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Geschlechtergerechtigkeit – ein EU-Grundwert, der unzureichend realisiert ist | EBD-Präsidentin bei DAB Online-Event

„Unsere Leistungen aufzeigen und unsere Stimmen für ein geschlechtergerechtes Deutschland in Gesellschaft und Wissenschaft erheben“ – das war das Credo der Veranstaltung „Frauen aus aller Frauen Länder gestalten die Zukunft Deutschlands“, an der Dr. Linn Selle, Präsidentin der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) am 30. April als Panelistin teilgenommen hat. Die Veranstaltung ist Teil einer Initiative des Deutschen Akademikerinnenbundes (DAB) in Kooperation mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Center for the History of Women Philosophers der Universität Paderborn. Nach Grußworten von WZB-Präsidentin Prof. Dr. Jutta Allmendinger und DAB-Präsidentin Manuela Queitsch verlieh Queitsch den Sophie La Roche-Preis an Elke Büdenbender für ihr Engagement für Frauen. Auma Obama, Gründerin der Auti Kuu-Stiftung, hielt die Laudatio.

Die anschließende Paneldiskussion brachte Frauen, die Forschungseinrichtungen geführt und Forschung initiiert haben, mit Frauen zusammen, die nach Deutschland migriert und hier ihren akademischen Weg gegangen sind. Thema waren strukturelle Probleme bei der Bekämpfung ungleicher Behandlung von Frauen und Mädchen am Wissenschaftsstandort Deutschland und wie die Leistungen der Frauen sichtbarer gemacht werden können.

Hierbei betont die EBD-Präsidentin die Bedeutung gesellschaftlicher Vernetzung und appellierte, die mittlerweile vielen transnationalen Wirkungsstätten mitzudenken. Einen Beitrag, um die Leistungen der Frauen stärker hervorzuheben, leistet auch der Preis Frauen Europas, mit dem die EBD das ehrenamtliche Engagement von Frauen für das Zusammenwachsen und die Festigung eines vereinten Europas ehrt. Die Preisträgerinnen stammen aus ganz Europa.

Neben der „Unsichtbarkeit“, unter der weibliche Biographien oft litten, gäbe es weiterhin strukturelle Probleme innerhalb Europas bezüglich der Geschlechterfrage, leitete Moderatorin und DAB-Vizepräsidentin Ruth Hagengruber über. Auf europäischer Ebene habe die Geschlechterfrage immer auch eine politische Dimension, sagte Selle und betonte, dass die Gleichstellung der Geschlechter zu den Grundwerten der EU gehört. Die Geschlechtergleichstellung ist als Grundsatz bereits seit 1957 in den europäischen Verträgen verankert und jahrzehntelang war die Europäische Union Vorreiterin in diesem Bereich. Allerdings, so Selle, sei dies in den letzten Jahren etwas eingeschlafen und das Ziel der Gleichstellung bis heute nur unzureichend realisiert. Es brauche deutliche politische Impulse, die zeitnah umgesetzt werden, um erkennbare Fortschritte zu erzielen. Ein Beispiel dafür sei die Europäische Gleichstellungsstrategie 2020-2025, in dessen Rahmen die Europäische Kommission am 4. März einen Vorschlag zur Entgelttransparenz vorgelegt hat. Außerdem sei die vollständige Ratifizierung der Istanbul-Konvention des Europarats durch die EU und ihre Mitgliedstaaten essenziell, um Gewalt gegen Frauen konsequent entgegenzuwirken. „Der geplante Austritt von Polen aus der Konvention ist ein schwerer Rückschlag. Denn was in einem Mitgliedstaat passiert, geht uns alle etwas an“, so die EBD-Präsidentin.

Bildung ist ein zentrales Mittel auf dem Weg zur Gleichstellung. Das EU-Bildungs-, Jugend- und Kulturprogramm Erasmus+ sei in vielerlei Facetten ein Vorzeigeprogramm, müsse jedoch noch weiter über den akademischen Bereich hinausgedacht werden, betonte Selle. „Es nehmen immer noch zu wenige EU-Bürgerinnen und -Bürger außerhalb der universitären Bildung an Erasmus+ teil. Als EBD setzen wir uns für eine Institutionalisierung des europaweiten Austausches und eine stärkere Förderung des Fremdsprachenunterrichts in der beruflichen Bildung ein“, so die EBD-Präsidentin.

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