Präsidentin des Opens internal link in current windowPreis Frauen Europas – Deutschland, Prof. Gudrun Schmidt-Kärner, die Entscheidung der Jury. „Dafür hat sie mehr als die Hälfte ihres Lebens in unterschiedlichen Ländern gekämpft. Ihr persönliches Schicksal war Auslöser und Motivation, andere zu unterstützen. Das hat uns sehr beeindruckt.“  
 
Prpić wurde 1954 in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) geboren. Der ausbrechende Krieg auf dem Balkan zwang die erfolgreiche Richterin erst zur Aufgabe ihres Amtes und 1992 zur Flucht nach Deutschland mit Ehemann und Kindern. Als Flüchtling ohne Deutschkenntnisse wäre die Wiederaufnahme ihrer juristischen Tätigkeit der einfachste Schritt zur Überwindung ihres Traumas gewesen. Doch der blieb ihr verwahrt; ihre Ausbildung wurde nicht anerkannt, weil sie nicht in einem EU-Mitgliedstaat als Anwältin praktiziert hatte. Die Folge: Fast 20 Jahre nach Abschluss ihres Jurastudiums in Sarajewo schrieb sich Prpić an der Juristischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg für ein Magisteraufbaustudium ein, das sie 2012 mit dem Erwerb eines Legum Magister (LL.M.) erfolgreich absolvierte.
Ein Aufenthalt im Kosovo für medica mondiale e.V., bei dem sie Opfer sexualisierter Gewalt als mögliche Zeuginnen vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal begleitete, änderte ihr Leben: „Ihr wurde bewusst, wie sehr Frauen und Frauenorganisationen juristische Hilfe benötigen“, heißt es in der Begründung ihres Vorschlags als „Frau Europas“. Aus dieser Erkenntnis gründete sie 2007 mit elf weiteren Juristinnen den Verein „Anwältinnen ohne Grenzen e.V.“, deren Vorsitzende sie seitdem ist. Der Verein, dessen Mitglieder Juristinnen verschiedener Herkunftsländer sind, kämpft für die Förderung und Durchsetzung der Menschenrechte von Frauen und den Abbau jeglicher Form von Ungleichbehandlung oder Diskriminierung.
 
Mit dem „Preis Frauen Europas – Deutschland“ ehrt die EBD seit 1991 Frauen, die sich durch ihr mutiges, kreatives oder hartnäckiges ehrenamtliches Engagement in besonderer Weise für das Zusammenwachsen und die Festigung eines vereinten Europas einsetzen. Die symbolische Auszeichnung soll bürgerschaftlich aktive Europäerinnen untereinander und mit den Mitgliedsorganisationen vernetzen und ehrenamtliche Strukturen in der Zivilgesellschaft stärken.

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