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VDS | Wertschätzung der Sprache nicht den Vertretern extremer Meinungen überlassen

Der Verein Deutsche Sprache e. V. fordert seit langem, dass die deutsche Sprache im Grundgesetz festgeschrieben wird. Er bedauert daher, dass auf der Bundestagssitzung am 2. März 2018 der Antrag der AfD, Artikel 22 des Grundgesetzes um den Satz „Die Landessprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch“ zu ergänzen, von allen anderen Fraktionen abgelehnt wurde. Gegenstimmen kamen leider auch von Abgeordneten, die in der Vergangenheit eine entsprechende Ergänzung des Grundgesetzes immer befürwortet hatten. Dabei beschränkte sich die jeweils für die Ablehnung vorgetragene Begründung auf Vorwürfe gegenüber dem Antragsteller, ließ den eigentlichen Gegenstand des Antrags aber außer Acht.

Der VDS vertritt den Standpunkt, dass für die Annahme oder Ablehnung eines Antrags nicht die wahren oder vermeintlichen Beweggründe des Antragstellers entscheidend sein dürfen, sondern einzig und allein die Frage, ob das durch die Annahme des Antrags erzielte Ergebnis erwünscht ist oder nicht.

Unsere Sprache braucht staatlichen Schutz, denn sie wird in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens zunehmend durch das Englische verdrängt. Der dramatische Bedeutungsschwund des Deutschen sowohl im Landesinneren als auch auf europäischer Ebene droht unumkehrbar zu werden, wenn ihm nicht in sehr naher Zukunft Einhalt geboten wird. Wenn etwa in Forschung und Lehre die eigene Sprache zur Zweitrangigkeit degradiert wird, dann wird sie langfristig vollends ihre Wissenschaftstauglichkeit verlieren und auch nicht mehr dem Informationsanspruch der Gesellschaft, die schließlich die wissenschaftliche Tätigkeit finanziert, gerecht werden können. Wenn in allen gesellschaftlichen Bereichen, im Wirtschafts- und Geschäftsleben und neuerdings sogar in der Gerichtsbarkeit, wenn auch auf kulturellem Gebiet – wie etwa in den Musiksendungen der Rundfunk- und Fernsehanstalten – die deutsche Sprache durch die englische verdrängt wird und selbst hochwertige kulturelle „Events“  bei uns kaum noch deutschsprachige Titel tragen, dann verliert sie letztlich auch ihre Eignung als verbindendes Integrationsmittel für alle Menschen, die in Deutschland heimisch werden wollen.

Besonderen Schutz verdient unsere Sprache aber auch deshalb, weil sie – wie alle Sprachen – ein wertvolles Kulturgut ist, das erhalten und gefördert werden muss. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Sprachengesamtheit der EU, deren kultureller Reichtum nur gewahrt werden kann, wenn er nicht der Vorherrschaft einer oder einiger weniger Sprachen geopfert wird. Die meisten unserer Nachbarländer haben ihre jeweilige Amtssprache in der Verfassung verankert. Täte dies auch die Bundesrepublik, so hätte dies eine starke Signalwirkung und würde überall als ein Zeichen dafür verstanden, dass auch die Menschen unseres Landes ihre eigene Sprache wertschätzen und diese Wertschätzung nicht alleine den Vertretern extremer Meinungen überlassen.

Nicht nur – aber auch – wegen ihrer mangelnden Geltung im eigenen Land führt die deutsche Sprache in den Gremien der EU ein Schattendasein, das in keiner Weise ihrem demografischen, politischen und wirtschaftlichen Gewicht entspricht. Es sollte zumindest von deutscher Seite jeder mögliche Beitrag dazu geleistet werden, der deutschen Sprache auch in den EU-Institutionen einen ihr angemessenen Rang zu verschaffen. Denn eine zu Recht als unangemessen empfundene Situation birgt das Risiko, die in weiten Kreisen der Bevölkerung bereits vorhandene Europa-Skepsis weiter zu verstärken und so das Projekt der europäischen Einigung unnötig zu gefährden.