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Europäisches Bewusstsein stärken – Jugend beteiligen, Europa bilden

Bildung ist das Fundament einer informierten europäischen Gesellschaft, in der Solidarität, Demokratie und Vielfalt gelebt werden. Bildung beginnt bereits im Kindergarten, geht über in die Schulzeit und ist ferner ein lebenslanger Prozess, der alle Generationen einschließt und weit über die formelle Bildung hinaus geht. Politische Bildung ist ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zu einem gemeinsamen, demokratischen Europa und bedarf der Aktivierung und Sensibilisierung aller im Bildungssystem agierenden Personen. Mit der 2017 verabschiedeten Europäischen Säule sozialer Rechte ist ein allgemein gültiges Recht auf Bildung geschaffen worden. Dieses muss nun zusammen mit der gesamten Säule sozialer Rechte in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden.

Die EBD begrüßt deshalb den Vorschlag der EU-Kommission für einen „Europäischen Bildungsraum“, der eine engere Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten in der Bildungspolitik vorsieht. Das Wissen und die Kenntnisse über den Nachbarn und die europäische Gemeinschaft sind ein zentrales Moment der europäischen Bildung und müssen in ein Kerncurriculum aufgehen. Die Idee eines gemeinsamen Lehr- und Lernbuchs, beispielsweise für den Geschichtsunterricht, muss realisiert werden. Ein deutsch-französisches und ein deutsch-polnisches Geschichtsbuch existieren. Hieran kann angeknüpft werden. Neben der formalen Bildung dürfen die non-formale und informelle Bildung nicht vernachlässigt werden, da diese ebenso eine Grundvoraussetzung für eine aktive Bürgerschaft ist.

Besonderes Augenmerk wünscht sich die EBD auf die Zugänglichkeit aller Bildungsangebote für alle, auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen, denn viel zu oft hängen Bildungserfolg und soziale Herkunft eng miteinander zusammen.

Ebenso wichtig ist der Ausbau der politischen Bildung, um Kenntnisse und Kompetenzen über die EU und demokratische Prozesse zu vermitteln. Eine Herausforderung im Bildungsbereich sind Aus- und Weiterbildung, insbesondere bedarf es hierbei der Sensibilisierung für bestehenden und zukünftige Digitalisierungsprozesse. Erfolgreiche Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen und gesicherten beruflichen Perspektiven hängen in hohem Maße von digitaler Teilhabe ab. Dazu gehören der barrierefreie Zugang zu digitalen Medien sowie flächendeckende und niederschwellige Angebote zum Erwerb grundlegender IT-Kenntnisse. Darin sehen wir einen Beitrag, der zunehmenden digitalen Spaltung in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.

Das Programm Erasmus+ hat sich als wirkungsvolles Instrument der interkulturellen Bildung und des europäischen Jugendaustausches erwiesen. Um den Austausch innerhalb der EU zu fördern, muss der finanzielle Rahmen von Erasmus+ der großen Nachfrage entsprechend im Rahmen der MFR-Verhandlungen deutlich erhöht werden. Ferner müssen die Teilnahmemöglichkeiten an Erasmus+ konsequent ausgebaut werden. Bonussysteme für vergünstigtes Reisen ersetzen kein Bildungsprogramm. Zielführender ist ein multilateraler Jugendaustausch mit Unterstützung von erfahrenen Bildungsträgern. Auch Kommunen, Länder und Bund sind gefordert, europäische Bildung zu fördern.

Ein vereintes Europa ist für junge Menschen kein Projekt mehr; es ist die Lebensrealität, in der sich junge Menschen selbstverständlich bewegen. Es ist entscheidend, der Jugend die Möglichkeit zu geben, Europa mitzugestalten und die Begeisterung für die europäische Idee zu fördern. Dazu gehört, die Zugänge zu Bildung für junge Menschen auszubauen.

Viele non-formale Bildungsformate vermitteln wichtige soziale und interkulturelle Kompetenzen und Fähigkeiten. Jugendarbeit und insbesondere Freiwilligendienste müssen deshalb unabhängig vom Arbeitsmarkt bleiben. Die Mitgliedstaaten müssen gleichzeitig ihre Anstrengungen weiter erhöhen, die Jugendarbeitslosigkeit mit geeigneten Programmen zu bekämpfen. Eine faire und gerechte Wirtschafts- und Sozialordnung, die Europa und nicht nur die Mitgliedstaaten im Blick hat, kann hierzu einen essentiellen Beitrag leisten.

Wer sich engagierte und mündige Bürgerinnen und Bürger wünscht, muss frühzeitig Chancen zur Beteiligung eröffnen. Demokratische Jugendverbände sind besonders geeignet, um jungen Menschen umfassende Kenntnisse und Kompetenzen für die aktive Beteiligung an der Gestaltung der EU zu vermitteln. Sie müssen deshalb strukturell unterstützt werden. Sollte mit der heutigen Jugend eine Generation heranwachsen, die ihre Interessen nicht vertreten sieht, dann hätte dies gravierende Folgen für die Zukunft der Europäischen Union.

Der Europarat ist noch Vorreiter im Hinblick auf Jugendpartizipation. Angesichts des drohenden Austritts von Russland soll der Haushalt des Jugendsektors nun komplett gekürzt werden. Gerade in Staaten, in denen unabhängige Jugendorganisationen unter schwerem politischem Druck stehen, ist der Europarat häufig der einzige Partner, der Bildungs- und Begegnungsarbeit ermöglicht. Diese Arbeit ist wichtig und muss intensiviert werden.

Wir fordern:

  • Die EU muss Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Mitgliedstaaten gleichberechtigte Bildungschancen garantieren. Politische und digitale Bildung müssen auch außerschulisch ausgebaut und gefördert werden, Erasmus+ ist zu stärken und die Trägerlandschaft ist mit einem Co-Management-Mechanismus zu beteiligen.
  • Vor dem Hintergrund der nationalistischen Tendenzen in Europa müssen demokratisch organisierte gesellschaftliche Kräfte gefördert und strukturell gestärkt werden. Bei der Fördermittelvergabe aus öffentlichen Haushalten bzw. den EU-Programmen sollte es deshalb einen Bonus für demokratisch verfasste Jugendorganisationen geben.
  • Mit Blick auf die kommende deutsche EU-Ratspräsidentschaft ist es besonders wichtig, verbindliche Jugendbeteiligung mit Einfluss auf konkrete EU-Gesetzgebung zu organisieren. Die halbjährlich stattfindende EU-Jugendkonferenz muss ein wichtiges Instrument sein, um die Umsetzung der EU-Jugendziele voranzutreiben und den EU-Jugenddialog zu entfalten.
  • Die Landesregierungen müssen Grundwissen über die Europäische Union und die europäische Integration in den Curricula aller Schultypen sowie in der universitären Ausbildung verankern. Vermittelt werden müssen die Bedeutung der EU-Entschei­dungsebene für viele Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens, die Handlungsmöglichkeiten der EU, ihr Entscheidungssystem sowie ihre Werte und Grundfreiheiten.
  • Der Europarat muss als Institution gestärkt und unterstützt werden. Die Mitgliedstaaten des Europarates müssen sich dafür einsetzen, dass die Jugendabteilung als gleichwertiger Bestandteil bestehen bleibt und die finanzielle Unterstützung nicht gestrichen, sondern um 10% erhöht wird, um den drohenden Austritts Russlands abzufedern.

 

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