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  • 08.10.2010 - 08:38 GMT
  • DBV
Landwirtschaft und Fischerei

DBV: Europäischer Bauernverband fordert solide EU-Agrarpolitik nach 2013

Kongress der europäischen Landwirte 2010 in Brüssel

Der europäischen Bauern- und Genossenschaftsverband Copa-Cogeca forderte die EU zur Gewährleistung einer soliden Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 auf, die sich auf die wirtschaftliche Rolle der Landwirte bei der Erzeugung von Lebensmitteln und bei der Erbringung von Dienstleistungen konzentriert. Während des Kongresses der europäischen Landwirte 2010 in Brüssel machte der Verband deutlich, dass angesichts sinkender Betriebseinkommen in der EU umfassende Verbesserungen an der Funktionsweise der EU-Lebensmittelkette vorzunehmen seien, um den europäischen Landwirten und ihren Genossenschaften einen besseren Erlös aus dem Markt zu garantieren.
„Die Einkommen in den Betrieben der EU sind letztes Jahr um fast 12 Prozent eingebrochen und betragen im Schnitt bereits weniger als 50 Prozent der europäischen Durchschnittseinkommen", mahnte Copa-Präsident Padraig Walshe. Er machte deutlich, dass sich nach Einschätzung der FAO die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln werde. Zusätzlich dränge der EU-Handelskommissar auf ein Handelsliberalisierungsabkommen mit dem lateinamerikanischen Handelsblock Mercosur, das Folgen für Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch sowie Ethanol und den Obst- und Gemüsesektor in Europa hätte. "Dies würde über 28 Millionen Arbeitsplätze in den ländlichen Gebieten der EU gefährden. Es würde auch eine Gefährdung der strengen EU-Standards für Lebensmittelsicherheit darstellen, da Importe nicht dieselben Auflagen einzuhalten hätten", betonte Walshe.
Zur Gewährleistung eines sicheren und stabilen Lebensmittelangebots für 500 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU müsse sich die zukünftige GAP auf die Wirtschaftsrolle von Unternehmerlandwirten bei der Erzeugung von Lebensmitteln konzentrieren. "Die EU-Kommission muss daher sicherstellen, dass alle Marktverwaltungsinstrumente zur Verfügung stehen und dass die Direktzahlungen an aktive Landwirte fortgeführt werden", so Walshe. Es müssten ausreichende Gemeinschaftsmittel zur Finanzierung einer starken GAP zur Verfügung gestellt werden. Ohne adäquate Unterstützung werde die landwirtschaftliche Erzeugung der EU weiter zurückgehen und einen sprunghaften Anstieg der Lebensmittelpreise für Verbraucher nach sich ziehen. Der Haushalt der GAP mache lediglich 0,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Ohne die GAP würden die Verbraucherinnen und Verbraucher von Lebensmittelimporten abhängen, für die keinerlei Kontrolle über die Produktionsbedingungen, den Preis oder die Verfügbarkeit bestehe.
Cogeca-Präsident Paolo Bruni betonte: „Es müssen auch tief greifende Verbesserungen für eine bessere Funktionsweise der Lebensmittelkette erreicht werden". Derzeit bestehe ein starkes Ungleichgewicht in der Machtverteilung, bei dem Genossenschaften der immensen Kaufkraft einiger weniger Supermärkte gegenüberstehen. Die Landwirte und ihre Genossenschaften müssten einen gerechteren Anteil aus dem Einzelhandelspreis beziehen. Die Position der Landwirte in der Lebensmittelkette müsse zudem gestärkt werden, was durch eine Konzentration des Angebots in den Genossenschaften und Erzeugerorganisationen erreicht werden könnte. Das europäische Wettbewerbsrecht sollte so angepasst werden, dass Genossenschaften an Größe und Einfluss gewinnen und so zu einer ausgewogenen Lebensmittelversorgungskette beitragen. Auch die Vertragsbeziehungen müssten fairer werden.

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