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Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz

dbb | Deutschland muss bei Gleichstellung aufholen

Der am Dienstag, den 16. Oktober 2019, veröffentlichte Gleichstellungsindex des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) zeigt, dass Deutschland mit 66,9 von 100 Punkte im europäischen Gleichstellungsranking nur Platz 12 belegt. Die dbb bundesfrauenvertretung kritisiert die langsame Entwicklung in Deutschland und hofft auf eine wirkungsvolle nationale Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
„Defizite bei der Gleichstellung hindern uns daran, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenziale voll auszuschöpfen. Wir fordern die Bundesregierung daher auf, die im letzten Jahr verabschiedete EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben konsequent umzusetzen“, sagte Helene Wildfeuer am 17. Oktober 2019.

Besonderes Augenmerk des diesjährigen Index liegt auf der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und deren Relation zur Geschlechtergleichstellung. „Das Bundeselterngeld- und Elternzeit ist das wichtigste familienpolitische Instrument zur Unterstützung von Eltern, die Betreuungsaufgaben mit ihrer Arbeit in Einklang bringen müssen. Hier muss der Zeitraum ausgeweitet werden, den der zweite Anspruchsberechtigte das Elterngeld mindestens beziehen muss“, so Wildfeuer.

Aber auch bei der staatlichen Unterstützung von pflegenden Angehörige müsse unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung deutlich nachbessert werden. „Die Zahl der älteren Menschen steigt in den kommenden Jahren drastisch und damit auch der Bedarf an Langzeitpflegedienstleistungen. Bisher sind es vor allem Frauen zwischen 50 und 64, die hier die Lücke in der Pflege schließen – eigenhändig und unbezahlt. Ein Anspruch auf Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder vorübergehend unterbrechen, könnte die Situation deutlich entspannen“, stellt Wildfeuer heraus.

Der Index für die Gleichstellung der Geschlechter analysiert sechs Kernbereiche: Arbeit, Einkommen, Bildung, Zeit, Macht und Gesundheit. Am schlechtesten schneidet Deutschland im Bereich Bildung ab. Mit 53,7 Punkten belegt Deutschland im europäischen Vergleich hier nur Platz 24. „Ausgerechnet in Deutschland liegt, im Gegensatz zu fast allen anderen Mitgliedstaaten, die Quote der Hochschulabsolventinnen ganze acht Prozent unter dem Anteil der männlichen Hochschulabsolventen. Diese Entwicklung ist überraschend und besorgniserregend zugleich. Hier muss genauer hingesehen werden, was junge Frauen daran hindert, ein Hochschulstudium abzuschließen“, so Wildfeuer. Aber auch die unterschiedlichen Präferenzen von jungen Männern und Frauen bei der Wahl der Studiengänge stellt laut Index für Deutschland eine Herausforderung dar. „Eine klischeefreie frühkindliche Bildung und ein praxisorientierter Schulunterricht, der Mädchen und Jungen den Zugang zu naturwissenschaftlichen wie sozialen Berufen in gleichem Maße schmackhaft macht, muss noch stärker unterstützt werden“, betonte Wildfeuer.

Spitzenreiter im Gleichstellungsranking innerhalb der EU ist Schweden mit 83,6 Punkten. Auf dem letzten Platz liegen Griechenland und Ungarn mit nur 52 Punkten. Portugal hat mit einem Plus von 3,9 Punkten den größten Sprung nach vorne gemacht. „Der Index zeigt, dass fast die Hälfte aller Mitgliedstaaten unter die 60-Punkte-Marke fallen. Das entspricht in keiner Weise unseren Ansprüchen an Geschlechtergerechtigkeit in der Europäischen Union. Hier muss die EU-Kommission klare Kante zeigen und die Förderung der Gleichstellung zur Chefsache erklären“, forderte die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung.

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