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IB | „Eine besondere Partnerschaft, die andere Nationen nicht ausschließt“

Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des IB, zum Jahrestag des Élysée-Vertrags und des Aachener Vertrags

Heute vor 57 Jahren wurde der Élysée-Vertrag unterzeichnet, vor einem Jahr der Aachener Vertrag.

Es sind historische Werke und sie haben wesentlich zur Verständigung der Menschen in den beiden Ländern beigetragen und den Frieden in Europa sichern helfen. Schon nach dem ersten Vertragswerk im Jahr 1963 wurde die neue Partnerschaft oft durch nationale Alleingänge bedroht. Doch die Bereitschaft, gemeinsam an einem starken Europa zu arbeiten, war groß und dauert bis heute an, wie der ergänzende Vertrag von Aachen aus dem vergangenen Jahr zeigt.

Dabei ist es unseren beiden Ländern gelungen, eine besondere Partnerschaft zu pflegen, die andere Nationen nicht ausschließt. Im Gegenteil: So war das deutsch-französische Jugendwerk Vorbild für das deutsch-polnische Jugendwerk. Diskutiert wird außerdem seit einiger Zeit die Gründung eines deutsch-israelischen Jugendwerks. Ohne die enge Zusammenarbeit gäbe es auch das Weimarer Dreieck nicht, bei dem Polen, Deutschland und Frankreich regelmäßig über die Stärkung der europäischen Integration beraten.

Der Abbau von Vorurteilen, der gegenseitige Austausch und das Kennenlernen von jungen Menschen anderer Nationen: Ohne den Élysée-Vertrag wären die zahllosen Begegnungen von jungen Menschen aus Frankreich und Deutschland nicht möglich gewesen. Ohne freie Träger wie den IB hätten sie nicht stattgefunden.

Beim Thema Globalisierung wird meist nur an das Thema Wirtschaft gedacht, was es ihr nutzt, wie die Volkswirtschaften davon profitieren oder welche Probleme entstehen können. Was der weltweite intensive Austausch von Waren, Dienstleistungen aber auch Informationen für die Menschen bedeutet, kommt dabei oft zu kurz. Auch hier tragen solche zwischenstaatlichen Vereinbarungen wie die zwei Verträge zu mehr Verständnis untereinander bei.

Im Aachener Vertrag haben Deutschland und Frankreich festgelegt, sich in europäischen Angelegenheiten, der Förderung von Frieden, Sicherheit, der Kultur, Bildung, Forschung und Mobilität, bei regionalen Fragen, der nachhaltigen Entwicklung, Klima, Umwelt und wirtschaftlichen Angelegenheiten noch enger abzustimmen und gemeinsam vorzugehen.

Für uns als IB ist besonders der Ausbau der Förderung von Mobilität junger Menschen mit besonderem Förderbedarf interessant, aber auch die Koordinierung der Entwicklungszusammenarbeit besonders in Afrika im Bereich der Bildung. Auch bei der Gleichstellung der Geschlechter, der Stärkung von Frauen, dem Ausbau integrierter Studiengänge im Hochschulbereich und der Förderung von Zweisprachigkeit in den Grenzregionen sowie die Entwicklung gemeinsamer Positionen zur Europapolitik können wir uns gut einbringen.

Das Thema „Förderung von Mobilität sozial benachteiligter junger Menschen und von Fachkräften“ ist für den IB seit seiner Gründung von großer Bedeutung. Allerdings ist hier die Zahl der gemeinsamen Projekte des IB mit Partnern in Frankreich in den vergangenen Jahren bedauerlicherweise stetig gesunken. Wir sehen allerdings Anzeichen, dass der Aachener Vertrag hier für eine Belebung sorgen könnte.

Die internationale Jugendarbeit ist ein pädagogischer Auftrag des IB, der schon in der Satzung verankert ist. Unserer Erfahrung nach kommen Jugendliche und Fachkräfte mit gestärktem Selbstvertrauen und Motivation aus einem Austauschprojekt zurück, weil sie ihre Schlüsselkompetenzen weiterentwickeln konnten. Durch den Perspektivwechsel werden Horizonte erweitert. Werte wie Toleranz, Vielfalt und Offenheit bekommen eine tiefere Bedeutung. Die interkulturelle Sensibilität wird gestärkt.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit leistet einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen. Sie fördert den europäischen Zusammenhalt und die europäische Identität.

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