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Europäische Wertegemeinschaft, Partizipation & Zivilgesellschaft

Linn Selle: Plädoyer für europäisches Zusammenstehen und Zivilgesellschaft

Stehende Ovationen für die neue „Frau Europas“: Linn Selle erhielt am Montag vor 160 Gästen in Berlin die EBD-Auszeichnung für ihr ehrenamtliches Europa-Engagement im Jugendverband „Junge Europäische Föderalisten“. Laudator Michael Roth MdB, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, würdigte die 28-Jährige als „Europäerin der Herzen“, die vor allem junge Menschen mithilfe der neuen Medien für Europa mobilisiert und sensibilisiert. Gastgeber war das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

„Hinter jeder Preisträgerin steckt eine beeindruckende Persönlichkeit und beeindruckendes Engagement“, sagte Gastgeberin Caren Marks MdB, parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ, mit Blick auf die zahlreich anwesenden Trägerinnen des „Preis Frauen Europas“. Ihr Dank gelte auch der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. (EBD), die den Preis seit 1991 auslobt. Den Dank gab EBD-Vizepräsidentin Prof. Dr. Michaele Schreyer in ihrer Begrüßung zurück: „Europapolitik hat eine frauenpolitische Dimension, und Gleichstellungspolitik eine europapolitische.“ Sie freue sich deshalb sehr, dass der Preis Frauen Europas in diesem Jahr eine räumliche Verbindung ins BMFSFJ habe. Der Preisträgerin gelte besondere Hochachtung dafür, dass ihr Engagement den „langen Weg“ durch einen großen Jugendverband wie die JEF nicht scheue: „Interessenausgleich, wie er in Organisationen und Verbänden an der Tagesordnung ist, ist der mühsamste Weg – aber einer, der sich lohnt!“

Selles Einsatz in und für die demokratisch organisierte Zivilgesellschaft bestimmte auch die Laudatio von Europa-Staatsminister Michael Roth MdB, der das frühe politische Engagement der Preisträgerin hervorhob: „Du hast Demokratie gelebt, Du hast Verantwortung übernommen in einem Jugendverband und mitgestaltet, anstatt wie so viele nur zu meckern.“ Roth erinnerte daran, dass die Sicherung des Wohlstands und der Schutz europäischer Werte in einer globalisierten Welt keine Selbstläufer seien: „Hierfür einzustehen braucht Solidarität, Mut, ein Fünkchen Zuversicht und auch mal ein bisschen mehr Emotion und Leidenschaft. Hierzu reicht es nicht aus, Europaexpertin oder Europaexperte zu sein. Denn wie wir in Europa leben wollen, wird sich nicht in Ministerien oder Hörsälen, sondern vor allem in den Herzen und auf den Marktplätzen entscheiden. Ja, wir brauchen Europäer der Herzen – so wie Dich, liebe Linn. Europa lebt von seinen Bürgerinnen und Bürgern, einer vitalen Zivilgesellschaft mit Vereinen und Verbänden wie der JEF, die sich einmischen, mitmachen und der Politik auch mal den Spiegel vorhalten. Das ist ein wesentlicher Teil von gelebter Demokratie und Partizipation.“ Der EBD dankte Roth für den Preis Frauen Europas, denn Frauen zählten zu selten zu den Preisträgerinnen europäischer Auszeichnungen wie z.B. des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen, den bislang nur vier Frauen erhalten hätten.

Linn Selle ist in der 24-jährigen Geschichte des Preis Frauen Europas die jüngste Preisträgerin. Wohl auch deshalb leitete die Präsidentin des Netzwerks der Preisträgerinnen, Prof. Gudrun Schmidt-Kärner, ihre Worte zur Übergabe der Brosche mit einem Zitat Thomas Manns ein: „Der Jugend gehört die Zukunft, wie schwer sie es auch haben wird!“ Derzeit sehe es nicht so aus, als könnte die ältere Generation der Jugend eine friedliche Zukunft garantieren – angesichts von Jugendvertretern wie Linn Selle, die „mit großem Engagement, mit viel Kraft, Zuversicht und strahlendem Lächeln“ ans Werk gingen, sei sie sicher, dass positive Zeichen gesetzt werden könnten.

Mit Engagement, Kraft und Zuversicht präsentierte sich Linn Selle in ihrer ersten Rede als „Frau Europas“. Sie kritisierte, dass „Europa“ sich bislang nur äußeren Krisen, wie zuletzt den Anschlägen auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“, kollektiv unterhake und für die gemeinsamen Werte einstehe und sich ansonsten in nationales Biedermeiertum zurückziehe: „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass innereuropäische Krisen eher Zündstoff waren, um mit einem nationalistischen Feuer zu spielen.“ Selle forderte eine Abkehr vom „Krisendiskurs, um wieder mehr Verständnis und Anerkennung für unser europäisches Projekt zu wecken. Wir müssen gleichzeitig aber auch wegkommen von der pro-europäischen Erzählung die da heißt ,Europa ist voll wichtig, deswegen ist Europa voll super‘. Wir müssen konkret werden, damit sich die Menschen hinter eine Idee stellen können und nicht nur hinter leere Phrasen.“ Ein Beispiel dafür sei die Forderung nach einer echten europäischen Außenpolitik, um der EU eine kraftvolle Stimme in der Welt zu geben. Das bedeute im Grunde auch, den deutschen Außenminister abzuschaffen. „Auch wenn das der Chef meines heutigen Laudators ist“, sagte Selle mit einem Augenzwinkern in Richtung Michael Roths. Bei der Weiterentwicklung der EU spielten die organisierten Interessen, der Jugend und anderer Gruppen, eine wichtige Rolle: „Meinungsbildung und -umsetzung laufen sicher nicht immer so effizient wie in Projekten, haben aber einen großen Vorteil: Demokratie“. Sie sei deshalb sehr dankbar, dass sich die Bundesregierung für die Förderung demokratischer Zivilgesellschaft einsetze.

Auch EBD-Vorstand Katharina Wolf begann ihr Schlusswort mit „Dank für alle, die mit Herz und Hand und Geldbeutel zum heutigen Tag beigetragen haben“ – neben dem BMFSFJ als Förderer der Veranstaltung hob sie die ehren- und hauptamtlich Engagierten bei der EBD und die Musiker Georg Kallweit und Michael Metzler hervor, die die Preisverleihung mit Geige, Gitarre und Percussion aufgemischt hätten.

Bei Wein, Sekt und Häppchen hatten die Gäste im Anschluss die Gelegenheit, Linn Selle persönlich zu gratulieren und miteinander ins Gespräch zu kommen: ein „europäisches Zusammenstehen“ im besten Sinne.

Frauen Europas unter sich (v.l.) Irina Gruschewaja, Gesine Schwan, Sissy Thammer, Linn Selle, Gudrun Schmidt-Kärner, Inge Bell, Jasmina Prpić, Necla Kelek Foto: EBD/K. Neuhauser

Frauen Europas unter sich (v.l.): Irina Gruschewaja, Gesine Schwan, Sissy Thammer, Linn Selle, Gudrun Schmidt-Kärner, Inge Bell, Jasmina Prpić, Necla Kelek. Foto: EBD/K. Neuhauser

Mit dem „Preis Frauen Europas“ ehrt die Europäische Bewegung Deutschland (EBD) seit 1991 Frauen, die sich ehrenamtlich in besonderer Weise für das Zusammenwachsen Europas einsetzen. Mit der symbolischen Auszeichnung will die EBD bürgerschaftlich aktive Europäerinnen untereinander und mit den Mitgliedsorganisationen vernetzen und ehrenamtliche Strukturen in der Zivilgesellschaft stärken. Linn Selle wurde für ihr Engagement im Europawahlkampf 2014 als Bundessekretärin der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) geehrt. Informationen über die alle Preisträgerinnen stellt die Online-Broschüre zum Preis Frauen Europas der EBD zusammen.

Die Pressemitteilung finden Sie hier

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