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Wirtschaft & Finanzen

DSGV | Monatliche Teuerungsraten bis in den Herbst über sechs Prozent, Inflation droht sich zu verselbständigen

Die EZB sollte ihren im Februar und März 2022 angedeuteten Weg zu einer Straffung der Geldpolitik auch unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine fortsetzen, mahnen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe: Die Anleihekäufe sollten möglichst im Sommer 2022 beendet, in der zweiten Jahreshälfte 2022 dann mit Zinsanhebungen begonnen werden, schreiben die Ökonomen in ihrem aktuellen Standpunkt „Geldpolitik: Verfestigung der Inflation verhindern!“.

„Staatliche Stützungsprogramme und die expansive Geldpolitik der Notenbanken haben in der Corona-Krise geholfen, die wirtschaftliche Nachfrage zu stabilisieren. Die derart stimulierte Nachfrage überfordert allerdings mittlerweile an vielen Stellen die Rohstoff-, Produktions- und Transportkapazitäten und die Preise steigen immer schneller. Die Europäische Zentralbank muss deshalb zügig die Zinswende einleiten und ihre Null- und Negativzinspolitik beenden“, so Dr. Reinhold Rickes, Chefvolkswirt des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Ein Ende der ultraexpansiven Geldpolitik wäre bereits vor dem russischen Überfall auf die Ukraine angezeigt gewesen. Schon Anfang 2022 hätten sich Hinweise verdichtet, dass die Inflation höher ansteigt und langsamer zurückgeht als erwartet, diagnostizieren die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in ihrer aktuellen Publikation.

Durch den Krieg in der Ukraine stiegen Energie- und Rohstoffpreise nochmals mit zweistelligen Zuwachsraten. Monatliche Teuerungsraten von über sechs Prozent sind im Euroraum bis in den Herbst hinein zu erwarten. Die durchschnittliche Inflation im Jahr 2022 könnte bei gut sechs Prozent liegen. Insbesondere für den Fall von Lieferstopps für Rohstoffe können diese Werte aber auch noch deutlich übertroffen werden.

„Die Inflation im Euroraum droht zum Selbstläufer zu werden: Das Vertrauen, dass Europas Notenbanken die Inflation weiter so niedrig halten können wie in der Vergangenheit, ist gebrochen. Höhere Lohnforderungen und damit der Beginn einer Lohn-Preis-Spirale sind nicht mehr auszuschließen, so dass die Inflation im Euroraum eben nicht mehr nachhaltig auf zwei Prozent fällt. Angesichts solcher Szenarien sollte die EZB ihren geldpolitischen Stimulus zügig zurückfahren“, so Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.  

Für den Notfallmodus, in den die Europäische Zentralbank zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie geschaltet hatte, fehle mittlerweile die Rechtfertigung, urteilen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe. Der Krieg in der Ukraine mache Umstrukturierungen der europäischen Volkswirtschaft im Rohstoff- und Energiebereich notwendig. Diese Anpassungen könnten allerdings weniger von der Geldpolitik als von anderen Bereichen der Wirtschaftspolitik unterstützt werden. Die langfristig schädlichen Nebenwirkungen der Nullzinspolitik – verzerrte Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten, Stützung nicht mehr lebensfähiger Geschäftsmodelle, überbordende Verschuldung – überwiegen nach Auffassung der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe bei Weitem den mittlerweile sehr begrenzten Nutzen der ultraexpansiven Geldpolitik der EZB.

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