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Wirtschaft & Finanzen

DSGV | Schleweis: Finanzierung der Energieunabhängigkeit hat Priorität

Die Erfahrungen des Ukraine-Kriegs müssen aus Sicht der Sparkassen-Finanzgruppe ein Weckruf für Europa sein, sich von einseitigen Energie-, Rohstoff- und digitalen Abhängigkeiten zu befreien und mehr europäische Souveränität zu erreichen. „Die Globalisierung wird 2022 nicht enden, sie wird aber neu zu bewerten sein“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Helmut Schleweis, heute anlässlich der Bilanzpressekonferenz der Sparkassen-Finanzgruppe in Berlin.  

Schleweis kritisierte, dass sich Deutschland und weite Teile der EU in den letzten Jahren abhängig und damit erpressbar gemacht haben – vor allem von Lieferungen fossiler Energien aus Russland. Dieser strategische Fehler müsse so rasch wie möglich korrigiert werden. „Neben Diversifizierungen in den Lieferbeziehungen werden wir auf erneuerbare Energien umstellen und vor allem Energie sparen müssen. Wen bisher das Ziel des Klimaschutzes nicht überzeugt hat, der muss spätestens jetzt diesen Weg zu mehr Energieunabhängigkeit unterstützen“, sagte Schleweis. Das werde sehr viel schneller gehen müssen und sehr viel mehr Kapital benötigen, als das bisher geplant gewesen sei. Es sei eine nationale Pflichtaufgabe für die Sparkassen-Finanzgruppe, den Ausbau erneuerbarer Energien sowie energetische Gebäudesanierungen in den Fokus der Geschäftspolitik zu stellen.  

Immer stärker tritt nach Ansicht von Schleweis global ein grundlegender Konflikt zwischen Demokratien einerseits und autokratisch oder gar diktatorisch regierten Systemen andererseits zutage. Europa habe aber nicht nur auf Energie, sondern auch auf strategisch wichtige Rohstoffe zu wenig sicheren Zugriff. Die wichtigsten Zukunftstechnologien seien aber davon abhängig. Schleweis plädierte deshalb dafür, in diesem Zusammenhang auch das chinesische Konzept der „Neuen Seidenstraße“ neu zu bewerten.  

Der DSGV-Präsident rief die deutschen Unternehmen auf, über eine Neuaufstellung ihrer Lieferbeziehungen nachzudenken. Rückverlagerung von strategisch wichtigen Produktionen in die EU oder in die westliche Welt, Diversifizierung von Lieferbeziehungen, mehr Eigenproduktion und Überprüfung der Just-in-time-Lieferungen zu Gunsten höherer Lagerbestände seien aktuelle Themen, an denen kein Weg vorbei führe.  

Nach Einschätzung von Schleweis treffen die verhängten Sanktionen Russland in seiner wirtschaftlichen und finanziellen Existenz. Sie seien unverzichtbar. Allerdings werden sie auch auf deutsche Unternehmen und Verbraucher eine spürbare Wirkung haben. Zwar seien die direkten Betroffenheiten angesichts des niedrigen Anteils Russlands an den deutschen Exporten verkraftbar. Allerdings seien durch zu erwartende Preissteigerungen im Energie-, Lebensmittel- und Logistiksektor sowie durch den Abriss von Lieferketten deutliche Zweit- und Drittrundeneffekte zu erwarten. Schleweis begrüßte deshalb die Pläne der Bundesregierung für eine Entlastung von hohen Energiekosten, einen ersten Zuschuss zur Grundsicherung und auch gezielte Hilfen für besonders betroffene Unternehmen.  

Für die nächsten Wochen sei auch in Deutschland die größte Flüchtlingswelle seit dem 2. Weltkrieg zu erwarten. Die Herausforderungen werden deutlich größer als 2015. Die Aufnahme und Integration der Geflüchteten werde zu einer Bewährungsprobe für das ganze Land werden. Es müsse damit gerechnet werden, dass diese Menschen länger bleiben werden, als sie sich das selbst wünschen. Umso wichtiger sei es, diesen zumeist sehr gut ausgebildeten und außerordentlich leistungsbereiten Menschen schnell die Arbeitsaufnahme zu ermöglichen. Die Sparkassen unterstützten hier als kommunale Institute die Kommunen vor Ort, vor allem durch Sicherung von Kontoverbindungen, die für den Zugang zu staatlichen Unterstützungsleistungen entscheidend seien. Kontoeröffnungen seien inzwischen auch mit einer ukrainischen Identity Card möglich. 

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