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Partizipation & Zivilgesellschaft

Preis Frauen Europas | „Das kommt mir verdammt bekannt vor!“

Statement der „Frau Europas“ Jasmina Prpić zu den Demonstrationen gegen rechtsradikale Tendenzen:

„Der Platz der Alten Synagoge meiner so geliebten neuen Heimatstadt Freiburg war heute voll. Voll von Menschen jeden Alters: Schüler*, Studierende, Familien mit Kindern, Rentner, Gewerkschaftsmitglieder, Unternehmer, Zugewanderte wie Alteingesessene, Vertreter aller politischen Parteien, sogar der AfD. Mit wütenden Pfiffen und lauten Parolen wurden Letztere aufgefordert, den Ort des Protestes zu verlassen.

(*damit sind alle Geschlechter gemeint)

Der Protest, die lautstarke öffentliche Empörung nimmt zu. Der Ruf nach einem AfD-Verbot wird lauter. Nach dem Bekanntwerden von Geheimtreffen rechtsradikaler Netzwerke formiert sich im ganzen Land eine Gegenbewegung. Ein kollektiver Aufschrei gegen bekannt gewordene Konzepte zur ‚Remigration‘, der massenhaften Ausweisung von Menschen ausländischer Herkunft aus Deutschland.

Das kommt mir sehr bekannt vor, dieses Konzept der ‚ethnischen Säuberung‘ von unerwünschten Menschen!

Damals, Anfang der neunziger Jahren, gehörte ich mit meiner Familie und Tausenden anderen aus der nichtserbischen Bevölkerung meiner Heimatstadt Banja Luka in Bosnien und Herzegowina zu diesen Unerwünschten, wie sie heute von Rechtsradikalen inklusive Teilen der AfD gebrandmarkt werden.

Wir gingen damals auf die Straße, um die Stimmen von Demokratinnen und Demokraten gegen den nationalistischen Wahnsinn zu erheben. Unser seit Jahrhunderten existierendes Zusammenleben in diesem Vielvölkerstaat war plötzlich in Gefahr. Fast niemand wollte glauben, dass es wirklich zur Vertreibung kommen könnte, dass ein Bürgerkrieg drohte. Dass die über vierzig Prozent gemischtnationaler Ehen als Fundament des friedlichen Zusammenlebens der drei Volksgruppen, Bosnier, bosnischen Kroaten und bosnischen Serben, unter Druck geraten könnten.

Und leider geschah genau das!

Tausende vor allem bosnische Frauen wurden vergewaltigt, hunderttausende Unerwünschte aus ihren Ortschaften und Häusern verjagt. Für immer vertrieben. Heute, mehr als dreißig Jahre nach diesem Exodus unter den Augen der Weltgemeinschaft, leben wir in der ganzen Welt zerstreut.

Ich landete mit meiner Familie in Deutschland und glaubte, eine neue Heimat gefunden zu haben. Einen sicheren Ort. In einer Demokratie mit in der Verfassung festgeschriebenen garantierten Grundrechten. Ich glaubte an ein friedliches Leben und eine sichere Zukunft.

Seit dreißig Jahren lebe ich hier. Nun also die Enthüllungen über besagtes Potsdamer Treffen einer Gruppe von Menschen, die sich als Rassisten und Nationalisten darüber austauschen, wie ‚Remigration‘ von unerwünschten Bevölkerungsgruppen machbar wird. Die sich sorgen, ob sie ‚als Volk im Abendland noch überleben oder nicht‘.

Das alles kommt mir verdammt bekannt vor!

Als unsere damaligen bosnischen Mitbürger serbischer Herkunft sich nach dem Zerfall von Jugoslawien dem ‚Mutterland‘ Serbien anschließen wollten, stellten sie die gleiche Frage. Darauf fußte ihr ‚Masterplan‘ zur Vertreibung von Menschen anderer Volksgruppen.

Anfangs glaubten wir, die demokratischen Kräfte unseres Landes, wir könnten mit friedlichen Protesten und Appellen diesen Wahnsinnsplan zu Fall zu bringen. Leider haben wir, die Unerwünschten, den Kampf damals verloren. Ich will hoffen, dass es dieses Mal anders kommt.“


Über den Preis Frauen Europas – Deutschland:
Mit dem Projekt ehrt die EBD seit 1991 Frauen, die sich durch ihr mutiges, kreatives oder hartnäckiges ehrenamtliches Engagement in besonderer Weise für das Zusammenwachsen und die Festigung eines vereinten Europas einsetzen. Die symbolische Auszeichnung soll bürgerschaftlich aktive Europäerinnen untereinander und mit den EBD-Mitgliedsorganisationen vernetzen und ehrenamtliche Strukturen in der Zivilgesellschaft stärken.

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