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Bildung, Jugend, Kultur & Sport, Europäische Wertegemeinschaft

„Cousins germains“ im Interview: Linn Selle und Yves Bertoncini im Newsletter des Deutsch-Französischen Jugendwerkes

Coronavirus, Klimawandel und Wirtschaftskrise: „Nichts davon lässt sich national bewältigen, für jedes dieser Probleme brauchen wir koordinierte Lösungen und Solidarität“, betont die Präsidentin der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) Dr. Linn Selle. Im Interview mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) spricht sie über europäische Krisenbewältigung, die Notwendigkeit Jugendpolitik in Europa zu stärken und die bevorstehende deutsche EU-Ratspräsidentschaft. Ihr französischer Kollege, der Präsident der Europäischen Bewegung Frankreich Yves Bertoncini hat dieselben Interviewfragen als Pendant auf Selles Gespräch auf Französisch beantwortet.

Am 9. Mai hat Europa den 70. Jahrestag der Schuman-Erklärung gefeiert. Seit dem 9. Mai 1950 kann das europäische Projekt viele Errungenschaften und positive Entwicklungen verzeichnen. Der anfängliche Umgang mit dem Ausbruch des COVID-19-Virus wirke im Vergleich dazu „aus der Zeit gefallen“, beschreibt Selle. Denn in den ersten Märzwochen, in denen sich die Pandemie über Europa ausbreitete, hätten viele Staaten rein von nationalen Interessen geprägte, unkoordinierte Maßnahmen ergriffen, wie etwa die Schließung von Grenzen. „Das hat viele Bürgerinnen und Bürger enttäuscht, weil deutlich wurde: Wenn es hart auf hart kommt, ist europäische Solidarität nicht mehr als ein Lippenbekenntnis“, so die EBD-Präsidentin. Um Probleme wie die derzeitigen zu lösen, sei eine koordinierte europäische Vorgehensweise notwendig. Die Schritte europäischer Zusammenarbeit, die in den letzten Wochen getroffen wurden, wie beispielsweise das europäische Rettungspaket, seien daher begrüßenwert.

Seit den Europawahlen 2019 ist nunmehr fast ein Jahr vergangen. Als positiven Fortschritt seit der Wahl im Bereich der Jugendpolitik bewertet Selle den Vorschlag der Europäischen Kommission, die finanzielle Ausstattung des Erasmus+-Programms in der kommenden Förderperiode (2021-27) verdreifachen zu wollen. Die Ende 2018 verabschiedete Jugendstrategie ist dagegen bisher nur unzureichend umgesetzt worden. Dies sei bedauerlich, denn demokratisch organisierte Jugendverbände „bieten die Möglichkeit, demokratische Prozesse hautnah zu erleben und in der Praxis zu erlernen“, so die EBD-Präsidentin. Die EU müsse ihre angekündigte Unterstützung der Verbände daher dringend in die Tat umsetzen.Im Zusammenhang mit der näher rückenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft wird oftmals die enge Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich hervorgehoben. Selle umschreibt das Verhältnis der beiden Länder mit dem Begriff der „cousins germains“, den sie von ihrem Kollegen Bertoncini kennengelernt habe. Genau wie in einer Familie bestehe zwischen Deutschland und Frankreich eine enge Verwandtschaft, in der es auch mal Streitigkeiten gebe. Diese müssten offen angesprochen werden und dürften den Zusammenhalt in Krisen nicht trüben – wie in einer funktionierenden Familie. Die deutsche Ratspräsidentschaft werde sich vor allem mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise widmen müssen. Eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit sei in dieser Hinsicht unerlässlich, betont die EBD-Präsidentin.

Das vollständige Interview der EBD-Präsidentin ist hier zu finden. Das Pendant-Gespräch mit Bertoncini gibt es hier nachzulesen. 

Anlässlich der 75. Jahrestags des Ende des Zweiten Weltkrieges hat die EBD eine gemeinsame Stellungnahme der beiden Präsidenten veröffentlicht, die Sie hier finden. 

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