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  • 16.10.2012 - 13:05 GMT
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KAS: „Wir gehören zusammen“

Hans-Gert Pöttering würdigt Friedensnobelpreis. Interview der Braunschweiger Zeitung mit dem Vorsitzenden der KAS, Hans-Gert Pöttering, anlässlich der Friedensnobelpreisverleihung an die EU.

Herr Pöttering, wer sind aus Ihrer Sicht die eigentlichen Gründerväter der EU?

Pöttering: Es gibt viele Gründerväter und –mütter der EU. Zu den herausragenden gehören zweifellos Robert Schuman, Jean Monnet, Alcide de Gasperi und Konrad Adenauer. Später auch Francois Mitterand, Felipe Gonzales, Helmut Kohl.

Welche Bedeutung haben sie jeder für sich betrachtet?

Robert Schuman und Jean Monnet haben gemeinsam die Idee entwickelt, die westeuropäische Kohle- und Stahlindustrie einer gemeinsamen Aufsicht zu unterstellen – das war der Kern unserer heutigen Europäischen Union. Um diese Idee durchzusetzen und mit Leben zu erfüllen, bedurfte es Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer und seines italienischen Amtskollegen Alcide de Gasperi, später dann Politikern wie Helmut Kohl und seiner Amtkollegen Mitterand und Gonzales. Heute führen Politiker wie etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Idee fort.

Was bedeutet der Friedensnobelpreis für jeden einzelnen Europäer?

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU ist eine Ermutigung für alle Europäerinnen und Europäer, die an der Einigung unseres Kontinents arbeiten. Die Entscheidung ist ein Beitrag, das Selbstbewusstsein zu stärken, dass wir Europäer in Frieden und Freiheit vereint sind, dass wir zusammengehören und zusammenbleiben.

Was dürfen insbesondere wir Deutschen für unser Selbstverständnis daraus ableiten?

In Zeiten, in denen wir in Europa vor einer großen Bewährungsprobe stehen, stärkt die Auszeichnung die Europäische Union als Werte- und Friedensgemeinschaft. Gerade wir Deutschen wissen, dass wir der europäischen Einigung nach Jahrhunderten von Krieg und Zerstörung nunmehr seit über 60 Jahren Frieden und Wohlstand verdanken.

Die EU hat militärische Operationen mitgetragen. Ist der Friedensnobelpreis dennoch gerechtfertigt?

Die Europäische Union ist eines der größten Friedensprojekte der Menschheitsgeschichte. Sie hat keine militärischen Operationen durchgeführt, sondern einen Beitrag dazu geleistet, dass Frieden, Demokratie und Menschenrechte auch in anderen Teilen der Welt durchgesetzt werden können. Nicht umsonst gilt die Europäische Union als Projekt für andere Regionen der Welt.

Was sollte mit dem Preisgeld geschehen?

Der Friedensnobelpreis für die EU ist eine Auszeichnung, die an alle ihre Bürgerinnen und Bürger geht. Was mit dem Preisgeld geschieht, werden die verantwortlichen Persönlichkeiten, die Präsidenten des Europäischen Rats, Hermann Van Rompuy, M;artin Schulz, und der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, sicherlich im Sinne der Fortführung der europäischen Einigung entscheiden.

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