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Bildung, Jugend, Kultur & Sport, Wettbewerbsfähigkeit

Das Ende der Kreidezeit – Hochkarätige Fachkonferenz zu Arbeit und Bildung 4.0

Digitalisierung ist DIE große Herausforderung für Bildung und Arbeitsmarkt unseres Zeitalters. Die Europäische Kommission reagiert darauf mit einer neuen Kompetenzagenda, welche die europäische Bevölkerung fit machen soll für diese neuen Anforderungen. Die Europäische Bewegung Deutschland e.V. veranstaltete dazu am  07.11.2016 in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und unter Einbindung diverser Mitgliedsorganisationen eine große Fachkonferenz, in der Vertreter federführender Ministerien und Institutionen gemeinsam die Anforderungen der Digitalisierung an Bildung und Arbeitsmarkt ausloteten.

Die Fachkonferenz unter der Headline „Braucht Arbeit 4.0 auch Bildung 4.0?“  bestand aus drei thematischen Foren, die sich der Digitalisierung in der schulischen, der beruflichen und der Erwachsenenbildung widmeten. Ergänzt wurden diese Fachdebatten durch Praxisbeispiele digitaler Bildungsprojekte und  einem Ausblick auf die Zukunft. Höhepunkt war die abschließende Keynote Günther H. Oettingers, Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft der Europäischen Kommission.

Im ersten Fachforum zur schulischen Bildung stellte Prof. Dr. Julia Gerick, Mitglied des nationalen Konsortium von ICILS (International Computer and Information Literacy Study) 2018, zunächst die Ergebnisse der ICILS Studie 2013 vor. Aus dieser ergab sich, dass europäische und insbesondere deutsche Schüler im internationalen Vergleich deutlich geringere Kompetenzlevel im Bezug auf die Verwendung von elektronischen und technischen Geräten aufwiesen.  Ministerialrat Norbert Schuldt, Referatsleiter Breitbandförderung/ Finanzierung im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, präsentierte die Initiativen der Bundesregierung für die digitale Infrastruktur  – mit 4 Milliarden Euro wird der qualitativ hochwertige  Breitbandausbau in den Kommunen 2016/ 2017 gefördert. Erwähnung fand auch der DigitalpaktDE, mit welchem der digitale Wandel bundesweit vorangetrieben werden soll.  Oberschulrat Arthur Gottwald,  stellte die neue Strategie für die digitale Bildung der Kultusministerkonferenz vor, mit der die Länder einheitliche Rahmenbedingungen für die digitale Bildung an Schulen entwickeln.

Elisabeth Kotthaus, stellv. Leiterin der politischen Abteilung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, beleuchtete die Initiativen der Europäischen Kommission zum Ausbau digitaler Infrastruktur und Kompetenzen. Das Podium stimmte darin überein, dass die Ausstattung der Schulen nur ein Aspekt digitaler Bildung sei, entscheidend sei jedoch letztlich, dass die Lehrerausbildung entsprechend umgestellt werde und dass sich Schulen auf den Weg machten, eigene Konzepte für die digitale Bildung zu entwickeln.

Das zweite Fachforum befasste sich mit dem Themenfeld der beruflichen Bildung. Anfangs präsentierte Detlef Eckert, Direktor für Beschäftigungspolitik der Europäischen Kommission, die neue EU Kompetenzagenda vor, welche zum Ziel hat, die Kompetenzen der europäischen Bevölkerung zu fördern, ihnen die Möglichkeit zum Erwerb neuer Kompetenzen zu schaffen und somit die Lebensqualität zu steigern. Weiterführend stellte Frau Dr. Julia Behrens, Projektmanagerin der Bertelsmann Stiftung, wissenschaftliche Konzepte vor, wie Arbeitnehmer bei der Aneignung digitaler Kompetenzen unterstützt werden können. Barbara Fabian, Referatsleiterin EU-Bildungspolitik des Deutschen Industrie und Handelskammertages e.V., beleuchtete den Aspekt der Qualifizierung von Fachkräften im digitalen Zeitalter. Anschließend präsentierte Boris Petschulat, Unterabteilungsleiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die wirtschaftliche Perspektive der Digitalisierung. Die Podiumsgäste formulierten abschließend gemeinsam, was die berufliche Bildung im digitalen Zeitalter am dringendsten benötigt:  Zum einen eine einheitliche technische Ausstattung der Berufsschulen in allen Bundesländern sowie digitales Lernmaterial, zum anderen aber auch bekannte Soft Skills wie Neugier und Mut.

Das dritte Podium diskutierte die berufliche Weiterbildung. Benjamin Mikfeld, Abteilungsleiter Grundsatzfragen des Sozialstaats und der sozialen Marktwirtschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, skizzierte, welche Branchen besonders stark von einem“ Automatisierungsrisiko“ betroffen seien und wie die Agentur für Arbeit künftig stärker als bisher auch präventiv dementsprechende Weiterbildungen fördern wird.

Anschließend forderte Thiemo Fojkar, Vorstandsmitglied der Europäischen Bewegung Deutschland und Vorsitzender des Bundesverbandes der Träger beruflicher Bildung e.V., ein Weiterbildungsgesetz und einen Weiterbildungsbeauftragen sowie eine stärkere Vernetzung der für Weiterbildung zuständigen nationalen Ministerien und europäischen Generaldirektionen. Dr. Iris Pfeiffer, Referatsleiterin Abteilung Berufliche Bildung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, bemerkte, dass die Digitalisierung nur durch beruflich qualifizierte Fachkräfte realisiert werden könne und somit die Aus- und Weiterbildung zentrale Stellschrauben für diese darstellen. In der abschließenden Runde wurde betont, wie wichtig es sei, weiter aktiv an einer gemeinsamen europaweiten Strategie für digitale Kompetenzen zu arbeiten.

Nach vielen klugen Analysen und Diskussionen standen dann Praxisbeispiele im Fokus: drei Projekte digitaler Bildung stellten sich den Zuschauern vor. Zunächst stellte die Berliner Lehrerin Jana Tokaryk ein eTwinning-Projekt über Shakespeares Romeo und Julia vor, bei dem deutsche und französische Schüler im Internet gemeinsam einen Comic entwickelten. Das zweite Projekt VIONA vernetzt Lehrer aus ganz Europa in einem virtuellen Klassenzimmer, wodurch diese ortsunabhängig gemeinsam an beruflichen Bildungsangeboten teilnehmen können. In der dritten Präsentation wurde eine neue berufliche Weiterbildung zu digitalen Medientutor/innen vorgestellt.

Die Ergebnisse der der Fachforen berücksichtigend, widmete sich das abschließende Panel dem Ausblick auf die Zukunft. Die Diskussion unter dem Motto „Wie geht es weiter?“ moderierte der Generalsekretär der EBD, Bernd Hüttemann. Auf dem Panel diskutierten Matthias Anbuhl, Abteilungsleiter für Bildungspolitik und Bildungsarbeit des Deutscher Gewerkschaftsbund, Dr. Irene Seling, Abteilungsleitung Bildung/ Berufliche Bildung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und Matthias Graf von Kielmansegg, Leiter der Abteilung „Grundsatzfragen, Strategie, Digitaler Wandel“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie Boris Petschulat, Unterabteilungsleiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Sie beleuchteten aus Sicht deutscher Ministerien und Arbeitgeberverbände Erwartungen an die Europäische Kommission – einen Mehrwert könne die europäische Koordinierung in der Digitalisierung vor allem in der Vergleichbarkeit bieten, wichtig sei allerdings, dass die formulierten Ziele und Benchmarks auch realistisch und nicht unerreichbar seien.

Den Abschluss bildete eine Rede Günther H. Oettingers, Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft der Europäischen Kommission. In gewohnt humorvoller Art verglich der Kommissar die Anforderungen seiner Kindheit mit denen, die heute an Kinder und Jugendliche gestellt werden. Zwar wäre die heutige Jugend absolut digital affin, nutze diese Fähigkeiten jedoch noch viel zu selten professionell. Deutschland und Europa müsse mehr tun, um in innovativen Branchen mitzumischen – zum Beispiel durch den Ausbau der IT-Studiengänge und die Förderung von Starts-Ups.

Die ganztägige Fachkonferenz erfreute sich großem Interesse. Die etwa 180 Gäste blieben hartnäckig bis zum Abend dabei und diskutierten auf hohem fachlichen Niveau mit den Podiumsgästen. Die umfangreichen Inhalte wurden online dokumentiert und können hier nachgelesen werden.

Die EBD, die regelmäßig mit der Europäische Kommission Fachveranstaltungen ausrichtet, ergänzte die Debatte auf der Veranstaltung durch ein EBD Telegramm, in dem die Mitgliedsorganisationen der EBD sich zur digitalen Bildung äußerten.

Weitere Informationen aus dem Netzwerk zum Thema Bildung finden Sie unter dem Nachrichtenschlagwort Europabildung. Unter #EuSkillsAgendaDE konnte die Veranstaltung live auf Twitter verfolgt werden.

Einige Momentaufnahmen der Veranstaltung können Sie auf der Facebook Seite der EBD finden.

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