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College of Europe! … Und dann?

Karrieretage mit College-Alumni 2017 und künftigen Studierenden in Berlin

Am 28. und 29. Juni trafen sich im Rahmen der von der Europäischen Bewegung Deutschland e. V. (EBD) organisierten Karrieretage in Berlin die deutschen College-Alumni 2017 und die Studierenden des neuen Jahrgangs zur traditionellen Staffelübergabe. Das Vernetzungsseminar findet seit 2009 jährlich statt und dient der Förderung des jahrgangs- und campusübergreifenden Austauschs unter den Studierenden; gerade für die angehenden Studierenden sind die Erfahrungsberichte vorheriger Jahrgänge oftmals eine wichtige Orientierungshilfe für den Einstieg in den neuen Lebensabschnitt am College.

Wie bereitet man sich optimal auf das Studium am College vor? Worauf muss man sowohl im Uni-Alltag als auch abseits des Campus besonders achten? Wie sehen die beruflichen Chancen nach dem College aus? Lohnen sich weitere Praktika? Wie sinnvoll ist eine Promotion? Braucht man als LLM-Absolvent unbedingt das zweite Staatsexamen? Zu diesen und vielen weiteren Fragen wurde im Verlauf der zweitägigen Veranstaltung intensiv diskutiert.

Am Mittwochmorgen kamen zunächst die frischgebackenen Alumni zu einem kleinen Frühstück zusammen, um gemeinsam einen Blick auf das zurückliegende Jahr zu werfen und über positive wie negative Eindrücke und Erfahrungen am College zu berichten. In der Runde mit dabei waren auch die diesjährigen Studiengangsbesten Annegret Kempf (Politik und Verwaltung) und Etienne Reussner (Internationale Beziehungen).

Nachdem die „Neuen“ eingetroffen waren, begann dann die offizielle Begrüßung. EBD-Generalsekretär Bernd Hüttemann hieß die insgesamt rund 50 Studierenden beider Jahrgänge in der Sophienstraße herzlich willkommen und stellte die Arbeitsschwerpunkte und Projekte der EBD vor. Damit Demokratie in Europa funktionieren könne, sei es enorm wichtig, gerade kleinere Projekte verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen zu stärken, so Hüttemann. Weiterhin dürfe Europapolitik nicht nur mit Akteuren in Brüssel, Berlin und anderen westeuropäischen Hauptstädten verbunden werden – auch die gesellschaftspolitische Situation in den osteuropäischen Staaten sei zu berücksichtigen. Gerade die Studierenden am Campus in Natolin hätten hier eine besondere Chance, ihren Horizont zu erweitern.

Staffelübergabe der College-Alumni 2017 an den neuen Jahrgang

Staffelübergabe der College-Alumni 2017 an den neuen Jahrgang (Foto: EBD).

Im Namen der EBD bedankte sich Hüttemann ausdrücklich bei Dr. Frank Petrikowski, der von Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an der Veranstaltung teilnahm, für die langjährige und umfangreiche Stipendienförderung durch das BMBF, von der auch 20 Studierende des neuen Jahrgangs profitieren. Die Förderung werde auch in den kommenden Jahren fortgesetzt, so Petrikowski, der mit einem Bericht über seinen beruflichen Werdegang anschloss. Zuletzt skizzierte Horstpeter Kreppel, College-Alumnus 1974 und Richter und Kammervorsitzender a. D. am Gericht für den Öffentlichen Dienst der Europäischen Union, die Bedeutung des College of Europe für seinen persönlichen Werdegang. Es folgten Kurzvorträge der Alumni 2017 zu den Studieninhalten und organisatorischen Abläufen in den einzelnen Fachbereichen. Die Begrüßung und Staffelübergabe wurde moderiert von Manuel Knapp, stv. Generalsekretär der EBD.

Dr. Martin Schmid

Dr. Martin Schmid (Foto: EBD).

Im Anschluss an die Begrüßungsrunde nahm das Seminarprogramm seinen Lauf. Auch in diesem Jahr berichteten wieder eine Vielzahl ehemaliger Studierender der unterschiedlichen Fachbereiche am College von ihren persönlichen Werdegängen seit dem Abschluss und gewährten exklusive Einblicke in ihre Institutionen und Tätigkeitsbereiche. Den Anfang machte Dr. Martin Schmid: Bereits seit mehreren Jahren als politischer Berater und Analyst tätig, berichtete er den Studierenden eindrücklich von seinen mehrmonatigen Auslandsaufenthalten für die NATO in Afghanistan und für die OSZE in der Ostukraine, unter anderem als Wahlbeobachter. Die persönliche Vernetzung und Internationalität am College of Europe sei für sein berufliches Leben eine wichtige Grundlage gewesen, so Schmid.

Dr. Rana Deep Islam, Betram Lang und Stefan Diederich (v.l.n.r., Foto: EBD).

Dr. Rana Deep Islam, Bertram Lang und Stefan Diederich (v.l.n.r., Foto: EBD).

Nach der Mittagspause wurden die Studierenden der Jahrgänge 2016/17 und 2017/18 dann im Willy-Brandt-Haus empfangen. Dr. Rana Deep Islam, Referent in der Parteizentrale der SPD, Bertram Lang, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Mercator Institute for China Studies, und Stefan Diederich, Referent beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, standen den Studierenden zu ihren unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen in einer offenen Runde Rede und Antwort. Vor allem zu Fragen nach Vor- und Nachteilen einer Promotion im Anschluss ans College, sowie der Nennung der eigenen politischen Orientierung im Lebenslauf bezogen die Referenten Stellung: Bei der Berufswahl ginge es letztlich nicht so sehr darum, den Interessen anderer gerecht zu werden. Viel wichtiger sei es, Haltung zu zeigen und mit sich selbst zu vereinbaren, welche Entscheidung die richtige ist.

Wieder zurück in der Sophienstraße setzte sich das Programm nahtlos fort: Dr. Nicole Koenig und Heidi Kuhlmann vom Jacques Delors Institut Berlin stellten ausführlich die Hintergründe ihrer Arbeit vor und gaben Tipps für den Berufseinstieg in einem europapolitischen Think Tank, ob mit oder ohne PhD. Abschließend berichtete Dr. Deike Fuchs aus ihrer langjährigen Erfahrung als Referentin im Bundesministerium der Finanzen sowie an der deutschen Botschaft in Madrid.

Manuel Knapp dankt S.E. Ghislain D'hoop für die Gastfreundschaft (Foto: EBD).

Manuel Knapp dankt S.E. Ghislain D’hoop für die Gastfreundschaft (Foto: EBD).

Nach einem langen und intensiven inhaltlichen Programm fand der erste Karrieretag in der Botschaft des Königreichs Belgien seinen Höhepunkt. Mit einer persönlichen Ansprache empfing S.E. Ghislain D’hoop die College-Alumni und zukünftigen Studierenden in den Räumen der Botschaft und lud dazu ein, in gelockerter Atmosphäre gemeinsam den Tag ausklingen zu lassen und sich bei Pommes Frites und Bier über zurückliegende und bevorstehende Erfahrungen auszutauschen.

Am Donnerstagmorgen wurden den Studierenden der Jahrgänge 2016/17 und 2017/18 im Auswärtigen Amt die Möglichkeiten einer Karriere auf internationalem Parkett veranschaulicht.

Die "alten" und "neuen" College-Studierenden zu Gast im Auswärtigen Amt

Die „alten“ und „neuen“ College-Studierenden zu Gast im Auswärtigen Amt (Foto: EBD).

Kim-Mailin Weinrich, stv. Ausbildungsleiterin für den höheren Dienst, Arne Schneider, Referent für Flucht- und Migrationspolitik, und Julian Lübbert, Referent für den Brexit in der Europaabteilung, berichteten über ihre individuellen Wege vom College ins Auswärtige Amt und informierten zu Bewerbungsvoraussetzungen und möglichen Einsatzorten. Von Berlin über Brüssel bis nach Beijing oder Bagdad – kaum ein Ort auf der Welt sei als Arbeitsplatz ausgeschlossen.

Letzter Programmpunkt der Karrieretage war ein Besuch in den Räumen der Vertretung des Landes Hessen beim Bund. Dort begrüßte Dr. Wiebke Siegerist, Leiterin des Referats für Europafragen in der Hessischen Landesvertretung, die Studierenden des alten und des neuen Jahrgangs und skizzierte ihre weiteren Stationen in Ausbildung und Beruf nach dem LLM-Abschluss am College bis zu ihrer aktuellen Tätigkeit als Referatsleiterin. Die Runde der Referierenden wurde vervollständigt von Jan Kluck, Referent im Bundeskanzleramt, und Fabian Wehnert, Abteilungsleiter Mittelstand und Familienunternehmen beim Bundesverband der Deutschen Industrie, die ebenfalls eingehend ihre Lebenswege schilderten. Neben authentischen Eindrücken aus ihren individuellen Laufbahnen erhielten die Studierenden auch eine Reihe persönlicher Ratschläge mit auf den Weg.

Während der Zeit am College käme es nicht nur auf das Auswendiglernen von Vorlesungsskripten an, betonte Wehnert. Viel entscheidender sei es, ein Gefühl für Europa und die Bedeutung der europäischen Integration zu entwickeln. So sei auch die Besichtigung der Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs ein nachhaltig prägendes Erlebnis seiner Studienzeit gewesen. Zudem appellierte er an die Studierenden, ihre Zeit am College aktiv mitzugestalten und keine Scheu zu haben, auch unbequeme Fragen und Forderungen ans College zu stellen. Im Hinblick auf die weitere Karriereplanung nach dem College waren sich alle Referierenden einig: Masterpläne seien überbewertet – schließlich würden sich die Dinge oftmals eh kurzfristig und unvorhersehbar entwickeln. Wichtiger sei es, für einen Einklang zwischen Arbeits- und Privatleben zu sorgen und bei der Berufswahl stets auch den „Mut zum Nein“ zu wahren.

Inwieweit die Tipps und Ratschläge der Referentinnen und Referenten den angehenden Studierenden eine Hilfe bei der Gestaltung ihrer Studienzeit sein werden, wird sich dann bei den Karrieretagen 2018 in Berlin zeigen.

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