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Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz

Gute Arbeit weltweit | DGUV-Podiumsdiskussion

Bangladesch auf dem Weg zu einer nachhaltigen Textilindustrie

Zwei Dinge sind besonders notwendig, um Arbeitssicherheit zu verbessern – nicht nur in Bangladesch, sondern überall auf der Welt: Zeit und Expertise. Mit diesen Worten eröffnete der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) Dr. Joachim Breuer die Veranstaltung am vergangenen Donnerstag zum Thema nachhaltige Textilindustrie in Bangladesch. Die Podiumsdiskussion markierte den Abschluss des Besuchs einer 24-köpfigen Delegation aus Bangladesch, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Beschäftigten, der Arbeitgeber und des staatlichen Arbeitsschutzes.

Deutschland unterstützt gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Bangladesch beim Aufbau einer gesetzlichen Unfallversicherung und im Arbeitsschutz. In diesem Zusammenhang informierte sich die bangladeschische Delegation bei ihrem Besuch über den sozialen Dialog, die betriebliche Prävention sowie die Versicherung gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten in Deutschland.

„Wir tragen die Verantwortung mit unserer Kleidung buchstäblich auf unserer Haut“, so eindringlich begann Thomas Silberhorn, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Runde der drei Impulsvorträge. Silberhorn plädierte dafür, Transparenz in Lieferketten zu bringen. Unternehmen sollten sicher wissen, wie es um Arbeitsschutz und Sicherheit in den Produktionsländern steht. Schnell wurde klar: Auch die Verbraucher sind in der Pflicht. Jeder kann und sollte dazu beitragen, verantwortungsbewusst einzukaufen.

„A lesson learned“, rekapitulierte im Anschluss der bangladeschische Arbeitsminister Mujibul Haque Chunnu in seinem Vortrag. Er erinnerte an den Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes vom April 2013: „Kurz nach der Katastrophe wurden viele Hebel in Bewegung gesetzt, neue Gesetze in Kürze geändert, beschlossen und umgesetzt.“ Chunnu betonte, dass in Bangladesch nun Arbeitsschutz gewährleistet werden muss, bevor der Produktionsbetrieb überhaupt starten kann. Prävention, das war das Schlagwort der Veranstaltung.

Die arbeitsrechtliche Zukunft in Bangladesch sieht Betriebsärzte und Kinderbetreuung in Betrieben vor, nach europäischem Vorbild. Ein großer Schritt in die richtige Richtung. Weiterhin plant der Arbeitsminister in Zusammenarbeit mit der DGUV ein Pilotprojekt für die gesetzliche Unfallversicherung in seinem Land.

Auch Susanne Hoffmann, Leiterin der Abteilung Europäische und Internationale Beschäftigungs- und Sozialpolitik ESF im Bundesministerium für Arbeit und Soziales erinnerte an Rana-Plaza. Dabei hob sie hervor, dass es seit dem Unglück viele positive Entwicklungen im arbeitsrechtlichen Bereich sowohl in Bangladesch als auch in anderen Ländern gab. Hoffmann betonte außerdem, dass nur in enger Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor – monetär wie personell – angemessene Arbeits- und Sozialstandards gefunden werden können. Dies würde auch dazu führen, die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder zu verbessern, so Hoffmann.

Im Anschluss an die starken Impulse der Einstiegsvorträge ging es zur Podiumsdiskussion mit sechs Teilnehmern: Heribert Jöris (Tarifgeschäftsführer vom Handelsverband Deutschland), Frank Zach (Deutscher Gewerkschaftsbund), Atiquil Islam (Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association), Mesbahuddin Ahmed (National Coordination Committee for Workers Education), Gilbert Houngbo (ILO) und Dr. Rainhardt Freiherr von Leoprechting (Vorstandsvorsitzender der DGUV auf Arbeitnehmerseite). Moderiert wurde die Diskussion von Petra Pinzler (Die Zeit). Zu Beginn diskutierten die Teilnehmer über die Kosten/Nutzen Frage der Unternehmen, deren Produktionsstätten in Bangladesch oder anderen südasiatischen Ländern ansässig sind. Jöris wies darauf hin, wie schwer es für Betriebe sei, Standards in Lieferketten zu kontrollieren. In der Diskussion betonte Houngbo, dass Bangladesch von Deutschland lernen kann. Es fehle in Bangladesch insbesondere starker politischer Wille und Druck.

Weiterhin ging es um Gewerkschaften und Betriebsräte, Institutionen, die aus deutscher Arbeitskultur nicht wegzudenken sind. Auch in Bangladesch gab es dahingehend Veränderungen. Gab es noch vor dem Rana-Plaza-Unglück kaum gewerkschaftliche Vereinigungen in der Textilindustrie, wurden 2015 allein über 300 neu gegründet. Eine Entwicklung, die in der Podiumsdiskussion unterschiedlich bewertet wurde:

Im Anschluss an die Diskussion folgte die feierliche Übergabe von drei Stipendien. Diese werden es Studierenden aus Bangladesch ermöglichen, im MA-Studiengang Sozialversicherungswissenschaft an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Fachwissen zu Unfallversicherung und Arbeitsschutz zu erwerben. Passend dazu die abschließenden Worte des DGUV Hauptgeschäftsführers Dr. Joachim Breuer: „Ein langer Weg beginnt mit einem ersten Schritt“.

Die Veranstaltung der DGUV fand mit Unterstützung der EBD statt. Den ausführlichen Bericht der DGUV finden Sie hier.

 

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