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Europa – nicht nur was für Streber! EP-Präsident Schulz diskutiert mit Schülerinnen und Schülern zum EW-Jubiläum

Ist Europa nur was für Streber? Auf das Motto der Podiumsdiskussion zum 60. Geburtstags des „Europäischen Wettbewerbs“ gab Martin Schulz Schülerinnen und Schülern ein klares Nein als Antwort. Der Präsident des Europäischen Parlament eröffnete den Jubliäumsfestakt in der Schiller-Oberschule Berlin.

Er selbst sei alles andere als ein Streber gewesen und doch Europäer geworden, beantworte Schulz die Streber-Frage aus ganz persönlicher Sicht. Vor 300 Gesichtern des Europäischen Wettbewerbs Schülerinnen, Lehrer und freiwillige Unterstützer aus Kultusministerien und Zivilgesellschaft machte Schulz allerdings deutlich: Europa braucht Menschen, die weiter nach Toleranz, Demokratie und Meinungsfreiheit streben, um der Europäischen Union im 21. Jahrhundert Leben einzuhauchen.
Angesichts der winzigen Dimensionen des Kontinentes China und Indien stellen ein Drittel der Weltbevölkerung, nur noch 7,8 % der Weltbevölkerung kommen aus Europa rief Schulz die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken über die gemeinsamen europäischen Werte auf: Wenn wir wollen, dass Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Wahlrecht, Streikrecht, uneingeschränkter Zugang zu Information, Umweltschutz, Folterverbot oder Waffengleichheit vor Gericht Bestand haben, dann wird das Deutschland nicht alleine gelingen. Der niedrigste Umwelt- oder Menschenrechtsstandard ist der wirtschaftlich wettbewerbsfähigste, aber wollen wir in so einer Welt leben?“ Europa stehe im 21. Jahrhundert in der Verantwortung, „neue Begründungen für genau die alte Dinge“ zu finden, die dem Kontinent in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abhanden gekommen seien.

Neue Begründungen für Europa forderten auch drei Schülerinnen und ein Schüler, die mit Martin Schulz diskutierten. Wie kriegt man die Menschen begeistert, die Europa nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben? Warum wird Europa in den Medien nur durch den Filter nationaler Politik vermittelt? Werden aus Bürgern in Europa irgendwann europäische Bürger?

Der Präsident des Europäischen Parlamentes warb für eine politischere Auseinandersetzung mit Europa: „Die Leute diskutieren: Bist du für oder gegen Europa was für ein Quatsch! Niemand bekennt sich vor der Bundestagswahl, ob er für oder gegen Deutschland ist.“ Es gehe, auch in Europa, um konkrete Auseinandersetzungen, um Menschen, die unterschiedliche Positionen und Visionen zu Europa vertreten, die müsse man kennenlernen, forderte Schulz. Dazu brauche es eine europäische Medienöffentlichkeit, sagte Schulz, die aber nicht künstlich hergestellt werden könnte. Aber: „Wenn alle nationalen Parlamente in Europa gleichzeitig die jeweilige Umsetzung von EU-Recht diskutieren würden, können die nationalen Minister nicht mehr so tun, als wäre das ihr ureigenstes Gesetz.“

Und was ist mit der europäischen Identität? Die Zuversicht, dass alle Bürger Europas bald Bürger eines europäischen Bundesstaates sein, habe er nach 18 Jahren im Europaparlament aufgegeben, bekannte Schulz zu stark wirkten nationale Identitäten. Er verstehe die europäische Identität eher als Rahmenidentität, die Platz lasse für eine oder mehrere weitere Bürgerschaft(en). Dass es in Europa auf die Vielfalt ankommt, bestätigten auch die Schüler auf dem Podium Pia Ennuschat von der Schiller-Oberschule Berlin, Friederike Erk vom Karolinen-Gymnasium Frankenthal, Niklas Pfeifer vom Goethegymnasium Hildesheim und Nella Sayatz von der Bertha-von-Suttner-Oberschule Berlin aus unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen. Für den Zugang zu Europa spielte der Europäische Wettbewerb für alle Diskutanten eine große Rolle als Möglichkeit, Europa für sich zu entdecken und um zu zeigen, wie sehr Europa den einzelnen beeinflusst: nicht nur die Streber.

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