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  • 09.02.2011 - 09:39 GMT

Hans-Böckler-Stiftung: Wachstumsschwäche ist größtes Risiko

Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung: Preissteigerung rechtfertigt keine straffere Geldpolitik.

Eine straffere Geldpolitik aus Furcht vor steigender Inflation würde derzeit deutlich mehr schaden als nutzen. Auch Warnungen vor angeblich drohenden Zweitrundeneffekten durch höhere Lohnabschlüsse sind nicht gerechtfertigt.
Darauf weist der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, Prof. Dr. Gustav A. Horn, hin. Weder die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank
(EZB) noch die absehbare Lohnentwicklung stellten ein ernsthaftes Risiko für die Geldwertstabilität dar, betont der Ökonom. Auch der starke Anstieg der Staatsverschuldung durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erzeuge im Euroraum keinen Inflationsdruck.
Das IMK hatte im November 2010 eine systematische Untersuchung der Inflationsrisiken vorgelegt. Darin kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Inflationsgefahr insbesondere in Deutschland deutlich überschätzt wird (Link zur Studie unten). "Daran hat sich nichts geändert", betont Gustav Horn. Dass die Preise in den vergangenen Monaten wieder schneller steigen als mitten in der Krise, habe nichts mit konjunktureller Überhitzung zu tun oder mit Lohn-Preis-Spiralen, sondern allein mit Preisausschlägen bei Energie, Rohstoffen und Lebensmitteln. "Die Verbraucher ärgern sich natürlich, wenn Benzin oder Gemüse spürbar teurer werden. Aber EZB-Präsident Jean-Claude Trichet setzt die richtigen Prioritäten, wenn er die konjunkturstützende Geldpolitik der EZB fortsetzt", so Horn.
"Schließlich liegt die Preisentwicklung nach wie vor im Rahmen des Akzeptablen. Das Wachstum tut das nicht."
Der Wirtschaftswissenschaftler verweist darauf, dass in der Eurozone in diesem Jahr lediglich Deutschland mit voraussichtlich 2,5 Prozent ein befriedigendes Wirtschaftswachstum erzielen dürfte. Rechne man die Bundesrepublik heraus, bewege sich die Wirtschaftsentwicklung in der Währungsunion in diesem Jahr mit 0,6 Prozent Zuwachs nahe an der Stagnation.
"Höhere Energiepreise belasten die schwache Konjunktur zusätzlich. Höhere Leitzinsen könnten der Erholung im Euroraum den Rest geben, ohne die Preisentwicklung nennenswert zu bremsen", warnt Horn. "Die Preisbildung an den internationalen Rohstoffmärkten kann die EZB ja höchstens indirekt beeinflussen, die politische Entwicklung im Nahen Osten gar nicht." Die EZB würde mit einer weniger expansiven Politik nur die binnenwirtschaftlich bestimmte Preisentwicklung drücken, die, gemessen an der Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak, in den vergangenen Monaten im Euroraum bei nur 1,1 Prozent lag; in Deutschland sogar unter 1 Prozent.
Hinzu komme, dass  höhere Zinsen die Schuldenlast für die  öffentlichen Haushalte drückender werden lassen, warnt das IMK. Das betrifft insbesondere die Krisenländer im Euroraum. Auch der immer noch fragile Bankensektor geriete wieder stärker in Bedrängnis. Erst wenn die Konjunktur im gesamten
Euroraum Tritt gefasst habe, wäre ein Zinsschritt angemessen.   

Angesichts der aktuellen Lage im Euroraum habe  Deutschland ein vitales Interesse, in diesem Jahr eine Rolle als Konjunkturlokomotive zu übernehmen, erklärt IMK-Direktor Horn. Dazu gehöre auch eine stärkere Lohnentwicklung als in den vergangenen Jahren. So erhalte die Nachfrage dringend nötige
Impulse, ohne dass das Inflationsziel der EZB verletzt würde.    
Mehr Informationen finden Sie unter folgenden Links:

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