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Wirtschaft & Finanzen

DSGV | Schleweis: EZB muss Zinswende zügig vorbereiten

Die Inflation in Deutschland und im Euroraum dürfte noch für längere Zeit über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent liegen. Das zeigt die aktuelle Gemeinsame Konjunkturprognose der Sparkassen-Finanzgruppe. Für das Jahr 2022 erwarten die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe mit Steigerungen des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 3,2 Prozent in Deutschland und 3,0 Prozent im Euroraum Teuerungsraten deutlich jenseits dessen, was die EZB als Preisstabilität ansehen darf.

„Die EZB muss angesichts der hohen Inflationsraten zügig Änderungen ihres geldpolitischen Kurses vorbereiten. Je früher die EZB ihren Willen und ihre Fähigkeit zu angemessenem Handeln darlegt, desto abgewogener kann sie vorgehen. Wenn die EZB der Preissteigerung zu lange freien Lauf lässt, muss sie später nur umso heftiger eingreifen. Ein überhartes Bremsen wiederum gefährdet die konjunkturelle Erholung, die sich nach den massiven Rückschlägen durch die Corona-Pandemie gerade abzeichnet“, so DSGV-Präsident Helmut Schleweis heute bei der Vorstellung der Gemeinsamen Konjunkturprognose in Berlin.

Der deutschen Wirtschaft sagen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe für 2022 ein Wachstum von 3,5 Prozent voraus, nominell wäre damit das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Laufe des Jahres wieder auf das Niveau vor der Corona-Krise gestiegen. Für das Jahr 2023 erwarten die Chefvolkswirte in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent. Im Euroraum dürfte die wirtschaftliche Erholung mit +3,9 Prozent im Jahr 2022 und +2,7 Prozent im Jahr 2023 noch etwas stärker ausfallen.  

„Die deutsche Wirtschaft wächst ein wenig langsamer als der Euroraum insgesamt, weil sie neben Corona auch strukturelle Veränderungen verkraften muss. Mit ihrem hohen Industrieanteil steht sie im ökologischen Umbau vor massiven Investitionen, muss nun aber zunächst mit Materialengpässen und hohen Energiekosten fertig werden“, so Uwe Dürkop, Chefvolkswirt der Berliner Sparkasse, der stellvertretend für die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe die Konjunkturprognose in diesem Jahr gemeinsam mit dem DSGV-Präsidenten Helmut Schleweis vorstellte.

Wesentlicher Treiber der konjunkturellen Entwicklung ist nach Einschätzung der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe zunächst der private Konsum. Das Investitionsgeschehen nimmt ins Jahr 2023 hinein Fahrt auf.

„Die Konjunktur in Deutschland und Europa springt an, wenn auch in den ersten Monaten des Jahres 2022 durch die Omikron-Variante noch stotternd. Im Großen und Ganzen entwickelt sich die Wirtschaftsleistung aber zunehmend unabhängig von Infektionszahlen und Corona-Maßnahmen. Die Menschen in Deutschland und Europa kaufen wieder, die Unternehmen beginnen zu investieren. Was wir jetzt nicht brauchen, sind explodierende Preise und Hemmschuhe bei der Finanzierung von Investitionen“, so Schleweis.   Mit seinen Äußerungen wandte sich Schleweis auch gegen den antizyklischen Kapitalpuffer, den Deutschlands Finanzaufseher aktivieren wollen. Damit würde die Fähigkeit von Banken und Sparkassen zur Vergabe von Krediten deutlich eingeschränkt. Dabei werden für das Wiederanfahren der Wirtschaft nach der Corona-Krise und für den ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft, zum Beispiel für die energetische Ertüchtigung von Immobilien, erhebliche Finanzmittel benötigt.

Die Pressemitteilung im Original finden Sie hier.