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IB | Deutscher Weiterbildungstag 2016

Weiterbildung 4.0 – fit für die digitale Welt. Politische Plattform zum Deutschen Weiterbildungstag 2016

Die Digitalisierung unseres Lebens nimmt im privaten wie im beruflichen Kontext unaufhaltsam zu und beeinflusst das Denken und Handeln in nahezu allen Gesellschaftsbereichen. Das Internet und intelligente Endgeräte sind für die Mehrheit der Menschen in Deutschland, Europa und in weiten Teilen der Welt zum unverzichtbaren persönlichen Kommunikations- und Assistenzsystem geworden mit direktem Zugriff „jederzeit und überall“. Die Wirtschaft digitalisiert ihre Produktions-, Arbeits- und Vertriebsprozesse, verknüpft diese mit dem Internet und schafft so unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ durchgehende, intelligente sowie wissensintensive neue Verfahren, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Dieser immer schneller werdende Wandel von Arbeitswelt und Gesellschaft bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Bildungseinrichtungen und deren Aufgabe, Menschen aller Altersstufen zur emanzipierten Teilhabe und zu einer gestaltenden Rolle in einer sich ständig verändernden Welt zu befähigen.

Viele Weiterbildungsorganisationen in Deutschland haben sich deshalb schon frühzeitig mit der digitalen Transformation ihrer Dienstleistungen und Prozesse auseinandergesetzt und digitale Formate wie CBT/WBT, MOOC, blended Learning, Mobile Learning, Webinare, virtual Classrooms, serious Games oder Chats zum festen Bestandteil ihres Angebots gemacht.

Die Chancen der Digitalisierung und die sich daraus ergebenden Vorteile für lebensbegleitendes Lernen in der beruflichen, kulturellen und allgemeinen Erwachsenen- und Weiterbildung sind enorm. Es gilt aber auch, die Augen vor den Risiken und Gefahren möglicher Fehlentwicklungen nicht zu verschließen. Weiterbildung 4.0 ist deshalb auch eine Selbstverpflichtung beziehungsweise Aufforderung für Bildungsanbieter, Lehrende und Lernende über die gesamte Bildungskette hinweg durch Vermittlung von Medienkompetenz die nachhaltige und verantwortungsbewusste Anwendung der neuen Technologien zu ermöglichen.

Bei der Vermittlung beziehungsweise dem Erwerb von digitalen Fertigkeiten und Kenntnissen stehen daher nicht primär technik- und herstellergetriebene Inhalte im Vordergrund. Es geht auch darum, Grundlagen für die persönliche Entwicklung in einer sich ständig verändernden digitalen Welt zu schaffen. Denn: Bildung ist, was bleibt. So verstanden, wird die digitale Erwachsenen- und Weiterbildung die Menschen dazu befähigen, ihre Alltagshandlungen, beruflich wie privat, kompetent und souverän auszuführen.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Europäische Erwachsenenbildung vorantreiben!

Derzeit bestehen in Europa noch deutliche Unterschiede in der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Bildungseinrichtungen. Die EU-Kommission hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, digitale Lehr- und Lernmaterialien, insbesondere solche, die durch EU-Programme kofinanziert werden, öffentlich zugänglich zu machen. Ferner verfolgt die EU mit der Online Plattform EPALE sowie mit der Initiative „Grand Coalition for Digital Jobs“ das Ziel, die Rolle der Erwachsenendung in Europa und die digitalen Fertigkeiten der EU-Bürger zu stärken.

Diese Maßnahmen sind notwendig, aber nicht hinreichend. Deshalb rufen wir die Verantwortlichen in der EU und den Mitgliedsstaaten dazu auf, ein umfassendes europäisches Programm zur Digitalisierung der Erwachsenen- und Weiterbildung ins Leben zu rufen und den kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu guten digitalen Lernprojekten und Initiativen weiter zu institutionalisieren und zu fördern.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Lehr-/ Ausbildungspersonal kontinuierlich weiter qualifizieren!
Nicht selten verfügen Lernende über punktuell bessere und/oder aktuellere IT-Kenntnisse als ihre Ausbilder und Lehrer. Das ist einerseits erfreulich, sollte aber andererseits eher die Ausnahme bleiben! Wir halten deshalb ein einheitliches IT-Qualifizierungsprogramm für Lehr- und Ausbildungspersonal für notwendig, das die Aspekte der Lehr- und Lernforschung berücksichtigt und in dem aktuelle informationstechnische und medienpädagogische Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden. Darin müssen auch Fragen der IT-Sicherheit und des Urheberrechts thematisiert werden. Dieses Programm muss Bestandteil der Ausbildungscurricula und der Qualitätsmanagementsysteme sein.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Fertigkeiten und Kenntnisse dokumentieren und anerkennen!
Lernen im Netz entspricht häufig nicht der traditionellen und curricular bestimmten Vorgehensweise, sondern erfolgt mittels non-formalen und informellen, kleinteiligen und sehr spezifischen Lerneinheiten (z.B. Module, Learning Nuggets), die meistens keine Nachweise über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse mitliefern.

Wir setzen uns deshalb für ein System der Abschlussorientierung und Nachweisbarkeit bei digitalen Lernarrangements ein, die eine Beurteilung der von den Lernenden erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse sowie deren Anerkennung durch Zertifikate oder Batches ermöglicht. Diese Leistungsnachweise können in speziellen – auch virtuellen – Prüfzentren erbracht und damit zur Beurteilung der individuellen Qualifikation im Rahmen des EQR / DQR herangezogen werden.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Beruflichen und gesellschaftlichen Anschluss sicherstellen!
Eine erfolgreiche Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen und gesicherte berufliche Perspektiven hängen in hohem Maß von digitaler Teilhabe ab. Einerseits nehmen vorhandene Unterschiede in der Mediennutzung zwischen Generationen und Geschlechtern ab, andererseits verstärkt sich ein Trend zur digitalen Spaltung in unserer Gesellschaft, die in einem engen Zusammenhang mit dem Bildungsabschluss, dem Alter und dem Einkommen der betroffenen Menschen steht.

Deshalb fordern wir den Bund und die Institutionen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik auf, eine digitale Weiterbildungsoffensive einzuleiten, die den barrierefreien Zugang zu digitalen Medien ebenso beinhaltet wie eine Ausweitung und Intensivierung digitaler Formate in der klassischen Förderung der beruflichen Weiterbildung. Wir regen ferner eine flächendeckende Kampagne zum Erwerb professioneller IT-Kenntnisse für Personen aus bildungsbenachteiligten Schichten an.

Die Auftaktveranstaltung des Deutschen Weiterbildungstages 2016 findet am 28. September 2016 im Großen Saal der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin (direkt am Brandenburger Tor) statt. Die Schirmherrschaft hat Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft, übernommen.

Vorläufiger Ablauf:
11:00 Uhr Begrüßung
Dunja Hayali im Gespräch mit Siegfried Schmauder, Sprecher der Veranstalter

11.10 Uhr Videobotschaft
Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft

11.20 Uhr Keynote
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung (angefr.)
und/oder Dr. Jörg Dräger, Vorstand Bertelsmann Stiftung, Autor »Digitale Bildungsrevolution«

Moderation: Dunja Hayali, ZDF

Weitere Informationen finden Sie hier.

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