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  • 16.02.2012 - 12:56 GMT

Hans-Böckler-Stiftung: Europäer länger im Job

Fast überall in Europa sind Beschäftigte heute länger berufstätig als kurz nach der Jahrtausendwende. Deutschland zählt zu den Ländern mit den höchsten Zuwächsen bei der Lebensarbeitszeit.

Von den 55- bis 59-Jährigen, die 1996 in Deutschland beschäftigt waren, arbeiteten 2001 bereits 61 Prozent nicht mehr. 2008 lag die "Rückzugsrate" der fünf Jahre zuvor 55- bis 59-Jährigen jedoch nur noch bei 45 Prozent. Viele Ältere blieben also länger im Job. Das geht aus dem aktuellen Altersübergangsreport des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) hervor. Besonders bei Frauen und in Ostdeutschland hat sich "der Austritt aus dem Erwerbsleben verlangsamt", so die IAQ-Forscher Martin Brussig und Sarah Mümken.

Die Wissenschaftler haben zudem die Veränderung der Rückzugsraten im übrigen Europa untersucht. Mit einem Rückgang um mehr als ein Viertel liegen Schweden, die Niederlande und Deutschland an der Spitze. Aber auch in den meisten anderen Ländern ziehen sich immer weniger Arbeitnehmer zwischen ihrem 60. und 65. Lebensjahr aus dem Erwerbsleben zurück. Frühere Austritte aus dem Arbeitsleben – also eine gestiegene Rückzugsrate – sind lediglich in fünf Ländern zu beobachten. Darunter ist etwa Dänemark, wo das Rentenalter 2004 von 67 auf 65 Jahre gesenkt wurde.

Trotz des eindeutigen Trends zu längerer Berufstätigkeit: Die absoluten Niveauunterschiede in Europa sind erheblich. So waren 2008 in Ungarn nur rund 30 Prozent der 55- bis 64-Jährigen berufstätig, während die Quote in Island über 80 Prozent lag. Deutschland nimmt mit 53 Prozent eine mittlere Position ein. Allerdings waren das nach wie vor 29 Prozentpunkte weniger als bei den Jüngeren. Für ganz Europa gilt laut Brussig und Mümken: Am niedrigsten sind die Erwerbsquoten älterer Frauen und geringer Qualifizierter. Letztere hätten oft mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und schlechte Chancen am Arbeitsmarkt.

Die höhere Altersbeschäftigung ging laut IAQ nicht zulasten jüngerer Arbeitnehmer: Wo die Zahl der älteren Beschäftigten zugenommen hat, ist die Beschäftigungsquote der 25- bis 54-Jährigen nicht gesunken. Meist legte die Erwerbsquote in beiden Altersgruppen zu.

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