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BDI | Brexit: Nun muss es maximale Schadensbegrenzung geben

BDI-Präsident Kempf sprach am Luftfahrtkongress vor allem über die Auswirkungen des aktuellen britischen Antrags für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Er plädierte für offene Gesellschaften und warnte vor Protektionismus. Besonders die deutsche Luftverkehrswirtschaft und die Deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie profitieren von gemeinsamen Märkten und Warenaustausch. Sie bündeln nahezu alle strategischen Schlüsseltechnologien, stärken den Luftverkehrsstandort Deutschland – und den Industriestandort Deutschland.

„Gerade eine moderne Industrienation wie Deutschland ist auf effiziente Luftverkehrssysteme und eine leistungsfähige Luftfahrtindustrie angewiesen. Sie sind Motoren für Freihandel, Freizügigkeit und Globalisierung. Diese Motoren profitieren ihrerseits von offenen und gemeinsamen Märkten, von Warenaustausch und Investitionen. Arbeitsteilung und Logistik sind fundamentale Bestandteile unserer industriellen Wertschöpfungsketten. Doch jetzt drohen Einschnitte. Die Stichworte lauten: Brexit und Trump.

Zum Brexit: Ende März hat die britische Regierung den Antrag für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU gestellt. Es wird schwierig, negative Folgen insbesondere für die Unternehmen im Vereinigten Königreich abzuwenden. Die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals fordert schnellstmöglich Klarheit und Rechtssicherheit. Allein die Unternehmen in der britischen Luftfahrtindustrie exportieren Produkte im Wert von über 30 Milliarden Euro jährlich. Damit ist sie die größte innerhalb der EU. Insgesamt arbeiten in der britischen Luft- und Raumfahrtindustrie 961.000 Arbeitnehmer. Deren Arbeitsplatz hängt entscheidend von den Brexit-Verhandlungen ab. Außerdem ist die EU der wichtigste Exportmarkt für die britische Wirtschaft: 44 Prozent der Ausfuhren gehen von der Insel in die EU. Zum Vergleich: Deutschland exportiert nicht einmal acht Prozent ins Vereinigte Königreich.

Nun muss es maximale Schadensbegrenzung geben – auch im Interesse unserer deutschen Unternehmen mit Geschäft im Vereinigten Königreich. Ihnen drohen ab 2019 massive Störungen, etwa durch Zölle, auseinanderstrebende Regelungen oder steuerliche Verwerfungen. Die Gefahr einer langanhaltenden Zerrüttung von Vertrauen durch kontroverse Verhandlungen liegt auf der Hand. Dieses Risiko zu minimieren sollte Richtschnur sein für den intensiven Dialog zwischen Brüssel und London in den kommenden Monaten.

Für die Politik in Brüssel und Berlin darf es nur eine Devise geben: Europa zusammenzuhalten und zu stärken. Dieses starke Europa ist gerade im transatlantischen Verhältnis erforderlich. Hier stehen die Zeichen auf Protektionismus, seit Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist. Die deutsche Industrie ist international stark – das zeigen die Erfolge der heute hier versammelten Branchen. Für uns ist Protektionismus ein Irrweg. Niemand ist eine Insel – auch die USA unter ihrem neuen Präsidenten nicht. Grenzen und Mauern sind kontraproduktiv, auch einzelne Verbote wie jenes für Laptops in der Flugkabine, sofern Sie an bestimmten Flughäfen einsteigen.

Welthandel ist eben kein Nullsummenspiel. Die USA waren 2016 der größte Exportmarkt für deutsche Waren. Umgekehrt ist Deutschland für die USA die Nummer sechs der Exportmärkte. Zusammenarbeit schafft Win-win-Situationen. Deshalb hat mich das jüngste klare Bekenntnis der Bundeskanzlerin zur Fortsetzung der Verhandlungen eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA stark beeindruckt.

Deutsche Unternehmen beschäftigen fast 700.000 Menschen in den USA. Sie bilden aus, zahlen gute Gehälter, stärken Standorte zwischen Atlantik und Pazifik. Und sie stärken die Industrie vor Ort. Wir sind somit Teil der Lösung – und wollen es bleiben.“

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