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Ein bisschen Brüssel in Berlin | Brüssel-Alumni diskutieren mit Sven Biscop

„Gehen Sie nach Brüssel, es ist schön dort“, legte Ghislain D’hoop, belgischer Botschafter in Deutschland, allen zu Beginn des Abends nahe. Seine Gäste musste er eigentlich nicht mehr überzeugen: In der belgischen Botschaft trafen sich auf Einladung der Botschaft und der EBD die Berliner Brüssel-Alumni, also das Netzwerk derjenigen, die schon in Brüssel gearbeitet und gelebt haben.

Einen Impuls gab Prof. Sven Biscop, Außenpolitikexperte vom Royal Egmont Institute und der Universität Gent mit seinem Vortrag „The Future of EU Global Strategy; The Rediscovery of Geopolitics?“. Er betonte, eine akademische Perspektive zu vertreten, nicht etwa die der belgischen Regierung oder einer europäischen Institution. Wo sieht Europa seinen Platz in der Welt? Sind die Strategien der EU zu naiv oder zu zynisch? In fünf Punkten erläuterte Biscop die aktuelle und für die Zukunft mögliche Außenpolitik der Europäischen Union. Welche Möglichkeiten hat Europa global, welche mit internationalen und benachbarten Kräften? Kann es einen Krieg geben und was passiert dann? Wie kann der Kontinent selbst sicher bleiben – oder werden? Immer wieder bezog er sich dabei vor allem auf China und Russland als untereinander sowie international konkurrierende Mächte.

Für die Zusammenarbeit mit Russland solle man sich allerdings keine großen Hoffnungen auf Gegenleistungen machen – wie im Fall der Krim-Annexion bereits sichtbar wurde. Trotzdem sei eine Zusammenarbeit für beide Seiten notwendig, beispielsweise in Syrien. Gegenüber China sollte die EU gemeinsam auftreten, nicht als einzelne Staaten.

Solche Vorgehensweisen können der EU laut Biscop dabei helfen, einen gewissen Status zu erhalten. In der Vergangenheit habe man beim Versuch, Demokratie und good governance zu stärken, genau das Gegenteil erreicht. Mit einem pragmatisch-idealistischem Ansatz könnte man das verhindern.

Im Anschluss an den Vortrag wurde die Möglichkeit, Fragen zu stellen, genutzt. Professor Biscop und Bernd Hüttemann, Generalsekretär und Moderator der Veranstaltung, diskutierten dabei Themen wie die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Kooperationen zwischen der europäischen und der chinesischen Stahlindustrie, aber auch einen „German fingerprint“ bezüglich der Außenpolitik. Dabei äußerte sich Sven Biscop meist sehr positiv gegenüber internationaler Zusammenarbeit und machte seine Präferenz für Realpolitik deutlich.

Nach dem food for thoughts gab esauch food for real, im Innenhof außerdem Getränke – selbstverständlich auch belgisches Bier. In entspannter Atmosphäre hatten die ehemaligen Wahl-Brüsseler so die Möglichkeit, sich noch auszutauschen und zu unterhalten.

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