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Bildung, Jugend, Kultur und Sport

DBJR | Ergebnisse der Beteiligungsrunde „du »EUROPA» wir“

Erneuerbare Energie fördern. Klimaziele einhalten. Lernen ohne Leistungsdruck. Einen guten Einstieg ins Arbeitsleben finden. Eine gemeinsame und solidarische EU-Asylpolitik. Das sind Forderungen an eine Politik, die die Bedürfnisse junger Menschen auf dem Schirm hat. Sie sind Ergebnis der Beteiligungsrunde „du »EUROPA» wir“.
Seit Sommer 2017 ging es um die Frage, wohin sich Europa aus Sicht junger Menschen entwickeln soll; und was Jugendpolitik dazu beitragen kann. Jugendliche und junge Erwachsene konnten von November 2017 bis Februar 2018 darüber abstimmen, welche Themen und Forderungen ihnen beim Thema „Jugend und Europa“ besonders wichtig sind.

Die Themen und Vorschläge waren zuvor gesammelt worden und hatten einen Themencheck durchlaufen. Parallel dazu diskutierten junge Menschen aus allen Teilen Deutschlands bei Veranstaltungen über eine Auswahl der Themen. Neben zwei DenkWerkstätten der Werkstatt MitWirkung organisierte der Bayrische Jugendring die Regionalkonferenz „ConnActioN – Jugend und Politik“. In Workshops mit Schüler_innen, Studierenden und jugendlichen Teilnehmenden aus Projekten und Verbänden bot außerdem das juMp-Team Raum für Diskussionen über die Themen.

Die Ergebnisse in der Kurzübersicht

1. Umwelt und Nachhaltigkeit

Die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit brennen jungen Menschen besonders unter den Nägeln. Die Teilnehmenden sorgen sich um die zunehmende Umweltzerstörung, wollen mehr über die Zusammenhänge erfahren und machen sich Gedanken, wie sie ihr eigenes Verhalten ändern können. Sie fordern auch, dass politische Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Umweltschutz geschaffen werden. Denn sie finden, Lösungen für Umweltprobleme sind komplex, bedürfen klarer Zielsetzungen und müssen realitätsnah sein.

2. Bildung, Ausbildung und Arbeit

Jugendarbeitslosigkeit ist in der Europäischen Union ein großes Problem. Junge Menschen sind besonders oft von schlechten Arbeitsbedingungen betroffen. Außerdem haben die Teilnehmenden das Gefühl, dass beim Lernen Leistung meistens wichtiger ist als die eigene Entwicklung. Deshalb wünschen sie sich, dass sie nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden.

3. Mobilität und Begegnung

Mobil sein und Menschen aus anderen Ländern begegnen, das macht Europa für junge Menschen konkret erlebbar: zum Beispiel durch Reisen, Jugendbegegnungen, Freiwilligendienste, Schul- und Auszubildendenaustausche. Deswegen ist es wichtig, dass die Verkehrsnetze ausgebaut werden und Jugendprogramme generell gestärkt und für weitere Zielgruppen zugänglich gemacht werden.

4. Zusammenleben in Vielfalt

Die Teilnehmenden nehmen wahr, dass in Europa rechte Einstellungen, Hass und Ausgrenzung gegen bestimmte Gruppen zugenommen haben. Sie wollen sich dagegen stellen. Sie finden, dass junge Menschen lernen müssen, gegenüber Menschen mit anderen Kulturen, Religionen oder Lebensweisen offen zu sein. Deshalb fordern sie, dass das Zusammenleben von vielfältigen Menschen stärker gefördert werden sollte. Dafür, glauben sie, braucht es gute Regelungen, aber vor allem auch Bildung.

5. Politik für junge Menschen

Die Teilnehmenden sehen nicht ein, dass ihre Themen so wenig in der Politik vorkommen. Politiker_innen sollen mehr mit Interessenvertretungen junger Menschen ins Gespräch kommen statt mit der Wirtschaftslobby, fordern sie.

6. Beteiligung

Junge Menschen wollen mitsprechen – über ihre Interessensvertretungen und einen offenen Dialog mit Politiker_innen. Die Teilnehmenden fordern mehr nachhaltige und attraktive Beteiligungsmöglichkeiten, bei denen sie wirklich etwas entscheiden können. Außerdem wollen sie dafür politische Abläufe besser verstehen lernen.

7. Weiterentwicklung der EU

Für ein besseres Verständnis und eine Unterstützung der EU ist es aus Sicht der Teilnehmenden besonders wichtig, dass sich die EU weiterentwickelt. Sie muss in einigen Politikbereichen stärker zusammenarbeiten sowie transparenter, demokratischer und sozialer werden.

8. Freiwilliges Engagement und Jugendorganisationen

Die Teilnehmenden sehen viele Möglichkeiten sich aktiv zu engagieren, aber sie brauchen dafür Zeit, Unterstützung und Geld. Außerdem wird ihr Engagement immer noch zu wenig wertgeschätzt.

9. Jugend in der digitalen Welt

Die digitale Welt hat für junge Menschen mehrere Seiten: Zum einen geht es um Informationen, die sie beziehen. Zum anderen beschäftigt die Teilnehmenden das Thema, was mit den Informationen passiert, die sie selbst preisgeben. Deshalb spielt für sie das Thema Datenschutz eine sehr wichtige Rolle. Aber auch die Verbreitung von Beleidigungen und Falschmeldungen bereitet ihnen Bauchschmerzen.

10. Europäisches Wir-Gefühl

Für ein stärkeres Wir-Gefühl in Europa sind für die Teilnehmenden vor allem offene Grenzen wichtig. Sie wollen sich frei in den Ländern Europas bewegen und Menschen aus anderen Kulturen kennenlernen. Außerdem würden sie gerne mehr über europapolitische Themen erfahren. Denn sie betonen, dass alle Menschen einbezogen werden müssen.

So geht’s weiter

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und der Diskussionsveranstaltungen wird an das Bundesjugendministerium und die Jugendministerien der Länder weitergegeben. Die  haben versichert, die gesammelten Meinungen und Forderungen zu berücksichtigen, wenn sie ihre Positionen für die neue EU-Jugendstrategie entwickeln.

Darüber hinaus geht eine Zusammenfassung der Ergebnisse als Input aus Deutschland an die EU-Jugendkonferenz in Sofia (Bulgarien). Die ist im April 2018. Die Ergebnisse dieser Konferenz werden unter anderem an die EU-Kommission übergeben, damit die wiederum sie in ihrem Entwurf für die neue EU-Jugendstrategie berücksichtigen kann. Der Entwurf soll im Frühsommer 2018 veröffentlicht werden.

Gleichzeitig spielt das Engagement junger Menschen für Europa auch bei den Themen der Jugendstrategie „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ des Bundesjugendministeriums eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse von „du »EUROPA» wir“ werden deshalb auch in diesen politischen Prozess einfließen.

Ergebnisse aller Veranstaltungen und der Online-Beteiligung wurden in einer Broschüre zusammengefasst und stehen bereits hier.