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  • 23.01.2012 - 14:35 GMT
  • BDI
Wirtschaft & Finanzen

BDI: Euro-Staaten müssen auf Konsolidierungskurs bleiben

Der BDI rechnet für das abgelaufene Jahr mit einem Produktionszuwachs im verarbeitenden Gewerbe von etwa acht Prozent. Hochgerechnet mit dem Wertschöpfungsanteil der Industrie von rund einem Viertel ergibt dies rechnerisch zwei Wachstumsprozentpunkte aus der Industrie. Damit hat die deutsche Industrie 2010 und 2011 jeweils etwa zwei Drittel des deutschen BIP-Wachstums erwirtschaftet, zusammen mit den industrienahen Dienstleistungen sind es sogar rund drei Viertel.

Auch im neuen Jahr wird die Industrie zum deutschen BIP-Zuwachs beitragen, ihr relativer Wachstumsbeitrag dürfte sich jedoch verringern. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass sich die – gedämpften – Wachstumskräfte 2012 weiter von der Auslands- hin zur Binnennachfrage verschieben werden. Privater Verbrauch und Investitionen werden die größten Wachstumsimpulse setzen, der Wachstumsbeitrag der Außenwirtschaft wird sinken. Der BDI rechnet für das neue Jahr mit einem Exportwachstum von etwa drei Prozent, so das Ergebnis einer Umfrage unter den Mitgliedsverbänden.
Eins vor dem Komma möglich

Unter dem Strich erwartet die Mehrheit der Konjunkturforscher momentan einen BIP-Zuwachs zwischen 0,4 und 0,8 Prozent. Aus Sicht der Industrie ist auch mehr durchaus möglich – wenn das Jahr 2012 ohne gravierende externe Schocks verläuft und die Politik die erforderlichen Weichen richtig stellt. »Dann dürfen wir damit rechnen, dass die deutsche Wirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte wieder Fahrt aufnimmt; dann ist die Eins vor dem Komma möglich«, so BDI-Präsident Keitel.

Das Risikoportfolio der wirtschaftlichen Entwicklung hat sich deutlich aufgefächert, in der Welt, in Europa, in Deutschland. Keitel ist aber fest davon überzeugt: »Wenn wir rasch das umsetzen, was auf dem europäischen Gipfel im Dezember beschlossen wurde, und wenn parallel dazu die einzelnen Euro-Mitgliedstaaten einen glaubhaften und nachhaltigen Konsolidierungspfad für ihre Volkswirtschaften beschreiten, dann wird das Vertrauen von Bürgern, Unternehmen und Finanzmärkten in den Euro, in seine Mitgliedsstaaten und Institutionen zurückkehren.« Voraussetzung sei: Die Politik müsse die nötigen Schritte jetzt tun. Daran habe es bisher gefehlt. Dies müsse jetzt endlich anders werden.
Mehr Wettbewerbsfähigkeit statt neuer Konjunkturprogramme

Für den BDI-Präsidenten liegt der Schlüssel zum Abbau der Verschuldung im Euro-Raum in der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und nicht in weiteren Konjunkturprogrammen.
»Neues Wachstum lässt sich mitten in der Krise der öffentlichen Haushalte nicht durch öffentliche Gelder erzeugen; sondern dadurch, dass private Investitionen attraktiver werden.«
 
Dies gilt auch in Deutschland. Die Industrie müsse ihre Wettbewerbsfähigkeit tagtäglich aufs Neue unter Beweis stellen. Den reichlich vorhandenen Risikofaktoren dürfe die Politik keine weiteren hinzufügen, kritisiert Keitel. So bräuchte Deutschland mehr Möglichkeiten für private Investitionen in die Infrastruktur sowie intelligente Konsolidierung, die öffentliche Investitionen nicht vernachlässigt. Es bräuchte kluge Reformen in der Steuerstruktur und erst recht keine Diskussionen über Steuererhöhungen.

Aus Sicht der Industrie zählt zu den größten hausgemachten Risiken für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit – und damit für Wachstum und Beschäftigung – die Energiewende und ihre unzureichende Umsetzung.

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