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EU-Erweiterung, Außen- & Sicherheitspolitik, Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft & Finanzen

BDI | Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft: Neustart der Verhandlungen zwischen EU und Indien wichtiges Signal in schwierigen Zeiten

Zu den heute in Delhi beginnenden Gesprächen zwischen der EU und Indien über ein Freihandelsabkommen, ein Investitionsschutzabkommen sowie ein Ab-kommen über geografische Angaben, erklärt der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA), Roland Busch:

„Die deutsche Asien-Wirtschaft begrüßt den erneuten Anlauf, die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen und auszubauen. Indien und die EU haben große gemeinsame weltwirtschaftliche und geopolitische Interessen, auf denen die Verhandlungspartner aufbauen können und müssen. Die deutsche Wirtschaft blickt in einer schwierigen Zeit, in der Unternehmen ihre Märkte, Produktion und Lieferketten diversifizieren wollen, auch ganz besonders auf die Potenziale Indiens. Gleichwohl stehen das Land und seine Wirtschaft vor Herausforderungen. Darum sind die Verhandlungen eine außerordentliche Chance, die beide Verhandlungspartner nutzen sollten, um neues, nachhaltiges Wachstum in Indien und in Europa zu ermöglichen. Der Start der Gespräche ist ein gutes und wichtiges Signal, gleichzeitig kommt es vor allem auf konkrete Ergebnisse an – nur das zählt.“

Zu der Frage, wie durch ein Freihandelsabkommen und weitere konkrete Schritte die Chancen genutzt und Herausforderungen bewältigt werden können, die deutsche Unternehmen in Indien wahrnehmen, hat der APA heute auch ein Diskussionspapier vorgelegt.

Busch verwies darauf, dass nicht nur die Inhalte, sondern auch das Zeitfenster für die Verhandlungen ambitioniert sein müssen. Während sich beide Partner zu Verhandlungen über umfassende Abkommen bekannt haben, die auch moderne Nachhaltigkeitsstandards beinhalten, sei absehbar, dass in einigen sensiblen Bereichen Kompromissbereitschaft beider Seiten gefragt ist:

„Beide Verhandlungsparteien sollten die Gespräche mit einem klaren Verständnis für die großen Chancen führen, welche die Abkommen bieten. Indien sollte etwa bereit sein, Hürden der Nachhaltigkeitskapitel im Interesse der Stärkung der Partnerschaft zu überspringen. Auf der anderen Seite sollte die EU offen dafür sein, Indien flexiblere Übergangsfristen oder ein schrittweises Inkrafttreten einzelner Module anzubieten. Auch die Option eines Vertragsabschlusses, bei dem noch nicht alle strittigen Punkte geklärt sind, bietet zeitnah Chancen und sollte in Betracht gezogen werden“, so Busch.

In ihren Bemühungen, alternative Standorte zu erschließen und Partnerschaften zu intensivieren, blickt die deutsche Wirtschaft derzeit auf die gesamte Asien-Pazifik-Region – auch um potenzielle wirtschaftliche Auswirkungen geopolitischer Risiken zu minimieren. Dabei wird neben vielen anderen Märkten – etwa in Südostasien – gerade auch auf Indien mit seiner Größe und seinen potenziellen Standortvorteilen geschaut. Die Gespräche bieten eine lange nicht mehr da gewesene Chance für die EU, die Beziehungen zu einem strategisch wichtigen Partner in Asien-Pazifik auszubauen. Indien kann seinerseits die eigene Attraktivität als Standort für ausländische Investitionen in Innovation und Nachhaltigkeit verbessern und seine Bande mit Europa enger knüpfen. Die deutsche Wirtschaft hofft daher sehr auf einen Erfolg der Verhandlungen und wird diese konstruktiv und intensiv begleiten.

Sie finden das APA-Diskussionspapier zu Indien hier.