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  • 26.11.2012 - 15:04 GMT
  • DGB

DGB: Konjunktureinbruch droht – Europa braucht einen Kurswechsel

Die Weltwirtschaft befindet sich am Rande einer Rezession. Verantwortlich dafür ist die sehr schwache gesamtwirtschaftliche Nachfrage in der EU und den USA. Das europäische Krisen-management aus Lohn-, Renten- und Sozialkürzungen sowie Steuer- und Abgabenerhöhungen verlängert die ökonomische Talfahrt.

Die USA weisen zwar dank massiver Geldspritzen der amerikanischen Zentralbank Fed in die Wirtschaft ein höheres Wachstum und bessere Arbeitsmarktdaten als Europa auf, sind aber weit davon entfernt, die Rolle der Lokomotive für den Rest der Weltwirtschaft zu spielen.

Doch damit nicht genug: Die ungelösten Probleme der Staatsfinanzen in der Eurozone, die ungelösten Probleme des Bankensektors, die nach wie vor weltweit unregulierten Finanzmärkte und nicht zuletzt die Legimitationskrise der herrschenden Politik in Europa befeuern die rezessiven Tendenzen zusätzlich. Alle diese Krisen beeinflussen sich wechselseitig, ziehen sich gegenseitig in ihren Sog und beschleunigen die Abwärtsdynamik, die auch die Wirtschaftsinstitute überrascht. Sie korrigieren ihre Wachstumsprognosen immer weiter nach unten.

Wenn sich die Vorhersagen erfüllen und nicht energisch gegengesteuert wird, ist ein weltweiter Anstieg der Arbeitslosigkeit vorprogrammiert. Einen Vorgeschmack gibt die Situation in einigen EUKrisenländern, wo die Arbeitslosigkeit bereits auf 25 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit auf mehr
als 50 Prozent angestiegen ist. Die staatliche Kürzungspolitik, die in allen europäischen Staaten und auch in anderen großen Volkswirtschaften derzeit parallel vorangetrieben wird, drückt die weltweite Nachfrage. Das trifft exportorientierte Schwellenländer und beeinflusst letztendlich auch die deutsche Konjunktur negativ. Europa befindet sich in einer Rezessionsfalle und wird zur Wachstumsbremse statt zur Lokomotive für die Weltwirtschaft. Es ist höchste Zeit umzusteuern und die kontraproduktive Kürzungspolitik durch eine expansive Strategie aus langfristig angelegten Zukunftsinvestitionen und kurzfristigen Konjunktur stabilisierenden Maßnahmen zu ersetzen.

Die politischen Institutionen und die Wirtschaftsinstitute müssen ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2012 und 2013 nach unten korrigieren, wie Tabelle 1 beispielhaft für den Internationalen Währungsfonds (IWF), und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt.

Für die Weltwirtschaft werden nur noch Wachstumsraten von 3,2 Prozent im laufenden und 3,6 Prozent im kommenden Jahr vorausgesagt. Gegenüber 2010 verliert die Weltwirtschaft damit satte zwei Prozentpunkte an Dynamik. Eine solche –vergleichsweise geringe – Steigerung der Weltproduktion kann unter gegebenen Bedingungen nicht ausreichend für Arbeit und Einkommen vor
allem in den bevölkerungsreichen Entwicklungs- und Schwellenländern sorgen.
Den vollständigen Standpunkt finden Sie hier.

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