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Wirtschaft & Finanzen

Wirtschaftliche Erholung in Sicht | EBD & EBÖ De-Briefing EZB Rat

Mit dem wirtschaftlichen Abschwung in Folge der Corona-Pandemie entstand das Risiko einer erneuten Finanzkrise. Als Reaktion auf die Krise hat die Europäische Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr mehrere Notfallmaßnahmen getroffen. Im Fokus des Treffens des EZB-Rates am 10. September 2021 stand, nun, da sich die Wirtschaftslage spürbar verbessert hat, wie die EZB in Bezug auf ihre Anleihekäufe reagieren soll. Zu einem De-Briefing der Ratssitzung mit Gabriel Glöckler, Principal Adviser der Generaldirektion Kommunikation der EZB, Dr. Tobias Linzert, Head of Policy Assessment Section der Generaldirektion Geldpolitik der EZB, und Peter Ehrlich, Pressesprecher für die EZB luden die Europäischen Bewegungen Deutschland (EBD) und Österreich (EBÖ) am 13. September. Die Videokonferenz mit rund 40 Teilnehmenden moderierte EBÖ-Finanzreferentin Ortrun Gauper.

Eingangs wurden die guten Finanzierungsbedingungen sowie die erhöhten Inflationsaussichten von der Europäischen Zentralbank hervorgehoben. Das ermögliche, den monatlichen Umfang des Pandemie-Notfallankaufprogramms (engl., kurz: PEPP) zu reduzieren, und trotzdem die günstigen Finanzierungsbedingungen aufrecht zu erhalten. Reflektierend auf die Berichterstattung deutscher Medien über ansteigende Inflationsraten wurde betont, dass die derzeit über dem EZB-Inflationsziel von 2 % liegenden monatlichen Inflationsraten im nächsten Jahr wieder zurückgehen würden. Befürchtungen über eine dauerhaft zu hohe Inflation seien wenig mehr als ein „Schreckgespenst“. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hat dazu in dieser Woche einen Blog mit dem Titel „Das Gespenst der Inflation“ veröffentlicht. Nach den signifikant fallenden Preisen und reduzierten Mehrwertsteuern im vergangenen Jahr lasse sich dieses Jahr eine Ausgleichsbewegung beobachten, die sich zeitnah wieder einpendeln sollte.

Des Weiteren hat sich die EZB entschlossen aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage das PEPP moderat zurückzufahren. Es lässt sich aufgrund der anhaltenden pandemischen Lage und der mit der Delta-Variante einhergehenden Unsicherheiten allerdings noch nicht komplett beenden. Außerdem wurde hervorgehoben, dass trotz der fortschreitenden Impfkampagne in Europa und der damit verbundenen Hoffnung auf die Überwindung der Pandemie, offene Fragen bestehen bleiben, die insbesondere von der globalen Interkonnektivität herstammen. Probleme in den globalen Lieferketten und schnell gestiegene Nachfrage haben zu Engpässen geführt. So kann der Bedarf an Computerchips und Autoteile beispielsweise aktuell nicht vollständig gedeckt werden.

Anschließend erläuterten die Referenten die aktuell sehr positiven Wachstumsprognosen. Für 2021 wird nun ein Wachstum im Euroraum in Höhe von 5 % erwartet, nächstes Jahr von 4,6 %. Dies gelte als pandemiebedingter temporärer Effekt, ähnlich wie die aktuell steigenden Energie- und Konsumpreise. Ab 2023 soll sich das wirtschaftliche Wachstum wieder leicht abkühlen und sich die Inflation wieder an das prä-pandemische Niveau anpassen. In der anschließenden Diskussion wurden Fragen zu möglichen Nebenwirkungen der Geldpolitik beatwortet.

Weitere Informationen über die Erklärung zur Geldpolitik des EZB-Rats erhalten Sie hier.