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  • 05.01.2012 - 09:29 GMT
  • DBV
Landwirtschaft und Fischerei

DBV: Kritik an EU-Studien zu indirekten Landnutzungsänderungen

DBV und Biokraftstoffwirtschaft warnen vor falschen Schlussfolgerungen

Die von der EU-Kommission angestoßene Debatte um die so genannten indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) könnte zu einer einseitigen Belastung für Biokraftstoffe aus heimischer Erzeugung werden. Davor warnen der Deutsche Bauernverband (DBV) und die Biokraftstoffwirtschaft. Die Auferlegung eines sogenannten ILUC-Faktors, einem zusätzlichen kalkulatorischen CO2-Ausstoß auf Biodiesel aus Raps sowie auf Bioethanol aus Getreide oder Zuckerrüben wäre völlig unsachgemäß, so die Kritik. Mit der ILUC-These werde unterstellt, dass die Rohstoffproduktion für die Biokraftstoffproduktion in Europa zu einer Ausweitung der Nahrungs- und Futtermittelproduktion auf bisher nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen außerhalb der EU führt. Dadurch entstünden wiederum erhebliche CO2-Emissionen, weil beispielsweise Regenwald zugunsten des Anbaus von Soja gerodet werden müsste. Die Wirtschaft lehne die Anrechnung eines ILUC-Faktor ab, so der DBV, weil die hiesige Landwirtschaft diese kalkulatorische CO2-Belastung nicht durch ihre Wirtschaftsweise beeinflussen könne.
Gemeinsam mit den Vorsitzenden des Verbandes der Ölsaatenverarbeitenden Industrie Deutschland (OVID), Wilhelm F. Thywissen, der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP), Dr. Klaus Kliem, und des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), Detlef Evers, hat DBV-Präsident Gerd Sonnleitner gegenüber EU-Energiekommissar Günther Oettinger die jüngst vorgelegten Studien zu den indirekten Landnutzungsänderungen kritisiert. Im Mittelpunkt der Kritik stünden die im Auftrag der EU-Kommission erstellte Studie des JRC (Joint Research Centre in Ispra/Italien) sowie eine Untersuchung des IFPRI (International Food Policy Research Institute in Washington D.C./USA).
Die Verbände kritisieren insbesondere die mangelnde Validität der Daten, was zu enormen Streubreiten bei der Errechnung des modellhaften "ILUC-Faktors" führe, heißt es beim DBV. Teilweise würden in den Studien auch die direkte und die indirekte Landnutzungseffekte miteinander verwechselt oder auch doppelt gezählt. In der IFPRI-Studie würden die Komplexität der internationalen Rohstoffmärkte der für die Biokraftstoffproduktion relevanten Kulturarten (Ölsaaten und Ölfrüchte, Getreide, Zuckerrüben und Zuckerrohr) und die damit in Zusammenhang stehenden Preiseffekte falsch eingeschätzt. So seien steigende Rohstoffpreise, anders als in der Studie behauptet, nur zu einem geringen Teil das Ergebnis zunehmender Biokraftstoffproduktion. Die Verbände kritisieren gegenüber EU-Energiekommissar Oettinger zudem die systematischen Fehler der IFPRI-Studie, so zum Bespiel die mangelnde Berücksichtigung der anfallenden Koppelprodukte. So trage Rapsschrot zur Substitution von Futtermittelimporten bei, was in den Studien aber nicht berücksichtigt sei. Aus Sicht der Verbände bestehe die große Gefahr, dass Biodiesel auf Basis von Raps durch ILUC faktisch verboten und Bioethanol auf Basis von Getreide und Zuckerrüben einen schweren Wettbewerbsnachteil erleide. Statt einer sachfremden Debatte um ILUC-Faktoren fordern die Verbände, die Problematik indirekter Landnutzungsänderungen zeitnah durch bilaterale Abkommen mit den Ländern in Übersee zu lösen.

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