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  • 28.10.2011 - 09:13 GMT

Führungskräfte raten zu Staatsinsolvenz

Aktuelle Umfrage zur Griechenland- und Euro-Krise.

Befragt nach den Folgerungen aus der Griechenland- und EURO-Krise, fordern die Führungskräfte in Deutschland mehrheitlich Regelungen für geordnete Staatsinsolvenzen in der EURO-Zone. 66 Prozent der Teilnehmer an einer aktuellen Umfrage des Berufsverbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE (DFK)  vermissen in der gegenwärtigen Situation hierfür geeignete Spielregeln. Immerhin 35 Prozent der befragten Manager sprechen sich auch für eine stärkere Beteiligung privater Gläubiger aus, wenn es um die Sanierung der Haushalte von Krisenländern wie Griechenland geht. Jeder der über 1.000 Teilnehmer an der Umfrage konnte sich für zwei Antwortoptionen entscheiden.
Überraschend viel Zustimmung findet mit 28 Prozent der Vorschlag, eine Europäische Wirtschaftsregierung einzurichten. Die mitunter weit verbreitete Europaskepsis scheint bei Führungskräften nicht so sehr vorhanden zu sein. 22 Prozent der befragten Manager fordern dann auch mehr Solidarität in der Krise und halten einen Marshall-Plan für Griechenland für erforderlich.
„Die Europäische Union war nie als Schönwetterveranstaltung angelegt“, sagt DFK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Goldschmidt. „Eine Gemeinschaft wie die EU muss die gemeinsame Geschäftsgrundlage haben, auch dann zusammenzustehen, wenn es einmal für einzelne Mitglieder wirtschaftlich schwieriger wird. Ansonsten würde sie den Namen Union nicht verdienen“, so Goldschmidt weiter. Ein Ausschluss von Krisenländern könne deshalb nur in Betracht kommen, wenn diese sich hartnäckig notwendigen Sanierungsmaßnahmen widersetzen. 21 Prozent der Führungskräfte glauben, dass dieser Zeitpunkt im Falle von Griechenland gekommen sei. Mit einer Ausweitung des Europäischen Rettungsschirms EFSF können sich dagegen nur 3 Prozent der Führungskräfte anfreunden.
Dass sich die Führungskräfte überwiegend für die Möglichkeit von Staatsinsolvenzen aussprechen, kommt für Ulrich Goldschmidt nicht überraschend: „Derartige Insolvenzen hat es in der europäischen Geschichte immer wieder gegeben und die beteiligten Länder wie z.B. Frankreich, Spanien oder auch England gibt es heute immer noch. Eine Insolvenz, die durch geeignete Maßnahmen begleitet wird, kann in der Tat helfen, einen Staat nachhaltig zu gesunden. Ein Schuldenschnitt oder auch ein speziell zugeschnittener Marshall-Plan wären z.B. solche Maßnahmen. Unsere Umfrage zeigt, dass man einen ganzen Strauß an Maßnahmen braucht, um in solchen Krisenzeiten eine erfolgreiche Sanierung von Staatshaushalten umzusetzen. Einfache, eindimensionale Lösungen gibt es nicht.“

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