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Wettbewerbsfähigkeit

Hans-Böckler-Stiftung: Arbeitskosten: Stärkeres Wachstum in Deutschland hilft bei Euro-Stabilisierung, Wettbewerbsfähigkeit weiter hoch

Deutschland liegt bei den Arbeitskosten weiterhin im westeuropäischen Mittelfeld. Obwohl die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft 2012 nach neuen Daten des Statistischen Bundesamtes etwas stärker angestiegen sind als im EU-Durchschnitt (2,8 Prozent vs. 2,1 Prozent), ist die Bundesrepublik gegenüber 2011 vom siebten auf den achten Rang unter den EU-Ländern zurückgefallen.

Neben Schweden, Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden wies im vergangenen Jahr auch Finnland höhere Arbeitskosten als Deutschland auf. Im Vergleich der Arbeitskosten für das Verarbeitende Gewerbe liegt Deutschland weiterhin auf dem fünften Platz. Darauf weist Prof. Dr. Gustav A. Horn hin, der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

"Die Zahlen unterstreichen, was wir an vielen Parametern ablesen können: Deutschland ist ein Land mit hervorragender internationaler Wettbewerbsfähigkeit", sagt Horn. "Wenn die Arbeitskosten nun zum zweiten Mal seit dem Jahr 2001 stärker gestiegen sind als im Mittel der EU-Länder, ist das ein richtiger erster Schritt in Richtung auf eine Normalisierung. Denn die Kehrseite der langjährigen unterdurchschnittlichen Zuwächse war eine relativ schwache Entwicklung bei Löhnen und Binnennachfrage. Seit Jahren exportieren wir weitaus mehr als wir einführen. Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse sind nach wie vor so groß, dass sie unsere Handelspartner in der europäischen Währungsunion und auch außerhalb unter großen Druck setzen, und das macht es so schwer, die Krise im Euroraum zu bewältigen."

Horn verweist auf bereits zu beobachtende positive Effekte: "Höhere Löhne bei stabiler Beschäftigungsentwicklung schaffen die Voraussetzungen für einen relativ kräftigen privaten Konsum. Der hat zuletzt die deutsche Konjunktur gestützt, und das dürfte auch in diesem Jahr so sein." Dieser Prozess müsse sich nun auch längerfristig fortsetzen. "Allein die enormen Kosten, die bei der Rettung des Euro drohen, machen deutlich, dass die Fixierung vieler Ökonomen und Politiker auf möglichst niedrige Löhne und Arbeitskosten ein Fehler ist. Das ist keine nachhaltige Strategie für mehr Wohlstand", sagt Horn.

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