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  • 18.02.2011 - 10:18 GMT
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Landwirtschaft und Fischerei

DBV: Belange der Ökobetriebe bei Reform der EU-Agrarpolitik berücksichtigen

DBV-Präsident Sonnleitner skizziert Herausforderungen für Ökobetriebe auf der BioFach

Der Biomarkt sei heutzutage ausgesprochen europäisch und international. „Seitdem die Bioprodukte nicht mehr nur im Direktabsatz oder über den Fachhandel ihren Abnehmer finden, sondern breit im Sortiment des Lebensmitteleinzelhandels verankert sind, wächst der Markt rascher – aber in diesem Markt wachsen die Importe noch schneller“, dies hob der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, im Rahmen des DBV-Perspektivforums am 17. Februar 2011 anlässlich der BioFach in Nürnberg hervor. Seiner Aussage zu Folge ist der Umsatz im Biobereich im letzten Jahr auf über sechs Milliarden Euro gewachsen. Der Biomarkt sei nach wie vor ein bedeutender Wachstumsmarkt. „Wir Landwirte werden und wollen dabei mitwirken“, betonte der DBV-Präsident in Nürnberg.
Die deutschen Bauern seien äußerst bestrebt, auch im ökologischen Landbau mit der heimischen Produktion den Markt zu wesentlichen Teilen zu gestalten. „Dazu brauchen wir Marktpartner, die mit uns gemeinsam Regionalität und kurze Wege in den Lieferbeziehungen wirklich leben. Denn das A und O für die Zukunftsperspektive der Landwirte wie der beteiligten Wirtschaftsbereiche ist die Bereitschaft der Verbraucher, für unsere Produkte kostenorientierte Preise zu bezahlen“, so der Appell Sonnleitners. Hierbei unterscheide sich der Ökolandwirt überhaupt nicht vom konventionellen Betrieb. Aber der ökologisch wirtschaftende Betrieb bringe zusätzliche Leistungen etwa für die Biodiversität in der Landschaft, „für die er auch einen entsprechenden Ausgleich erwarten darf“. Genau deshalb gebe es in Deutschland zu recht seit nunmehr fast 20 Jahren die Umstellungshilfen und eine Dauerförderung für den ökologischen Landbau.
Im Rahmen der EU-Agrarpolitik werden laut Sonnleitner „die besonderen Leistungen der Ökobetriebe mit einem Gesamtausgleich je Hektar von rund 450 bis 550 Euro belohnt“, also deutlich besser als in anderen EU-Staaten. Denn neben der einheitlichen Flächenprämie, die alle Betriebe in Deutschland erhalten, könnten Ökobetriebe zusätzlich diesen einheitlichen Flächenausgleich mit den Fördermaßnahmen für den Ökolandbau und speziellen Agrarumweltmaßnahmen kombinieren. „Unseren Ökobetrieben droht aber durch den Cioloş-Ansatz eine Vermischung der ersten und zweiten Säule. Denn wenn es nach den Vorschlägen der EU-Kommission kommt, dass zum Beispiel der Direktausgleich der ersten Säule auf etwa die Hälfte gekürzt wird und jeder Betriebe dann ein Top-up erhalten kann, etwa indem er ökologisch bewirtschaftet, um wieder auf die alte Höhe des Direktausgleichs in der ersten Säule zu kommen, dann muss das zwangsläufig dazu führen, dass diesem Ökobetrieb die bisherigen Leistungen in der zweiten Säule weitgehend verlorengehen“, stellte Sonnleitner fest. Verluste zwischen 100 und  150 Euro je Hektar dürften die Folge sein. Daher bestehe der Bauernverband bei der Reform der EU-Agrarpolitik nach 2014 auf eine saubere Trennung zwischen der ersten Säule und der zweiten Säule. Aus Erzeugersicht sei es nur so möglich, für gezielte Umweltleistungen auch gezielte Unterstützung zu bekommen. Doch sollte man dem einzelnen Betrieb die Wahlmöglichkeit lassen, wie er denn den gezielten Beitrag zur Biodiversität oder zum Wasserschutz leisten möchte.
Gerade für die Biobetriebe sei es wichtig, dass bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik nun endlich mit Entbürokratisierung Ernst gemacht werde. Die Landwirtschaft brauche einfache Regelungen und nicht 152 Seiten Mehrfach-Anträge. „Es ist selbstverständlich, dass wir Fachgesetze einhalten. Aber es macht keinen Sinn, von einer ausgerissenen Ohrmarke die volle Auszahlung des Direktausgleichs abhängig zu machen“, beschrieb der Bauernpräsident das Vorschriftenproblem. Noch verrückter werde es, wenn bei einer völlig entkoppelten Flächenzahlung Einzelbäume, Sölle, kleine Gebüsche und Hecken jetzt noch herausgemessen werden müssten, wo es doch ohnehin völlig gleich ist, was auf der Fläche produziert oder nicht produziert werde.

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