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Diakonie und Brot für die Welt fordern nachhaltige Konzepte für Zuwanderung

Am Freitag wird das Gesetz zur Umsetzung der EU-Hochqualifiziertenrichtlinie, zur sogenannten Bluecard, im Bundesrat verabschiedet, das die Aufnahme von Fachkräften aus dem Ausland erleichtern soll. Die Diakonie und das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt fordern dagegen grundsätzlich Konzepte für Zuwanderung nach Deutschland, bei denen die Bedürfnisse der Herkunftsländer in ausreichendem Maße berücksichtigt werden.

Nach Ansicht der Werke muss darauf geachtet werden, dass der Bedarf unserer Wirtschaft an Fachkräften nicht in anderen Teilen der Welt Entwicklungen bremst und Armut verstärkt. "Deshalb müssen wir die tiefgreifenden Auswirkungen auf die Herkunftsländer, die eben in vielen Fällen Entwicklungsländer sind, berücksichtigen", sagt Diakonie- Präsident Johannes Stockmeier. "Menschen, die unter oftmals hohen Risiken ihre Heimat verlassen, um in Deutschland zu leben und hier zu arbeiten, dürfen nicht für unsere Zwecke instrumentalisiert werden. Wir sollten alle Menschen aus anderen Ländern willkommen heißen", fügt er hinzu.
"In unserer demokratischen Gesellschaft dürfen Migranten grundlegende Rechte nicht vorenthalten werden. Bei gleicher Arbeit haben sie Anspruch auf gleiche Löhne. Die Einhaltung solcher Standards garantiert Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch und schützt alle Arbeitnehmer", hebt Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier hervor. "Mit der neuen Richtlinie wird das Zuwanderungsrecht nicht übersichtlicher. Der Grundsatz der "Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung"
bleibt erhalten." Stockmeier kritisiert, dass dieser aber in Konflikt mit der von der Wirtschaft und von Bevölkerungswissenschaftlern gewünschten Erleichterung von Arbeitsmigration stehe. "Das Gesetz bleibt so zaghaftes Flickwerk".
Diakonie und Brot für die Welt haben deshalb "Leitlinien Arbeitsmigration und Entwicklung" entwickelt, an der das Kirchenamt der EKD und die Konferenz der Kirchen für Migranten in Europa (CCME) beteiligt waren. Die zehn Leitlinien stellen die Grundlage für die politische Arbeit der evangelischen Hilfsorganisationen dar. Sie richten sich nicht nur an den Gesetzgeber, sondern bieten auch eine Orientierung für die eigenen Strukturen.
Die Leitlinien von Diakonie und Brot für die Welt finden sich unter http://www.diakonie.de/diakonie-texte-1519-03-2012-leitlinien-arbeitsmigration-und-entwicklung-9138.htm
Stichwort Migration:
Die Internationale Organisation für Migration schätzt die Zahl der Migrantinnen und Migranten im Jahr 2010 auf 214 Millionen weltweit. Das entspricht drei Prozent der Weltbevölkerung.  Arbeitsmigranten und ihre Familien machen etwa 90 Prozent aller Migranten aus. Nur sieben bis acht Prozent der Personen, die sich für längere Zeit im Ausland aufhalten, sind anerkannte Flüchtlinge oder Asylsuchende.
Migration ist ein globales Phänomen und konzentriert sich keinesfalls auf Europa. Etwa die Hälfte aller Migranten aus Entwicklungsländern wandert in andere Entwicklungsländer, zumeist in der Nachbarschaft gelegene. Die Industrieländer sind den Statistiken zufolge nur in jedem dritten Fall das Ziel.
In Deutschland ist der Zuwachs der Bevölkerung durch Einwanderung gegenwärtig nur gering. Jährlich verzeichnet das Ausländerzentralregister 280.000 Menschen, die aus dem Ausland kommend für eine Aufenthaltsdauer von wenigstens einem Jahr ihren Wohnsitz in Deutschland genommen haben und damit als "Eingewanderte"
gelten. Das entspricht etwa 0,3 Prozent der Wohnbevölkerung. Doch ebenso viele – darunter Ausländer und Deutsche – verlassen das Land wieder, so dass sich Ein- und Auswanderung nahezu die Waage halten.

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