Aktuelles > Wasserstoffstrategie für die Entkarbonisierung Europas | EP-Berichterstatter im Dialog mit Jens Geier

Artikel Details:

Umweltpolitik

Wasserstoffstrategie für die Entkarbonisierung Europas | EP-Berichterstatter im Dialog mit Jens Geier

Bis 2050 soll Europa der erste klimaneutrale Kontinent werden. So steht es als Ziel im Europäischen Grünen Deal. Auf dem Weg zur Klimaneutralität hat die Europäische Kommission im Juli 2020 die EU-Wasserstoffstrategie vorgestellt. Die Strategie zielt darauf ab, die Wasserstofferzeugung zu dekarbonisieren. Zuständiger Berichterstatter im Europäischen Parlament ist Jens Geier MdEP (S&D), Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Mit rund 80 Teilnehmenden diskutierte Geier im Rahmen der Veranstaltungsreihe „EP-Berichterstatter im Dialog“ von der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) und dem Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Deutschland die wichtigsten Eckpunkte seines Berichts. EBD-Generalsekretär Bernd Hüttemann moderierte die Veranstaltung. Uta Neumann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Verbindungsbüro des EP in Deutschland, begrüßte von Seiten des Kooperationspartners der Veranstaltung.

Nachdem die Mehrheit der Mitglieder des Ausschusses sich in der Abstimmung über den Berichtsentwurf bereits für den Aufbau eines innovativen europäischen Wasserstoffmarktes ausgesprochen haben, sollte am 22. April 2021 die Abstimmung im Europäischen Parlament folgen. Wie Geier eingangs informierte, musste diese allerdings verschoben werden, da an dem Tag aufgrund anderer Tagesordnungspunkte nur eine Beschlussfassung ohne Debatte möglich gewesen wäre. Dies wäre der Bedeutung der Wasserstoffstrategie nicht gerecht geworden, begründete Geier.

Zunächst erläuterte der Berichterstatter die verschiedenen Möglichkeiten der Nutzung von Wasserstoff. Wasserstoff kann als Applikation dort verwendet werden, wo Elektrifizierung nicht möglich oder praktikabel ist. Der wichtigste Anwendungsbereich liegt im Bereich der industriellen Rohstoffe, etwa als Speicherungs- und Transporttechnologie, als eigener Energieträger oder auch als Vektorfunktion, wenn Elektrizität nicht ausreicht.

Ein weiteres zentrales Thema des Berichts ist die Art von Wasserstoff, die verwendet werden kann. Ziel ist es, so schnell wie möglichen grünen Wasserstoff aus erneuerbarer Energie zu produzieren. Allerdings könnte dies bis zu 15 Jahre dauern. Daher, so Geiers Bericht, ist es kurzfristig die beste Lösung, weiterhin den schneller produzierbaren blauen Wasserstoff, z.B. in Form von dekarbonisiertem Erdgas, zu nutzen.

Wie der Europaabgeordnete informierte, sind Investitionen in großer Höhe nötig, umsauberen Wasserstoff (d.h. „Wasserstoff, der im Wege einer Elektrolyse von Wasser mithilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird„) wettbewerbsfähig zu machen. Für die Umsetzung der Wasserstoffstrategie muss zunächst die richtige Infrastruktur aufgebaut werden. Unter der Voraussetzung, dass sich diese auf nachhaltige Energie stütze, solle hier gefördert werden. Dafür stehen verschiedene Förderungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie etwa im Rahmen des Wiederaufbauinstruments Next Generation EU. Ziel ist es, dass die EU ihre Wasserstoffnormen auf internationaler Ebene verteidigt und damit Wasserstoff zu einem Schwerpunkt ihres internationalen Engagements für die Dekarbonisierung macht.

Bei der anschließenden Diskussion äußerten die Teilnehmende diverse Fragen rund um die Wasserstoffstrategie und ihre praktische Umsetzung. Themen waren unter anderem die Beimischung von Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz, die russische Wasserstoffstrategie und die Erzeugung von Wasserstoff aus Biomasse. 

keine Kommentare

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Abbrechen