Aktuelles > DIHK | BCC und DIHK: Gemeinsamer britisch-deutscher Appell für die Ausrichtung der Brexit-Gespräche auf die ökonomischen Interessen

Artikel Details:

Wirtschaft und Finanzen

DIHK | BCC und DIHK: Gemeinsamer britisch-deutscher Appell für die Ausrichtung der Brexit-Gespräche auf die ökonomischen Interessen

Die britische Handelskammer und der DIHK fordern die Brexit-Unterhändler von EU und Vereinigtem Königreich auf, die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in den Mittelpunkt der Gespräche zu setzen

Die beiden führenden Dachverbände aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich fordern die Spitzen der Politik auf, bei den Brexit-Verhandlungen für eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und für einen konstruktiven Dialog zu sorgen. Es geht darum, Klarheit und Planungssicherheit für die Unternehmen zu schaffen.

Die dritte Verhandlungsrunde ist gestartet und es müssen noch viele Fragen der Austrittsvereinbarung gelöst werden, wie etwa die Rechte der Arbeitnehmer aus der EU im Vereinigten Königreich sowie die der britischen Arbeitnehmer in der EU. Hinzu kommen Hunderte von praktischen und technischen Fragestellungen, wie etwa die künftige Behandlung von Zöllen und Steuern, die im Hinblick auf die Gestaltung der zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien im späteren Verlauf der Brexit-Gespräche verhandelt werden müssen. Die Unternehmen in beiden Ländern mahnen dringend bei diesen wichtigen Fragen Fortschritte an, vor allem bei den Zöllen.

EU-weit macht sich unter den Unternehmen eine große Unsicherheit breit. Eine Umfrage des DIHK hat ermittelt, dass sich die Geschäftsaussichten der Unternehmen, die Handel mit Großbritannien treiben, verschlechtern. Der Grund dafür ist, dass sie mit einem Anstieg ihrer Kosten rechnen, wenn die Freizügigkeit der Beschäftigten eingeschränkt wird, Steuern und tarifäre Handelsschranken erhoben werden sowie bürokratische Hürden an den neuen EU-Grenzen errichtet werden.

Eine Erhebung der britischen Handelskammer hat ergeben, dass eine Mehrheit ihrer Mitglieder eine Übergangsperiode nach dem Brexit präferiert. 68 Prozent der Befragten britischen Unternehmen sind für eine Übergangsperiode von mindestens drei Jahren. Die Unternehmen in Großbritannien wie in Deutschland wollen vor dem Start der Gespräche über die Gestaltung der Zukunftsbeziehungen Klarheit über die Höhe der Austrittsrechnung der EU, die London zu zahlen habe.

Das Vereinigte Königreich ist der drittgrößte Exportmarkt für deutsche Güter. Deutschland ist für Großbritannien der zweitwichtigste Absatzmarkt für Güter und Dienstleistungen. Deutsche Unternehmen unterhalten allein 2500 Niederlassungen in Großbritannien. Dort sind annähernd 400 000 Menschen beschäftigt. Britische Unternehmen haben 1200 Niederlassungen in Deutschland, die etwa 220 000 Mitarbeiter beschäftigen.

 

Zitat Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK):

„Die Wirtschaft ist sehr besorgt, dass der Brexit große negative Auswirkungen haben wird. Es drohen Handelsbarrieren – zusätzliche Bürokratie, verbunden mit zusätzlicher Wartezeit durch Kontrollen an den Grenzen und damit verbundenen zusätzlichen Kosten. Die Bedingungen des Austritts sind noch völlig unklar. Viele unserer Mitglieder haben bereits Investitionen von UK verlagert, weil Handelsbarrieren drohen.„

„Erste Auswirkungen des Brexit sind bereits wahrnehmbar: Die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich sind im ersten Halbjahr diesen Jahres um drei Prozent zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – während die Ausfuhren in die EU um sechs Prozent zugenommen haben.“

„Eine Übergangsregelung ist für die Unternehmen nur hilfreich, wenn klar ist, wie die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen UK und der EU künftig gestaltet sein werden.“

 

Zitat Adam Marshall, Director General of the British Chambers of Commerce (BCC):

„Für die weiteren Verhandlungen muss klar sein, dass aus Sicht der Unternehmen in UK und auf dem Kontinent wirtschaftliche Fragen prioritär behandelt werden müssen.  Besonders am Herzen liegt den Unternehmen die Klärung von Fragen, die das Tagesgeschäft betreffen und der Wunsch nach Klarheit über die zukünftigen Handelsbeziehungen.“

„UK und die EU sollten sich mit Übergangsregelungen, insbesondere beim Thema Zölle, befassen, damit Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals Planungssicherheit für Investitionen haben.“

„Die Handelskammern in UK und Deutschland wollen den Fortbestand der guten Handelsbeziehungen jetzt und in Zukunft. Die Politik muss alles dafür tun, um dieses Ziel zu erreichen.“

keine Kommentare

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Abbrechen