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  • 20.07.2011 - 08:20 GMT

Anhörung im Wirtschaftsministerium zur EU-Energieeffizienzrichtlinie – VKU will mehr KWK und lehnt Energieverpflichtungssystem ab

Zum von der Europäischen Kommission vorgestellten Vorschlag für eine neue EU-Energieeffizienzrichtlinie gab es heute eine erste Anhörung im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, an der auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) teilnahm.

Während des Expertentreffs ging es vor allem um die von der Europäischen Union vorgeschlagene Stärkung der Kraft-Wärme-Kopplung, die Einführung von Energieeinsparverpflichtungen sowie um transparente Kundenabrechnungen. "Wir unterstützen das Ziel der EU, die Energieeffizienz in Europa um 20 Prozent bis 2020 zu steigern", sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. Die Richtlinie gehe in die richtige Richtung, "jedoch müssen wir verschiedene Maßnahmen intensiv auf ihre Praxistauglichkeit prüfen". Vor allem das vorgelegte Konzept eines Systems, das Netzbetreiber oder den Vertrieb zu Einsparungen von 1,5 Prozent beim Endkunden verpflichtet, stößt bei den kommunalen Energieversorgern auf Kritik.
"Mit Blick auf die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) will die EU-Kommission, dass Strom aus KWK-Anlagen in den Mitgliedsstaaten einen vorrangigen oder garantierten Zugang zu den Netzen bekommt", betont Reck. Allerdings dürfe man diese Anstrengungen nicht durch andere Maßnahmen gefährden. Eine Öffnung der Fernwärme- und Kältenetze für Dritte stehe dem Ausbau der KWK entgegen. "Die vorhandenen Netze und angeschlossenen KWK-Erzeugungsanlagen sind auf den Kreis der Abnehmer abgestimmt. Eine Netzöffnung würde die Effizienz bestehender KWK-Anlagen senken", unterstreicht Reck.
Die EU-Kommission schlägt zudem die Verpflichtung von Energieeinsparungen vor. Grundsätzlich steht der VKU Modellen offen und konstruktiv gegenüber, die die Energieeffizienz auf wettbewerbsneutraler Basis steigern. "Ein Energieverpflichtungssystem für Verteilnetzbetreiber und den Vertrieb lehnen wir dagegen ab", sagt Reck. "Vielmehr sollten eigenverantwortliche Energieeffizienzentscheidungen von Haushalten und Unternehmen durch Beratung, Informationen und Anreize gefördert werden. Grundsätzlich begrüßt der VKU die im Richtlinien-Entwurf geforderte transparente Kundenabrechnung, doch der Aufwand muss für Stadtwerke in einem angemessenen Verhältnis zum tatsächlichen Kundennutzen stehen", so Reck. "Dabei müssen wir darauf achten, dass die Maßnahmen wirtschaftlich und technisch umsetzbar und damit praktikabel sind."
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.400 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser und Abfallwirtschaft. Mit über 240.000 Beschäftigten wurden 2008 Umsatzerlöse von rund 92 Milliarden Euro erwirtschaftet und etwa 8,8 Milliarden Euro investiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen haben im Endkundensegment einen Marktanteil von 54,2 Prozent in der Strom-, 51,4 Prozent in der Erdgas-, 77,5 Prozent in der Trinkwasser-, 53,6 Prozent in der Wärmeversorgung und 11,8 Prozent in der Abwasserentsorgung.