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Europäische Wertegemeinschaft, Institutionen & Zukunftsdebatte

Neuer EBD-Vorstand stellt sich vor: Leo Lüddecke im Interview

Der EBD-Vorstand ist wieder vollzählig: Auf der diesjährigen EBD-Mitgliederversammlung wählten die Delegierten der 249 Mitgliedsorganisationen für insgesamt sieben vakante Posten neue Mitglieder in das geschäftsführende Gremium der EBD. Hier stellen sich die neuen Vorstandsmitglieder vor.

Heute führen wir das Gespräch mit Leo Lüddecke: der gebürtige Niedersachse studierte in Göttingen und Seoul Betriebswirtschaftslehre und zog dann während des Wahlkampf für die Volt-Partei nach Berlin. Nach vorheriger Tätigkeit als Finanzbeauftragter der Bundespartei ist er seit April 2019 Mitglied des Bundesvorstandes und Schatzmeister von Volt Deutschland, die er nun auch im EBD-Vorstand vertritt.

Das geschäftsführende EBD-Gremium unter der Leitung von EBD-Präsidentin Dr. Linn Selle hat insgesamt 29 Mitglieder. Alle Vorstandsmitglieder stellt die EBD hier zusammen.


Lieber Herr Lüddecke, warum engagieren Sie sich für Europapolitik?
Ich bin in und mit Europa aufgewachsen. Europa und all seine Errungenschaften waren für mich stets eine Selbstverständlichkeit. Heute ist das leider nicht mehr so. In immer mehr Ländern steht die europäische Idee unter akutem Beschuss. Ich möchte jedoch, dass meine Kinder später unter den gleichen Bedingungen aufwachsen können wie ich. Daher sehe ich mich in der Verantwortung, jetzt meinen Teil dazu beizutragen, das Europa und die Privilegien zu verteidigen, die mir einst in die Wiege gelegt worden sind.

Was bedeutet Europa für Sie?
Für mich ist Europa die Gemeinschaft vieler Unterschiedlicher, die sich zusammengefunden haben, um gemeinsam für die gleichen Werte einzustehen. Neben den Grundwerten der EU sind dies für mich insbesondere Solidarität und Toleranz. Nur diese Werte zusammen können dauerhaft den Frieden in unserer Gesellschaft aufrechterhalten.

Warum engagieren Sie sich bei der Europäischen Bewegung Deutschland?
Für mich lassen sich die oben genannten Werte nur gemeinsam erreichen und die EBD bietet mir die Möglichkeit, den europäischen Gedanken im Austausch mit anderen begeisterten Europäerinnen und Europäern aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens weiterzuentwickeln und zu schärfen. Dabei ist es mir wichtig, die Hoffnungen und Wünsche unserer gesamteuropäischen Bewegung mit den anderen Mitgliedern der EBD zu teilen. Ich freue mich, mit unserer Energie und Begeisterung für das europäische Projekt unseren Beitrag zu dem Weg leisten zu können, den die EBD seit 70 Jahren im Glauben an ein einiges Europa geht.

Welche europapolitischen Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?
Mir liegt besonders die Stärkung der europäischen Demokratie am Herzen. Denn ohne ein echtes kontrollfähiges Parlament mit Initiativrecht wird sich die EU nie zu einer Institution entwickeln, in der die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich mitbestimmen und mitgestalten können. Ohne ein solches, starkes europäisches Parlament wird es letztlich auch keine europäische Vereinigung geben. Ich freue mich daher, die Möglichkeit zu haben, insbesondere an diesem Thema bei der EBD aktiv mitarbeiten zu können.

Was muss sich in Europa in den nächsten Jahren verändern?
Es muss dringend eine Reform des europäischen Wahlrechts geben. Als Grundlage einer parlamentarischen Demokratie ist es nicht tragbar, dass überall in Europa unter vollkommen unterschiedlichen Bedingungen gewählt wird. Wahlzulassungsbedingungen und Wahlverfahren müssen sowohl vereinheitlicht als auch vereinfacht sowie das Wählen über Ländergrenzen hinweg ermöglicht werden. Ein weiteres Zeichen des fortdauernden Demokratiedefizits ist es auch, dass das von den Bürgerinnen und Bürgern gewählte Parlament nicht vorschlägt, wer das wichtigste politische Amt in der Union wahrnimmt. Ich hoffe, dass es hier noch in dieser Legislaturperiode deutliche Fortschritte geben wird. Ich hoffe in diesem Zuge auch, dass Frau von der Leyen die Umsetzung transnationaler Wahllisten nicht bloß wie versprochen verstärkt thematisieren, sondern ganz aktiv vorantreiben wird. Den Spitzenkandidatenprozess gilt es schließlich nicht nur zu verbessern, sondern auch endlich konsequent bis zum Ende durchzusetzen.

Was wünschen Sie sich für Europa?
Ich wünsche mir, dass Europa in der täglichen Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger ankommt. Dass sich jede und jeder bewusst wird, was für ein unheimliches Glück es ist, dass wir in Frieden zusammen leben. Dabei ist mir besonders wichtig, dass wir in unserer täglichen Wahrnehmung häufiger den Erfolg des ganzen Kontinents zusammen im Blick haben und nicht als erstes an die eigene Nation denken. Nur wenn wir nationale Egoismen hinter uns lassen und europäisch über Lösungen nachdenken, werden wir auch zu wirklichen Lösungen unserer Probleme kommen. Und genau dazu bedarf es dringend der Schaffung einer echten europäischen Öffentlichkeit. Warum werden beispielsweise europapolitische Themen in deutschen Talkshows nur so selten unter Beteiligung ausländischer Politiker debattiert?

In 30 Jahren feiert die EBD 100-jähriges Jubiläum. Was soll bis dahin passieren?
Die Vereinigten Staaten von Europa.

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