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Wirtschaft & Finanzen

Zeitenwende in der europäischen Geldpolitik | EBD & EBÖ De-Briefing EZB-Rat

„Ein Schritt auf einer langen Reise“: Als solchen beschrieb EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Richtungsentscheidung des EZB-Rats bei dessen Sitzung am 9. Juni 2022, die Leitzinsen im Juli erstmals seit elf Jahren anzuheben. Die immer höhere Inflation hat den bereits vorbereiteten Kurswechsel in der Geldpolitik beschleunigt. Wird die Zinswende Europas Inflation bekämpfen können und wie wird die EZB in Zukunft ihre Rolle definieren?

Neben den Leitzinsen stand auch das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) auf der Tagesordnung des EZB-Rates, das nun zum 1. Juli beendet wird. Spannende Themen, die von Gabriel Glöckler, Principal Adviser in der EZB-Generaldirektion Kommunikation, und Tobias Linzert, Head of Section Monetary Policy der EZB, unter der Moderation von Sabine Radl, Generalsekretärin der Europäischen Bewegung Österreich, beim gemeinsamen De-Briefing mit der Europäischen Bewegung Deutschland diskutiert wurden.

Trotz aktuell eingetrübter Wirtschaftslage durch den Krieg in der Ukraine und wiederkehrende pandemiebedingte Lieferkettenprobleme weisen die gute Arbeitsmarkt- und Beschäftigungslage auf eine robuste Wirtschaft mit Wachstum in 2022 und 2023 hin. Allerdings liegt die Inflation nicht nur aktuell deutlich über dem EZB-Ziel von mittelfristig 2 %, ein Rückgang unter 2 % ist in nächster Zeit ebenfalls nicht zu erwarten. Deshalb werden die Zinsen jetzt schrittweise erhöht und der Bereich der Negativzinsen erlassen. Nach der EZB-Ratssitzung am 21. Juni werden die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte steigen. Die Nettoankäufe im Rahmen seines Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) werden zum 1. Juli 2022 eingestellt. Die Wiederanlage auslaufender Anliehen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) werden wenn nötig so gesteuert, dass eine Beeinträchtigung der geldpolitischen Wirkung vermieden wird.

Da die getroffenen Entscheidungen lediglich erste Schritte auf dem Pfad zur Neuausrichtung der Geldpolitik sein können, gab der EZB-Rat zusätzlich eine Vorausschau für die kommenden Monate ab. So sollen die Leitzinsen im September diesen Jahres abhängig von der Inflation erneut angehoben werden. Schließlich sei es die Aufgabe der EZB, eine Inflation von um die zwei Prozent sicherzustellen und eine Fragmentierung ihrer Geldpolitik in den einzelnen Mitgliedsstaaten zu verhindern. 

Abschließend stellten sich die Referenten den Nachfragen der rund 35 interessierten Teilnehmenden der Onlineveranstaltung.