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Digitalisierung, Wirtschaft & Finanzen

cep | Digitaler Euro käme noch zu früh

Paris. Weltweit setzen Zentralbanken verstärkt auf die Einführung digitaler Währungen, sogenannter Central Bank Digital Currencies (CBDC), als innovative Zahlungsmittel. Diese sollen sowohl dem Massenzahlungsverkehr als auch dem Handel zwischen Finanzmarktakteuren dienen. Das Centre de Politique Européenne | Paris (cep) hat die Entwicklung untersucht. Für Europa käme der digitale Euro demnach noch zu früh.

„In China und Nigeria werden CBDC für den Massenzahlungsverkehr bereits eingesetzt. Für andere finanzpolitisch komplexe Regionen wie die Eurozone oder die USA wäre das verfrüht“, warnt cep-Ökonom Victor Warhem. Im Juli vergangenen Jahres hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Startschuss für die Entwicklung in der Eurozone gegeben. Laut Warhem sehen sich Schwellenländer mit Herausforderungen konfrontiert, die den Einsatz von CBDC für den Massenzahlungsverkehr sinnvoll erscheinen lassen. Dazu zähle vor allem ein sicherer und stets verfügbarer Zugang zu Zahlungsmitteln. Im Gegensatz dazu wollten weiter entwickelte Länder eher die Effizienz und Sicherheit ihrer Massenzahlungssysteme verbessern.

„Zentralbanken reagieren mit der Einführung von CBDS insbesondere auf den Boom von Kryptoassets, die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, den gleichzeitigen Rückgang der Bargeldnutzung sowie die Rückkehr der Währungsgeopolitik“, erklärt Warhem. Diese reaktiven Gründe veranlassten Zentralbanken dazu, CBDC zu entwickeln, um ihre jeweilige Währung zu schützen. Hinzu komme das Ziel, ein digitales, risikofreies Zahlungsmittel für den privaten Zahlungsverkehr zu erhalten und die Substitution von Währungen durch digitale Währungen aus dem Ausland zu vermeiden, wie zum Beispiel den e-CNY aus China.

„Was den digitalen Euro betrifft, so sind die europäischen Verbraucher mit ihren traditionellen Zahlungsmitteln zufrieden. Es gibt nachweislich eine starke Opposition gegen den digitalen Euro, weil man die Abschaffung des Bargeldes befürchtet“, sagt Warhem. Dies könnte zu einem Scheitern des Projektes führen. „Allerdings muss die EZB dazu bereit sein, ihre Lösung einzuführen, wenn die richtige Zeit kommt, wahrscheinlich binnen zehn Jahren“ fügt er hinzu.

„Der digitale Euro sollte Innovationen im Privatsektor nicht behindern oder verdrängen, sondern ergänzen und ermöglichen“, fordert cep-Vorstand Henning Vöpel. Die Regulierung dieses Projekts müsse darauf abzielen, in der EU gleiche Wettbewerbsbedingungen im privaten Zahlungsverkehr zu schaffen und diese zu schützen, zumal es bereits sehr vielversprechende innovative Produkte gibt.

Der Direktor von cep France, Marc Uzan, plädiert dafür, dass die Eurogruppe ein CBDC-System vorantreibt, das grenzüberschreitende Zahlungen zwischen großen Finanzinstituten erleichtert. „Auf dem Markt für grenzüberschreitende Zahlungen klafft eine große Lücke, und es ist richtig, dass die Zentralbanken intervenieren, um interoperable CBDC-Systeme zu schaffen, wenn der Privatsektor dazu nicht in der Lage ist“, erklärt Uzan.