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Landwirtschaft & Fischerei

OVID | Neues EU-Gentechnikrecht für Europas Agrar- und Ernährungssystem unumgänglich

Die Studie der Europäischen Kommission zum rechtlichen Status neuer Züchtungsmethoden und die nun anstehenden Beratungen über die Gestaltung eines neuen rechtlichen Rahmens für diese Verfahren standen im Mittelpunkt des dritten „Dialog Genome Editing“ am 2. Juni 2021. Zu der Veranstaltung „CRISPR/Cas & Co – Warum Europa ein zeitgemäßes Gentechnikrecht braucht” hatten 17 Verbände der deutschen Agrar- und Ernährungsbranche eingeladen.

Prof. Dr. Detlef Weigel, geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, verwies auf den wissenschaftlichen Fortschritt: „Wir wissen heute viel mehr über die Genome von Pflanzen und deren genetische Vielfalt als vor 20 Jahren. Dies hilft uns bei der Sicherheitsbewertung. Das Gentechnikrecht sollte diese Erkenntnis abbilden, ist in der Hinsicht aber veraltet.“ Weigel fügte hinzu: „Bei der Regulierung von Internet und künstlicher Intelligenz vertrauen wir auch nicht auf das Wissen von vor 20 Jahren. Technik-Gesetze müssen den Fortschritt der Technik berücksichtigen.“

Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, betonte: „Die neuen Züchtungstechniken besitzen großes innovatives Potenzial. Diese Chancen des Pflanzenbaus der Zukunft für die Ernährungssicherung, den Klima- und Umweltschutz, die Biodiversität und die Wettbewerbsfähigkeit müssen genutzt werden. Deshalb brauchen wir eine Novellierung des EU-Gentechnikrechts.“

Dietmar Brauer, geschäftsführender Gesellschafter der Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, ergänzte: „Die politisch definierten und ambitionierten Ziele des Green Deal werden nicht ohne eine breite Innovationsoffensive in allen Bereichen der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu erreichen sein. Pflanzenzüchter arbeiten tagtäglich daran, Sorten zu entwickeln, die die Ansprüche von Landwirtschaft und Verbrauchern hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit erfüllen. Neue Züchtungsmethoden ergänzen die klassische Züchtung und die Europäische Kommission bestätigt in ihrer Studie deren Potenzial. Es kommt nun darauf an, dieses Potenzial zu nutzen. Dazu brauchen wir zügig eine Initiative, den veralteten Rechtsrahmen an den aktuellen Stand der Wissenschaft anzupassen. Hierfür müssen sich die Mitgliedstaaten geschlossen auf europäischer Ebene einsetzen.“ 

Detlef Kurreck, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern und Landwirt, bestätigte: „Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen, was den Klimawandel und die Verringerung der Ressource Boden angeht. Um das Niveau der Ernährung der Weltbevölkerung zu erhalten, um es ökologischer auszurichten und nachhaltiger zu machen, brauchen wir Sorten, die sich diesen neuen Herausforderungen anpassen. Züchtung ist ein langwieriger Prozess, der über Generationen erfolgt. Doch mit den neuen Methoden haben wir die Möglichkeit, Züchtungserfolge wie zum Beispiel Trockenresistenz oder Schädlingsresistenz sehr viel schneller zu erreichen.“

Die Debatte bestätigte die Veranstalter in ihren Forderungen nach einer am Stand der Wissenschaft orientierten, differenzierten Regelung für die verschiedenen Anwendungen neuer Züchtungsmethoden. Dabei sollte im Sinne der Gleichbehandlung sichergestellt werden, dass Pflanzen, die sich von klassisch gezüchteten nicht unterscheiden, nicht als GVO reguliert werden.