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DSGV | Europa muss die Gunst der Stunde für weitere Freihandelsabkommen nutzen

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe rufen die Europäische Union auf, ihre Bemühungen um internationale Freihandelsabkommen mit wichtigen Wirtschaftsräumen zu forcieren. Sie sehen dafür einen günstigen Zeitpunkt gekommen: In den USA ist unter dem neuen Präsidenten Joe Biden eine neue, weltoffenere Regierung im Amt, in Asien schaffen die zehn ASEAN-Staaten, die Volksrepublik China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland mit der „Regional Comprehensive Economic Partnership“ (RCEP) in den nächsten Jahren die größte Freihandelszone der Welt. Weltweiter Handel nach gemeinsamen Regeln nütze auch den Europäern, die sich für den Wiederaufbau nach der Corona-Krise den Aspekt der Nachhaltigkeit betonen.

„Die Bereitschaft zu einem transatlantischen Freihandelsabkommen dürfte nach dem Ende der Präsidentschaft von Donald Trump und den Unterschriften der 15 asiatischen Staats- und Regierungschefs unter das RCEP-Abkommen gewachsen sein. Die Trump-Jahre haben gerade den Europäern klar gezeigt, wie schnell man selbst bei „Wertepartnern“ ohne feste und einklagbare Verträge, die zu beiderseitigem Nutzen geschlossen wurden, schutzlos politischer Willkür ausgesetzt sein kann“, so Dr. Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Das RCEP-Abkommen gilt als ein Meilenstein der wirtschaftlichen Integration in der Region Asien/Pazifik. Zum ersten Mal schließen die wirtschaftlichen Führungsmächte Asiens – die VR China, Japan und Südkorea – ein gemeinsames Freihandelsabkommen. Es umfasst rund 2,2 Mrd. Menschen und vereint mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 26.000 Mrd. US-Dollar rund 31 Prozent der Weltwirtschaftsleistung und 28 Prozent des Welthandelsvolumens auf sich. Die Wirtschaftsleistung der „Regional Com-prehensive Economic Partnership“ übersteigt die des sogenannten US-Mexico-Canada-Agreements, der früheren NAFTA, und beträgt mehr als das Doppelte des BIP der EU.

„Mit RCEP entsteht eine Wirtschaftskooperation, die groß genug ist, aus sich heraus wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen, d.h. wachstumsfördernde Skaleneffekte zu generieren, und auch technologische Standards zu setzen. Trotzdem muss die übrige Welt nicht tatenlos zuschauen, wie in Asien die neue Weltwirtschaftsordnung geschmiedet wird: Wenn sich die EU bemüht, weitreichende Freihandelsabkommen beispielsweise mit ASEAN-Staaten zu schließen, werden europäische Unternehmen hier den Fuß in der Tür behalten. Das Interesse vieler ASEAN-Staaten darf vorausgesetzt werden, denn je diversifizierter die wirtschaftlichen Beziehungen dieser Staaten sind, desto weniger können sie zum Beispiel von China unter Druck gesetzt werden“, so Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe ermutigen die Europäische Union zur Offensive, um auf den Weltmärkten weiterhin bestehen zu können. Neben einer Rückbesinnung auf den multilateralen Ansatz im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) lautet ihr Rat: Auf je mehr substanzielle Freihandelsabkommen mit anderen bedeutenden Wirtschaftsräumen die EU zurückgreifen kann, umso besser ist es für europäische exportierende Unternehmen und umso attraktiver ist die Gemeinschaft insgesamt als Investitionsdestination und als Markt. Und umso leichter fällt es auch, einen fairen Marktzugang auch zu anderen großen Wirtschaftsräumen auszuhandeln. 

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