Aktuelles > VIER PFOTEN: Pelz- oder Kunstkragen? EU will Kennzeichnung

Artikel Details:

  • 12.05.2011 - 09:31 GMT

VIER PFOTEN: Pelz- oder Kunstkragen? EU will Kennzeichnung

VIER PFOTEN begrüßt die Entscheidung des EU-Parlaments, tierische Bestandteile bei Textilien künftig zu kennzeichnen, fordert jedoch genauere Angaben über Herkunft und Haltung der Tiere.

Am Mittwoch (11. Mai) hat das Europäische Parlament für eine neue Verordnung zur Etikettierung von Textilien gestimmt. Demzufolge soll es in der EU zukünftig bei Textilien verpflichtend sein, Bestandteile tierischen Ursprungs wie Pelz als solche zu kennzeichnen. Es wird erwartet, dass auch der EU-Ministerrat dem Vorschlag zustimmt. Für VIER PFOTEN ist dies ein erster Schritt für eine bessere Wahlfreiheit des Konsumenten, aus Sicht des Tier- und Verbraucherschutzes sind jedoch weitere Vorgaben notwendig.
Mehr Angaben nötig
Verbraucher bekommen in Zukunft die Möglichkeit, tierische Bestandteile von Textilien eindeutig zu erkennen. Damit Konsumenten sich ausreichend über Pelzbestandteile informieren können, müssen nach Überzeugung von VIER PFOTEN jedoch auch Informationen zur Tierart, der geografischen Herkunft und zur Tierhaltung genannt werden. Erst wenn der Kunde auf dem Etikett lesen kann, dass es sich z. B. um ein Fuchsfell aus China handelt und das Tier in einem Gitterkäfig mit einem Quadratmeter Fläche gehalten wurde, ist er ausreichend informiert.
Pelze werden unter grausamen Bedingungen in Pelzfarmen produziert, 100 Millionen Nerze, Füchse oder Marderhunde werden dafür weltweit jährlich getötet. Je mehr der Käufer über die Hintergründe der Pelzproduktion erfährt, desto leichter wird ihm eine Entscheidung gegen dieses tierquälerisch hergestellte Erzeugnis gemacht.
Freiwillige Kennzeichung oft falsch
Das EU-Parlament begründet die Erweiterung der Textilkennzeichnung damit, dass es für Verbraucher zunehmend schwieriger wird, echten Pelz von Kunstfell zu unterscheiden und so die Gefahr des ungewollten Kaufs von Pelz besteht. Freiwillige Kennzeichnungen der Pelzbranche wertet das EU-Parlament als „unzureichend“. Bestehende Siegel der Pelzindustrie wie das Origin Assured Siegel sind aus Tierschutzsicht völlig indiskutabel und finden sich nur bei einem kleinen Teil teurer Produkte. Nach unserer Erfahrung wird Pelzbesatz im Handel uneinheitlich, nicht selten sogar falsch oder gar nicht gekennzeichnet verkauft.
Gift im Pelz
Nach dem Willen des EU-Parlamentes soll die Kommission eine Studie über Gesundheitsgefahren von Stoffen durchführen, die bei der Herstellung oder Verarbeitung von Textilerzeugnissen verwendetet werden. Eine von VIER PFOTEN 2010 durchgeführte Untersuchung von Schadstoffen in Pelzwaren unterstreicht die Notwendigkeit dieses Schrittes: Inbesondere giftiges und allergenes Formaldehyd fand sich in fast allen untersuchten Pelzen in oft hohen Konzentrationen.
Pelzkleidung verursacht demzufolge nicht nur enormes Tierleid weltweit, sondern kann auch die Gesundheit des Menschen gefährden. Die neue EU-Verordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber weitere müssen folgen. Der Verbraucher hat auch beim kleinsten Pelzbesatz das Recht auf die ganze Wahrheit über das Produkt.

keine Kommentare

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Abbrechen