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Bildung, Jugend, Kultur und Sport, Europäische Wertegemeinschaft

DBJR |Gemeinsam für ein solidarisches Europa

Wir sind schockiert über den Umgang unserer Regierung mit den Problemen in Griechenland. Das war und ist kein gutes Handeln, das Europa weiterbringt. Unserem Partner, dem griechischen Jugendring, haben wir deswegen einen Brief geschrieben:

Liebe Freundinnen und Freunde,

die Staats- und Regierungschefs der Euroländer haben in den letzten Tagen ein Paket geschnürt, das vor allem euch jungen Menschen in Griechenland – aber auch allen Jugendlichen in Europa – aufgeladen wird. Wir jungen Menschen in Deutschland in den Jugendverbänden und Jugendringen unter dem Dach des Deutschen Bundesjugendrings erklären deshalb unsere Solidarität mit euch. Wir Jugendringe müssen gemeinsam zeigen: Wir lassen uns nicht auseinandertreiben, unabhängig vom Verhalten unserer Regierungen.

Wir üben starke Kritik an unserer Regierung, die nicht im Sinne junger Menschen in Europa, nicht im Sinne der europäischen Idee, sondern vor allem im Sinne der Banken und der Wirtschaft gehandelt hat. Wir sind fassungslos, dass Abgeordnete unseres Parlaments und der Regierungsparteien weiter gegen euch und alle Griechen hetzen. Die deutsche Regierung hat in den letzten Tagen Vertrauen in Europa zerstört. Sie hat die europäische Idee ramponiert. Wir hätten uns von unserer Regierung ein offenes Zugehen gewünscht, einen mutigen Schritt in eine europäische Zukunft, die nicht nur auf Geld baut. Europa geht nur mit allen europäischen Staaten, geht nur solidarisch, friedlich, gerecht und – gerade in Krisenzeiten – gemeinsam.

Das so genannte Rettungspaket treibt Griechenland aus unserer Sicht weiter in die Abhängigkeit. Vor allem die Privatisierung staatlicher Aufgaben und Infrastruktur wird euch und die künftigen Generationen über Jahrzehnte hinweg der Selbst- und Mitbestimmung berauben. Es gibt in den Vorschlägen keine Maßnahmen, die die Perspektiven junger Menschen wirklich und wirksam verbessern. Das ist ein Skandal! Es braucht gerade jetzt zielgerichtete Investitionen, eine schnelle Umschuldung und einen Schuldenschnitt der Gläubigerstaaten.

Eine Politik wie die aktuelle setzt uns junge Menschen in ganz Europa hohen und speziellen Risiken aus. Politische Entscheidungsträger_innen in ganz Europa müssen sich darüber klar werden, dass die aktuellen Debatten und Entscheidungen über die Ausgestaltung der Europäischen Union die Jugend in allen Ländern Europas zutiefst betreffen. Unsere Bedürfnisse und Forderungen als junge Menschen müssen deshalb besonders gehört und ernst genommen werden. Es ist unerträglich, wie mit unseren Zukunftsperspektiven in Europa am Verhandlungstisch gespielt wird.

Wir, die im DBJR zusammengeschlossenen Jugendverbände und -ringe, sehen mit großer Sorge, dass in der Diskussion um Ursachen und Folgen der Krise durch gegenseitigen Schuldzuspruch, Gräben zwischen einzelnen Mitgliedsstaaten aufgerissen werden. Europa muss für ein friedliches, geeintes, demokratisches und soziales Miteinander stehen. Jugendliche wollen nicht zurück zu einer schwachen europäischen Gemeinschaft oder zu einem Europa der Nationalstaaten. Nationalstaatlich orientierte Politik ist keine Zukunftsoption; sie war immer Nährboden für Ausgrenzung, Nationalismus und Krieg und löst auch die wirtschaftlichen Probleme nicht. Die europäische Integration hat auf die zivilisatorischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts eine mutige, visionäre und wirksame Antwort gefunden. Sie ist damit zur Grundlage für ein neues, werteorientiertes Miteinander der europäischen Völker geworden.

Mit euch jungen Menschen in Griechenland wollen wir uns dafür stark machen, dass sozialer Zusammenhalt und Chancengleichheit innerhalb der Europäischen Union gestärkt werden. Wir wollen die Begegnung und den Austausch von jungen Menschen. Wir wollen den Erhalt und Aufbau von Jugendstrukturen. Wir wollen, dass vor allem junge Menschen frühzeitig eingebunden werden und Europa mitgestalten können.

Wir bleiben gerne weiter mit euch im Dialog und freuen uns auf euren Besuch bei unserer Vollversammlung im Herbst. Dort möchten wir mit Euch gemeinsam die aktuelle Situation bewerten.

Mit solidarischen Grüßen

Lisi Maier (Vorsitzende) und Stephan Groschwitz (Vorsitzender)

Hier gibt es weitere Informationen und die Briefe auf Deutsch und Englisch.

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