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  • 26.02.2014 - 13:09 GMT
  • ver.di
Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit & Verbraucherschutz

ver.di: EU-Leitlinien für die Seeschifffahrt konkretisieren – Derzeitiger Kurs vernichtet maritimes Know-how in Europa

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert die Europäische Union (EU) auf, ihre Leitlinien für die Seeschifffahrt dahingehend zu konkretisieren, dass für alle Schiffe, die durch Tonnagesteuer und andere Finanzinstrumente subventioniert werden, Mindestbesetzungsvorschriften mit sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für EU-Seeleute schnellstens eingeführt werden.

Hintergrund ist, dass mit Beginn des Maritimen Bündnisses vereinbart worden war, mindestens 300 Schiffe unter deutscher Flagge zu halten.
Diese Anzahl wurde durch Vereinbarung auf 500 gesteigert und unter der Maßgabe wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sogar auf 600 festgelegt, so dass im Jahr 2008 mehr als 500 Schiffe unter deutscher Flagge fuhren. Damit verbunden hatten sich die Auszubildenden-Zahlen mehr als verdoppelt und die Zahlen deutscher und EU-Seeleute waren angestiegen. Diese Entwicklung von Beschäftigung im maritimen Bereich war Ausdruck des steigenden Flottenbestandes mit über 3.500 Schiffen im deutschen Management.

In weniger als vier Jahren ist die Anzahl von Schiffen unter deutscher Flagge seit 2009 um 300 Schiffe zurückgegangen. Die Flucht aus der deutschen Flagge hat zu einem gravierenden Abbau von Arbeits- und Ausbildungsplätzen für deutsche und EU-Seeleute geführt. Immer mehr Reeder bringen ihre Schiffe unter EU-Flaggen, die keine
Besetzungs- und Bemannungsvorschriften haben. Damit wird eine Vorgabe der Leitlinien ausgehebelt und maritimes Know-how geht verloren.

"Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf, will man nicht die Ziele der Leitlinien aus den Augen verlieren oder gar aufgeben", betont ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Die Europäische Kommission müsse sich die Frage stellen, was es der EU und Deutschland nutze, wenn Schiffe in Asien gebaut, mit Seeleuten aus aller Welt besetzt werden und deutsche Reeder trotzdem finanzielle Vorteile in Form der Tonnagesteuer, Lohnkosten- und Ausbildungsbeihilfen erhielten. Das widerspreche dem Geist und den Zielen der EU-Leitlinien.

"Ziel der EU-Leitlinien für den Seeverkehr war und ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Mitgliedsstaaten zu stärken und die Ausbildung und Beschäftigung von EU-Bürgern zur Erhaltung des maritimen Know-hows zu fördern", erklärte die Gewerkschafterin.
Dieses müsse nun erneut ebenso vorangetrieben werden wie das "Maritime Bündnis für mehr Ausbildung und Beschäftigung".

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