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  • 23.04.2014 - 13:23 GMT
  • FES

FES: Publikation zu Europas stagnierender Ungleichheit

Europas hohe und von der EU immer unterschätzte Ungleichheit hat über viele Jahre abgenommen – dank aufholenden Wachstums in den ärmeren Ländern und trotz oft zunehmender Ungleichheit innerhalb der Mitgliedstaaten. Krise und Austerität bremsten diesen Prozess. Nach einem Wiederanstieg der Ungleichheit während der großen Rezession 2009 und der kurzen Erholung danach setzt sich nun eine Seitwärtsbewegung im Zuge allgemeiner Wachstumsschwäche durch.

Die Ungleichheit in Europa hat zwei Dimensionen:
1. Unterschiede zwischen den (inzwischen 28) Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) – gemessen am ProKopf-Einkommen;
2. Unterschiede innerhalb der Länder – gemessen hier am Verhältnis zwischen dem Einkommen des reichsten und ärmsten Fünftels der jeweiligen Bevölkerung (Quintilverhältnis S80/S20).

Konvergenz der Einkommen seit 2000
Seit 2000 haben sich die ersten Unterschiede reduziert und die ärmeren Mitgliedstaaten kräftig aufgeholt. Im Durchschnitt wuchsen die Wirtschaften der ärmsten 15 Länder nominal (zu laufenden Preisen) dreimal bis viermal so schnell wie die der zwölf reichsten Mitgliedstaaten. Im Ergebnis hatten sie ab 2008 ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen, das fast drei Viertel des EU-Durchschnittes betrug, während es 2000 noch weniger als zwei Drittel waren. Das Pro-Kopf-Einkommen der reicheren Länder blieb bei etwas 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Im gleichen Zeitraum hat sich die Einkommensverteilung innerhalb der Länder im EU-Durchschnitt nur wenig verschlechtert, von einem S80/S20-Verhältnis von etwas unter 5 auf 5,1. In einigen Ländern sank die Ungleichheit (z. B. in Polen und Portugal, im Baltikum), in anderen stieg sie stark an (z. B. in Griechenland und Spanien). Beide Formen von Ungleichheit geben aber nur eine
Teilperspektive auf die Entwicklung der Ungleichheit in der EU insgesamt. Betrachtet man nur die innerstaatliche Ungleichheit und bildet aus den nationalen S80/S20-Werten gewichtete Durchschnitte, um Werte für die EU insgesamt oder Ländergruppen wie z. B. die neuen Mitgliedstaaten oder die Eurozone zu erhalten, wie es das Statistische Amt der EU (Eurostat) tut, so unterschätzt man das Niveau der Ungleichheit gewaltig, weil man von den großen Unterschieden zwischen den Pro-Kopf-Einkommen absieht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)/Kopf im reichsten Land (Luxemburg) ist in Kaufkraft gemessen fünfmal und in Euro fünf zehn mal so hoch wie das im ärmsten Mitgliedstaat Bulgarien. Gleichzeitig unterschätzt man den Trend, denn die Ungleichheit in der EU insgesamt hat dank der oben dargelegten Aufholprozesse erheblich rascher ab genommen als die innerstaatliche Ungleichheit.  

Lesen Sie die vollständige Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Entwicklung der Ungleichheit in der EU hier.

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