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  • 25.02.2011 - 10:04 GMT
  • DBV, dlv
Landwirtschaft und Fischerei

DBV und dlv zum EU-Obstprogramm – Teil einer umfassenden Ernährungsbildung an Schulen

Perspektivforum zur Schulernährung in Berlin

Eine Zwischenbilanz über das erste Jahr des EU-Schulobstprogramms zogen der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutsche LandFrauenverband (dlv) bei einem gemeinsamen Fachforum „Fit für die nächste Generation – Gesunde Schulernährung mit Obst und Gemüse“ am 24. Februar in Berlin. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über die Zukunft der Schulverpflegung und Ernährungsbildung an Schulen. Eine gesunde Schulverpflegung leiste einen wesentlichen Beitrag zur physischen, psychischen und sozialen Entwicklung der Kinder. Regelmäßige Obst- und Gemüseportionen seien ein wichtiger Teil davon. Eine nachhaltig positive Wirkung auf das Ernährungsverhalten der Schulkinder könne aber nur erreicht werden, wenn ein ganzheitliches pädagogisches Angebot rund um das Schulobst verankert wird, so das Fazit der Veranstaltung.

„Obst und Gemüse sind unverzichtbare Bestandteile einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Gemessen daran haben wir in den Schulen noch gewaltigen Nachholbedarf“, dies betonte DBV-Generalsekretär Dr. Helmut Born anlässlich der Forumsveranstaltung. Heutzutage gebe es oft keine „positiv prägende Erfahrungen mehr, teilweise ist das Wissen über das Essen verloren gegangen“, erklärte der DBV-Generalsekretär. Es müsse gelingen, gemeinsam mit Schulen, Wirtschaft und Politik dafür Sorge zu tragen, „dass wir für die Gesellschaft von Morgen, unseren Kindern, ein deutliches Zeichen für eine ausgewogene Ernährung setzen.“
Im Schulobstprogramm liege eine große gesundheitspolitische Bedeutung, betonte Dr. Evelyn Schmidtke, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen LandFrauenverbandes. Gerade bei Kindern klaffe bei Obst und Gemüse eine große Lücke zwischen Verzehrmenge und Verzehrempfehlung. Auch weisen Studien einen deutlichen Zusammenhang zwischen gesundheitsbewusster Ernährung und sozialem Status auf. Umso wichtiger ist, dass jetzt Kinder aus sozial benachteiligten Familien in besonderem Maße von diesem Programm profitieren. Der dlv fordert deshalb begleitend zum Schulobst- und Schulmilchprogramm das Thema gesunde Ernährung in praxisorientierten Unterrichtseinheiten in die Lehrpläne des Schulalltags einzubinden.

Mit dem EU-Schulobstprogramm ist eine finanzielle Basis geschaffen worden, die den Mitgliedsstaaten Anreize und Möglichkeiten schafft, in den Grundschulen regelmäßig kostenlose Obst- und Gemüseportionen zu verteilen. Mit einem jährlichen Gesamtbudget von 90 Millionen Euro wird das Schulfruchtprogramm von der EU kofinanziert, so der EU-Kommissionsvertreter Rudy Van der Stappen. „In Deutschland werden im Schuljahr 2011/2012 voraussichtlich fast 700.000 Schüler in den Genuss von frischem Obst und Gemüse kommen“, so Dr. Bettina Hartwig vom Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Angebote werden von den Schülerinnen und Schülern gut angenommen.  Die Umsetzung in den sieben bisher beteiligten Bundesländern zeige die vielfältigen Möglichkeiten, regionale Besonderheiten einzubinden und den Kindern die Bedeutung heimischer Produkte zu vermitteln. Auch die übrigen Bundesländer sollten die Chance nutzen, durch die Beteiligung am EU-Schulobstprogramm den Schulkindern den regelmäßigen Verzehr von Obst und Gemüse zu ermöglichen.
Prof. Dr. Barbara Methfessel, Päd. Hochschule Heidelberg bekräftigte, dass die Chancen des Schulobstprogramms zur Ernährungs- und Verbraucherbildung noch lange nicht ausgeschöpft seien. So könnten über das Schulobstprogramm etwa Alltagskompetenzen im Umgang mit Obst und Gemüse eingeübt werden. Obstlieferanten und landwirtschaftliche Verbände könnten eine Verbindung von Schule zur Lebenswelt schaffen.

Erfahrungsberichte zur Umsetzung des EU-Schulobstprogramms aus den Niederlanden und Österreich sowie die Diskussion mit nordrheinwestfälischen Akteuren aus der Praxis zeigten auf, dass das Angebot von täglichen Obstportionen bei den Schülern, Eltern, Lehrern und Lieferanten positiv aufgenommen wird. Kritik wurde aber an manchen Rahmenbedingungen, wie dem Verwaltungsaufwand und formalen Voraussetzungen sowohl für die Lieferanten als auch für die Schulen geübt. Mit kreativen Ideen und Engagement seitens der Schulen, Eltern und Lieferanten könne jedoch auf Grundlage der regionalen Strukturen für jede Schule eine passende Umsetzungsform gefunden werden.

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