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Bildung, Jugend, Kultur & Sport

„Geschafft! Und dann?“ – College of Europe Karrieretage 2020

Alt trifft auf Neu – von diesem Motto leben die Karrieretage des College of Europe. Dann geben frisch gebackene Absolventinnen und Absolventen dem neuen Jahrgang Tipps für das Campusleben und berufserfahrene Alumni erzählen von ihrem Karriereweg nach dem Studienabschluss. Auch in diesem Jahr trafen wieder verschiedene Generationen von College-Studierenden und -Alumni aufeinander – wenn auch nur virtuell per Videokonferenz. Anstelle eines zweitägigen Aufenthalts in Berlin fanden am 29. und 30. Juni sowie am 1. und 13. Juli insgesamt fünf Begegnungsseminare statt, die nach den Fachrichtungen am Europakolleg eingeteilt waren.

Die Verlegung der Karrieretage in die digitale Sphäre brachte einen Vorteil mit sich: viele Alumni, die außerhalb Berlins arbeiten, konnten von ihrem Karriereweg berichten. Auf diese Weise bekamen der aktuelle und zukünftige Jahrgang Einblicke in ein breites Spektrum an Berufswegen und Tätigkeitsfeldern quer durch Europa verteilt.

Zu Beginn jeder Videokonferenz konnten sich die Studierenden zunächst untereinander kennenlernen und austauschen. Die Absolventinnen und Absolventen der diesjährigen Hannah Arend-Promotion berichteten von einem spannenden Jahr, das zwar sehr fordernd war, sie aber fachlich und persönlich gut weiterbildete. Und auch das zweite Halbjahr mit seinen digitalen Kursen und vor allem die neu gewonnenen Freundschaften schätzten die Studierenden sehr.

Der kommende Jahrgang stellte Fragen zu den Sprach- und Vorbereitungskursen, zum Campusleben und dem Arbeitspensum im Studium. Es wurden unterschiedliche Kurse und Dozierende vorgeschlagen, Tipps zur inhaltlichen Vorbereitung gegeben und von arbeitsintensiven Prüfungsphasen berichtet.

Genauso wie alle auf dem Campus aus unterschiedlichen Orten Europas kommen, verlassen sie diesen gemeinsam auch wieder. Oftmals ist der Weg nach dem Studienabschluss nicht linear, weshalb zu den Begegnungsseminaren Alumni aus unterschiedlichen Sektoren und Jahrgängen eingeladen wurden um ihre Erfahrungen zu teilen. Nach dem Abschluss müsse man sich trotz der guten Ausbildung zwar für mehrere Stellen bewerben und für alternative Möglichkeiten offenbleiben, fast alle Alumni finden jedoch einen guten, zufriedenstellenden Beruf.

Wichtig sei auch, die persönliche Eignung für eine Stelle überzeugend darzulegen und „sich selbst eine Tür zu bauen“, wie Dr. Rana Islam betonte. Der Alumnus von 2007 hat EU International Relations and Diplomacy (IRD) in Brügge studiert. Nach zahlreichen Anstellungen bei politischen Institutionen arbeitet er nun als Leiter für Unternehmensentwicklung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young Global Limited. Zudem hat er seit dem Sommersemester 2020 eine Lehrstelle am Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf inne.

Viele College-Studierende träumen von einer Karriere bei der Europäischen Kommission. So auch Lynn Rietdorf, Alumna 2016, die nach dem Studium in European Legal Studies (LAW) in Brügge ein Blue Book-Praktikum bei der Kommission absolvierte. Oftmals durchlaufen Praktikantinnen und Praktikanten anschließend den Concours, das Auswahlverfahren des Europäischen Amts für Personalauswahl, um eine Beamtentätigkeit bei der „Hüterin der Verträge“ aufzunehmen. Doch Rietdorf konnte über eine Zeitarbeitsfirma direkt angestellt werden. Nun ist sie als Pressesprecherin für den Leitenden Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Frans Timmermanns tätig.

Einen völlig anderen Weg wählte Dr. Wiebke Siegerist, Alumna 2007, die ebenfalls LAW am College studiert hat. Sie führte es nach Berlin, wo sie nach dem Studium zunächst das juristische Referendariat in den Europaabteilungen der Bundesministerien für Inneres (BMI) und Wirtschaft (BMWi) absolvierte. Anschließend arbeitete sie im Europaausschuss des Bundestags und für die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Über eine Anstellung bei der hessischen Landesvertretung in Berlin arbeitet sie jetzt für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), das sie durch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft begleitet. Sie machte den jüngeren Studierenden deutlich, dass der berufliche Weg nur begrenzt planbar sei und man gelegentlich auch über Hürden steigen und Rückschläge in Kauf nehmen müsse.

Diese Aussage würde Dr. David Schäfer, Alumnus 2013, wohl unterstreichen. Nach seinem Studium in European Political and Administrative Studies (POL) wusste er nicht so recht weiter. Wissenschaftliches Arbeiten machte ihm Spaß, sodass er erstmal promovierte. Doch den Policy-Weg wollte er auch ausprobieren, sodass er anschließend ein dreijähriges Traineeship bei der Europäischen Zentralbank (EZB) absolvierte. Diese Entscheidung führte ihn letztlich nach Brüssel zur Europäischen Kommission, wo er nun die Termine ranghoher Beamtinnen und Beamte der Kommission inhaltlich vorbereitet. „Das Tolle an der Arbeit bei der Kommission ist das Rotationsprinzips. Dadurch kann man den Arbeitsalltag gut mit privaten Interessen und dem Familienwunsch vereinbaren“, erzählte er.

Aus diesen Gründen führte es Martin Schmid, POL-Alumnus 2010, nach Düsseldorf. Dort arbeitet er in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen als Referent zu Grundsatzfragen Europa/Internationales. Zuvor war er als Projektleiter bei der Mercator Stiftung und für das Zentrum für internationale Friedenseinsätze tätig. Seine Einsätze führten ihn in die Ukraine und nach Afghanistan, wo er auch andere College-Alumni traf.

Ähnlich geht es wohl auch Milena Kleine, die nach ihrem IRD-Abschluss 2016 die Attaché-Ausbildung beim Auswärtigen Amt begann. „Ihr müsst offen für Neues bleiben, das ist sehr wichtig“, gab sie den Studierenden mit auf den Weg. Sie hatte beispielsweise am College angefangen, Chinesisch zu lernen, was ihr später für einen beruflichen Aufenthalt in Peking zugutekam.

Für die European Interdisciplinary Studies (EIS) nahmen zwei Alumni aus 2015 teil, die jeweils eine sehr unterschiedliche Richtung nach dem Abschluss eingeschlagen hatten. Zunächst präsentierte Johannes Börmann seinen Werdegang in den EU-Institutionen, welcher ihn nach dem „Blue Book Traineeship“ in der EU-Kommission über die Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur bis zum stellvertretenden Antisemitismusbeauftragten in die Generaldirektion Justiz führte.

Aus dem gleichen Jahrgang sprach auch Nelli Hajdu über ihre Karriere und wies dabei auf die „Welt außerhalb der EU-Institutionen“ hin. Mit dem Ansatz „etwas mit Handel zu machen“ schrieb sie nach dem College-Abschluss viele Bewerbungen, um schlussendlich bei Freshfel Europe zu landen. Beim Dachverband der Europäischen Obst- und Gemüseindustrie arbeitet sie bis heute, nun als Director for Trade Policy and Business Development.

Lukas Westphals Reise führte ihn nach dem College-Abschluss 2017 zu den European Economic Studies (ECO) nach Brüssel. Dort passierte er zahlreiche Stationen, die ihn letztlich zu seiner aktuellen Anstellung als Leiter des Brüsseler Büros des Verbands Deutscher Bürgerschaftsbanken brachten. Doch den Weg dorthin war mit viel Anstrengung und einer gewissen Hartnäckigkeit verbunden. „Es ist nicht ganz einfach, in Brüssel Fuß zu fassen. Dort sind sehr viele hoch qualifizierte Menschen. Das Angebot für die Arbeitgeber ist groß“, gab er zu bedenken.

Zudem berichtete Carolin Proft, ECO-Alumna 2015, von ihrem Werdegang und ihrer Tätigkeit beim Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) in Berlin. Sie riet den Studierenden, sich nicht unter ihrem Wert zu verkaufen. „Ihr seid bereits wegen eurer erfolgreichen Bewerbung für das College hoch qualifiziert. Brügge und Natolin schärfen euer Profil noch einmal. Haltet euch das immer vor Augen!“

Alle Referentinnen und Referenten betonten den hohen Wert, den das College sowohl beruflich als auch privat für sie habe. Wenn auch nicht immer auf geradem Weg, seien doch alle nun in Positionen angelangt, die sie erfüllten. Für die diesjährigen Absolventinnen imd Absolventen wie auch dem zukünftigem Jahrgang am College boten die persönlichen und vielseitigen Einblicke in die Karrierewege der Alumi neue Anregungen und Motivation für ihre bevorstehende Laufbahn.


Weitere Informationen zum College of Europe sowie zu den Stipendien der Bundesregierung und einzelner Bundesländer, die die EBD jährlich vergibt, sind hier zu finden.

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