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  • 27.05.2011 - 09:32 GMT
  • DBV
Landwirtschaft und Fischerei

DBV-Umweltbeauftragter Decker zur Biodiversitätsstrategie 2020

„Das Ziel der Vereinten Nationen, den Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2020 zu stoppen, ist eine enorme Herausforderung“, stellte Friedhelm Decker, Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), im Rahmen einer Veranstaltung in der Vertretung der EU-Kommission in Berlin fest.

Hintergrund des Forums unter dem Titel "Unsere Lebensversicherung, unser Naturkapital" ist die von der EU vorgelegte Biodiversitätsstrategie bis 2020. Decker betonte im Rahmen der Veranstaltung gegenüber dem Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission, Dr. Karl Falkenberg, dass die von den Vereinten Nationen geforderte Dekade der Biodiversitität nur dann erfolgreich sein werde, wenn es eine Dekade der Kooperation mit den Landwirten werde. Die Landwirte würden den Erfolg der Biodiversitätsstrategie vor allem daran messen, ob es gelingt, das Thema „Biologische Vielfalt“ mit der notwendigen Wirtschaftlichkeit der Landbewirtschaftung und der zunehmenden Flächenkonkurrenz in Einklang zu bringen, betonte Decker.
Für die anstehende Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik müsse Konsens darüber bestehen, dass nur ökonomisch überlebensfähige Betriebe in der Lage seien, Leistungen für den Erhalt von Arten und Biotopen zu erbringen.  Deutschland sei zudem der einzige EU-Staat, der die Direktzahlungen von der Produktion vollständig entkoppelt habe und ab 2013 Grünland und Ackerland in der Förderung gleichstelle. „Es sollte darüber hinaus anerkannt werden, dass wir Landwirte in Deutschland bereits heute auf jedem dritten Hektar freiwillige Leistungen über Agrarumweltprogramme haben“ so Decker wörtlich.
Die Landwirte würden ihre Verantwortung für den Schutz von Arten und Biotopen nicht verkennen. Aber die Zukunft der Biodiversität sollte auch nicht auf einen Konflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz eingeengt werden, betonte Decker. „Ich vermisse in der Biodiversitätsstrategie der EU Vorschläge zur Reduzierung des Flächenverbrauchs durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen“, stellte Decker heraus. Der Flächenverbrauch zähle zu den wichtigsten Gefährdungsfaktoren für die Biodiversität und sei ferner Haupttriebkraft bei der Konkurrenz um die Fläche. „Seit 1992 sind der Landwirtschaft in Deutschland alleine 800.000 Hektar Produktionsfläche durch Infrastrukturmaßnahmen aller Art dauerhaft verloren gegangen. Allein dadurch fehlt alle 10 Jahre eine ganze Getreideernte – ohne einen Aufschrei aus Politik oder Gesellschaft.“ Die Strategie könne daher nicht sein, mehr Flächen für den Naturschutz zu reservieren sondern auf die Verbesserung des naturschutzfachlichen Erfolgs vorhandener Gebiete zu setzen. Im diesem Sinne sei es erforderlich, die Biodiversitätsstrategie mit den verschiedenen Zielen der Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen abzugleichen, sagte Decker.
Decker setzte sich dafür ein, dass Landwirte  mehr Flexibilität bei der Agrarförderung zugestanden werden sollte, um freiwillig Maßnahmen für den Naturschutz erbringen zu können. „ Viele freiwillige Aktivitäten für den Naturschutz und die Biodiversität scheitern aber oft an der Nulltoleranz der EU bei den Flächenprämien und der Sorge der Länder vor Anlastungen der EU.“ Decker weiter: „Wir sind uns sicherlich einig, dass diese Bürokratie vielen einfachen Lösungen im Weg steht.“

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