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  • 25.04.2013 - 12:12 GMT

Kunststoffabfälle: Gefahren bannen, Chancen nutzen. Die EBD-Grünbuchanalyse zu einer europäischen Strategie

Kunststoff ist eine zweischneidige Errungenschaft der modernen Welt. Vielseitig einsetzbar und langlebig, ist er ein wertvoller Rohstoff in der Produktion. Gleichzeitig birgt seine Haltbarkeit erhebliche Gefahren für die Umwelt, z.B. wenn Kunststoffabfälle zu schwimmenden Müllinseln in den Weltmeeren werden. Welche Wege die EU gehen kann, diskutierten mehr als 50 Interessenvertreterinnen und -vertreter bei der EBD-Analyse zum Grünbuch „Europäische Strategie für Kunststoffabfälle in der Umwelt“.

Kommissionsvertreter Prof. Dr. Helmut Maurer, aus dem Referat „Waste Management” der Generaldirektion Umwelt, Initiates file downloadstellte zunächst das Grünbuch vor. Er referierte dabei sowohl Ist-Zustand der Problematik, als auch die Ziele, die mit einer gemeinsamen Plastikmüllstrategie auf europäischer Ebene verfolgt werden sollen. In seinem Kommentar bewertete Dr. Alexander Janz, Referat Ressourcenproduktivität in der Abfallwirtschaft aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das Grünbuch als positiv. Gleichzeitig betonte er, dass eine gemeinsame Strategie immer auch ökonomisch, sowie ökologisch Sinn machen müsse.

Obwohl das Thema ein globales Problem ist, bei dem es um unsere Lebensgrundlage geht, findet es vielfach nicht genug Gehör. Dabei stellt sich die Frage nach dem Umgang mit Kunststoffabfällen nicht nur für eine privilegierte Gruppe von Postmaterialisten, die sich dem Umweltschutz verschrieben haben. Wenn die Meere inzwischen dreimal soviel Kunststoff wie Plankton enthalten und dieser in unsere Lebensmittelkette gelangt, betrifft dies Menschen weltweit.

Bei rund 50-60 Mio. Tonnen Kunststoff, die allein in der EU produziert werden, tritt neben die Problematik des Klimaschutzes auch die der Ressourceneffizienz. Europa sei vor allem aufgrund seines Mangels an Ressourcen verwundbar. Hier lägen die wirtschaftlichen Potenziale von Recycling der Kunststoffabfälle. Außerdem böte dies gleichzeitig die Chance, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Aus ökologischer Sicht sei Recycling aber erst der zweite Schritt. Abfälle zu vermeiden, sei Grundlage eines verantwortungsvollen Umgangs mit Plastikmüll. Bereits die Abfallrahmenrichtlinie von 2008 habe eine Herstellerverantwortung vorgesehen. In der Industrie böten sich vielfältige Potenziale, den Lebenszyklus von Kunststoff nachhaltiger zu gestalten. Neben dem umweltgerechten Design habe der Produzent die Möglichkeit, über chemische Zusammensetzung sowie Farbgebung das Produkt ökologischer zu gestalten. Auch der Konsument müsse stärker in die Verantwortung genommen werden, Plastikabfälle zu vermeiden, z.B. über Mehrweg- und Pfandsysteme für Plastikprodukte. Durch die sogenannte „polluter-pays“-Strategie könne man die Verantwortung „internalisieren“ und die Kosten an den Verbraucher weitergeben. Gleichzeitig sei eine strengere Kontrolle bei der Abfallsammlung sinnvoll, denn mehr als die Hälfte der Haushaltsabfälle innerhalb der EU sind Verpackungsabfälle. Hier liege großes Recyclingpotenzial. Leider sei dies nicht in allen Ländern selbstverständlich. Die Abfallrahmenrichtlinie habe hier ebenso wie bei der Herstellerverantwortung bereits konkrete Vorgaben an die Mitgliedstaaten gemacht. Die Implementation verlaufe jedoch höchst unterschiedlich. So deponierten einige EU-Mitgliedstaaten noch über 90 % aller Abfälle. Hier bestehe Aufholbedarf in nachhaltiger Abfallwirtschaft.

Das Grünbuch setze genau da an. Es solle dazu beitragen, die Deponierung von Kunststoffen zu beenden. Recycling, sowie die Vorausschau bei Produktion sind Kerngedanken der Konsultationen, die noch bis zum 7. Juni 2013 laufen.

In der von Opens internal link in current windowKaroline Münz, Stv. Generalsekretärin des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland, moderierten Diskussion wurde noch einmal die Frage aufgeworfen, inwiefern die Regelung einer bestimmten Werkstoffklasse es schaffen könne, Umweltziele zu erreichen. Das Grünbuch solle Plastik als Beispiel für einen Übergang zur Kreislaufwirtschaft nutzen. Ein Umdenken könne so angestoßen werden. In jedem Fall sei es wichtig, die Diskussion über Abfall holistisch zu führen. Durch eine gesamtgesellschaftliche Betrachtung könne man wirtschaftliche und ökologische Komponenten besser einbeziehen.

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