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Bildung, Jugend, Kultur und Sport

College of Europe hilft Netzwerken | Karrieretage 2019

Am 02. und 03. Juli 2019 fanden die jährlichen Karrieretage der College of Europe-Studierenden und –Alumni in Berlin statt. Die ambitionierte Gruppe besuchte das Deutschlandradio, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, um mehr über Karrieremöglichkeiten nach dem College zu erfahren.
Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe trafen sich 16 frisch gebackene College of Europe-Absolventinnen und -Absolventen des Jahrgangs 2018/19 in den Räumlichkeiten der EBD und resümierten ihre Erlebnisse des vergangenen Jahres. In vertrauter Runde tauschten sie sich aus: Was hat ihnen besonders gut gefallen und was eher nicht? Die Alumni waren sich einig darüber, dass das Studium am College kaum auf eine akademische Laufbahn vorbereite, aber dafür umso mehr auf eine Karriere in den EU-Institutionen. Das Gemeinschaftsgefühl, die interkulturellen Begegnungen und die extracurricularen Aktivitäten fanden großes Lob. Die kurze Dauer des Studiums habe eine hohe Arbeitsbelastung zur Konsequenz, allerdings bereite gerade diese auf den späteren Job vor. Insgesamt sei die Entscheidung für das Jahr in Brügge bzw. Natolin die richtige gewesen.

Zwischen alten und neuen Studierenden

Es folgte die Staffelübergabe an den neuen Jahrgang 2019/20. Nachdem 18 neue Studierende eingetroffen waren, teilten sich die Alumni in ihre Fachbereiche auf und berichteten der nächsten Generation ausführlich von ihren Erfahrungen. Sie gaben Tipps zu Kurswahl, Stundenplänen, Arbeitsumfang und Schwerpunktsetzung.

Im Anschluss richtete Peter Hahn, Schatzmeister der EBD, Grußworte an die neuen und alten Studierenden. Nach einem kurzen Umriss der Arbeitsbereiche der Europäischen Bewegung Deutschland bekräftigte Hahn die große Rolle von EU-Karriere und College of Europe im Programm der EBD. Er beglückwünschte diejenigen, die ihre Zeit am College nun hinter sich gebracht haben, und versicherte dem neuen Jahrgang: „Am College zu studieren ist eine Chance. Sie dürfen sich als Botschafter einer tollen Idee fühlen.“

Karrieretage 2019. | Foto: EBD.

Drei Alumni vergangener Jahrgänge stellten dann ihren Werdegang nach dem College vor. Carolin Proft, Referentin für Digitalisierung und Innovation beim Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) und Alumna 2015, legte den Studierenden nahe, sich schon früh Gedanken über ihre Karrierewünsche zu machen und entsprechende Kurse und Vertiefungen zu wählen. Sie gab den Tipp, sich bei Bewerbungsprozessen von der Masse abzuheben, indem man sich bei potentiellen Arbeitgebern persönlich vorstellt oder einfach den Hörer in die Hand nimmt. Sie selbst war zuvor beim Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten in Brüssel tätig und lernte dort ihren jetzigen Arbeitgeber kennen. Sie berichtete außerdem von ihrer jetzigen Tätigkeit beim BDI, einer der 250 Mitgliedsorganisationen der EBD, sowie Einstiegsmöglichkeiten für Wirtschafts-, Politik- und Sozialwissenschaftler. Anschließend referierte Laurin Berresheim, Alumnus 2016, der beim Europäischen Parlament im Robert-Schumann-Programm arbeitet. Für ihn ist die wissenschaftliche Mitarbeit bei einem Abgeordneten der ideale Einstiegsjob, da man nahe an Entscheidungsträgern arbeite und viel Kontakt mit der Europäischen Kommission sowie Interessenträgern habe. Er empfahl den Einstieg über ein Praktikum bei einem/r Abgeordneten oder durch das aktive Ansprechen potentieller Arbeitgeber auf Veranstaltungen. Yannic Blaschke, Alumnus 2018, zeigte dem Publikum schließlich, wo seine Kommilitonen aus Natolin nach dem Studium gelandet sind. Die meisten seien in West-Mitteleuropa geblieben und ein großer Teil absolviere nun das Blue-Book-Praktikum der Europäischen Kommission, so wie er selbst. Er hob hervor, dass der Ruf des College of Europe in Brüssel sehr präsent sei, was ihm bei der Bewerbung wohl ein großer Vorteil war.

Karrieremöglichkeiten in der EU-Politik

Karrieretage 2019 | Foto: EBD.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es zum Deutschlandradio, wo die Studierenden und Alumni zunächst eine Hausführung durch die Räumlichkeiten des Hauses und einen Einblick in den Arbeitsalltag einer Hörfunkredaktion erhielten. Später trafen sie Marianne Allweiss, Alumna 2006, die seit 2015 als Redakteurin und Moderatorin bei Deutschlandfunk Kultur in den Ressorts Kultur und Politik tätig ist. Sie berichtete über ihren Werdegang nach dem Abschluss am College of Europe und ihre Arbeit als Journalistin. Nach einer Stelle bei einer Berliner Medienagentur und einem Prager Radiosender begann sie 2009 ihr Volontariat beim Deutschlandradio. Dort ist sie bis heute geblieben und sitzt aktuell in der Redaktion diverser Nachrichtensendungen und übernimmt Vertretungen im In- und Ausland. Allweiss gab zudem Tipps zum beruflichen Einstieg in den Journalismus: Das Volontariat, die praktische Ausbildung zum Redakteur, sei der sicherste Weg in eine professionelle Karriere. 

Gemeinsam mit Annette Riedel, langjähriger ehemaliger Auslandskorrespondentin des Deutschlandradios in Brüssel, diskutierten die Studierenden und Alumni über den Arbeitsalltag von Journalistinnen und Journalisten in Brüssel. Wie Riedel berichtete, sei ihre Zeit in Brüssel von intensiven Debatten, langen Arbeitstagen, aber auch einem starken kollegialen Zusammenhalt geprägt gewesen. Sie betonte die Bedeutung von Kontakten zu anderen Journalistinnen und Journalisten sowie Brüsseler Beamtinnen und Beamten zur Informationsbeschaffung.

Anschließend stellte College-Alumnus 2015 Johannes Börmann verschiedene Möglichkeiten des beruflichen Einstiegs bei der Europäischen Kommission vor, die für viele Studierende und Alumni des College of Europe das berufliche Ziel ist. Börmann arbeitet aktuell als stellvertretender Antisemitismusbeauftragter der Europäischen Kommission. Wie viele andere College-Absolventinnen und -Absolventen auch machte er nach dem Studium zunächst ein Blue-Book-Praktikum bei der Kommission. Danach arbeitete er zunächst als Policy Officer. Der Rang eines Policy Officers ist dem eines Beamten oder einer Beamtin gleichgestellt, jedoch ist die Stelle auf ein bis sechs Jahre befristet. Weitere Möglichkeiten zur zeitlichen Überbrückung zwischen Blue-Book-Praktikum und Festanstellung sind die Tätigkeit als Intérimaire und das Junior Professional Programme (JPP). Als Intérimaire tritt man eine Kurzarbeitsstelle zwischen einer Woche und sechs Monaten an. Das JPP ist für College of Europe-Alumni besonders geeignet, welche innerhalb von zwei Jahren in drei verschiedenen Kommissionsbereichen arbeiten und deren Rang mit dem eines Beamten oder einer Beamtin vergleichbar ist. Zugangsvoraussetzung hierfür ist jedoch eine maximale Arbeitserfahrung von drei Jahren. 

Ein Beispiel für alternative Berufswege stellt der Lebenslauf von Jana Stuhlmann dar, Alumna 2017, die in Brügge studiert hatte und nach einem Jahr Berufstätigkeit bei einer Brüsseler Unternehmensberatung der belgischen Hauptstadt den Rücken kehrte. „Brüssel ist sehr hart, es wird sehr viel gefordert – sowohl im Studium, als auch später im Beruf. Ich entschloss mich nach der arbeitsintensiven Zeit in Brüssel, von Deutschland aus für die EU zu arbeiten“, so Stuhlmann. Sie fand eine neue, sehr interessante Herausforderung bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg, wo sie u. a.  Daten zur Erfolgsmessung der Projekte, in welche EU-Fördermittel fließen, auswertet. Bei ihren Kolleginnen und Kollegen ist sie „die aus Brüssel“ und eine Besonderheit. Der Abschluss am College auf Europe sei außergewöhnlich und öffne viele Türen – auch zu Institutionen, an die man vielleicht zunächst nicht denke. Ihr Rat an die Studierenden und Alumni: „Haltet eure Zukunftspläne ein wenig offen. Ganz unerwartet kann etwas Anderes genau das Richtige sein.“

Karrieretage 2019 | Foto: EBD.

Als letzter Punkt auf dem Programmplan für den Dienstag stand der Empfang der Studierenden und Alumni in der belgischen Botschaft in Berlin. Dort trafen Studierende und frisch gebackene Alumni auf erfahrene Absolventinnen und Absolventen und konnten sich weiter zu verschiedenen Lebenswegen und -plänen austauschen. Botschafter Baron Willem van de Voorde, der Gastgeber des Abends, gratulierte der jüngsten Alumni-Generation zu ihrem Abschluss und wünschte den neuen Studierenden alles Gute für das kommende Jahr. In seinen Augen seien Absolventinnen und Absolventen des College die crème de la crème“, die Zukunftselite der Europäischen Union. Zudem lud er die Graduierten herzlich zu den regelmäßigen Alumni-Abenden der belgischen Botschaft ein.

Frank Burgdörfer sprach stellvertretend für den EBD-Vorstand zu den Alumni und Studierenden. Für die EBD stellt das College eine wichtige Möglichkeit dar, die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger in Europa zu erhöhen und die EU im Alltag erlebbarer zu machen. „Am College lässt sich im Kleinen erleben, was Europa ausmacht und was es stabil macht: Unterschiede aushalten und sich damit auseinandersetzen.“ 

Ein besonderer Dank an diesem Abend ging an Monika Wagner, langjährige Betreuerin des Projektes College of Europe bei der EBD. College-Alumna Caroline Lanzke bedankte sich für Wagners Engagement und Organisationstalent bei der Betreuung der Studierenden – vor, während und nach dem Studium. Zahlreiche College-Alumni hatten Karten an Monika Wagner geschrieben mit einer eigenen Danksagung, die Frau Wagner in der Belgischen Botschaft überreicht wurden.

Von A wie Auswärtiges Amt nach B wie Bundesministerium

Am nächsten Morgen kamen Studierende und Alumni frisch erholt im Auswärtigen Amt zusammen. Dort berichtete Jan Dopheide, Leiter des Referats Deutsches Personal im Europäischen Auswärtigen Dienst und EU-Institutionen des Auswärtigen Amtes über Karrieremöglichkeiten in der EU und Berufswege in das Auswärtige Amt. Dopheide bezeichnete Absolventinnen und Absolventen des College of Europe als prädestinierte Kandidaten für einen Posten in der EU oder im Außenministerium. Eine wichtige Voraussetzung für einen Posten sei die Bereitschaft zur Arbeit innerhalb großer Strukturen mit regelmäßigen Rücksprachen im Team.  
 

Karrieretage 2019 | Foto: EBD.

Anschließend erzählten fünf College-Alumni von ihren unterschiedlichen Werdegängen und Wegen in das Auswärtige Amt. Franziska Koch, Alumna 2013, und Franziska Ofiera, Alumna 2019, absolvieren beide aktuell die einjährige Attachée-Ausbildung. Sören Heitkamp, Alumnus 2016, arbeitet als Referent im Ausschuss der Ständigen Vertreter in der EU-Koordinierung und Arne Schneider, Alumnus 2015, der vor Kurzem vereidigt wurde, ist als Referent in der Abteilung EU-Flucht- und Migrationspolitik tätig. Isabel Mancuso, Alumna 2012, hat seit ihrem Abschluss am College ihren Arbeitsbereich über die europäischen Grenzen hinaus erweitert, indem sie in der politischen Abteilung im Arbeitsstab Syrien für die EU-Fragen zuständig ist. 

Während Mancuso und Ofiera nach ihrem College-Abschluss den direkten Weg in das Außenministerium wählten, erzählten Koch und Heitkamp von ihren Umwegen durch den Privatsektor, die Vereinten Nationen oder das Umweltministerium, bevor sie sich dem Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes stellten. Ofiera schaffte den Weg vom College ins Auswärtige Amt besonders schnell: Im letzten Jahr saß sie genau an derselben Stelle wie die neuen Studierenden heute und stellte die Frage, ob der Einstieg in die Attaché-Ausbildung direkt im Anschluss ans College möglich sei. Theoretisch sei das möglich, praktisch aber kaum. Ofiera entschloss sich trotz allem, in den letzten Zügen ihres Studiums von Brügge nach Berlin zwischen Prüfungen und Ausbildung hin- und herzupendeln – mit Erfolg. In der Diskussionsrunde stellten die Studierenden verschiedene Fragen zu den Auswahlverfahren und wie man sich darauf vorbereiten könne sowie zu Einstiegsmöglichkeiten in das Auswärtige Amt. Auch wurde diskutiert, ob es sich bei einer Karriere im Auswärtigen Dienst tatsächlich um eine „Lebensentscheidung“ handele. 

Nach einer kurzen Pause stellten zwei weitere Alumni, Heidi Kuhlmann, Alumna 2014, und Dr. Martin Schmid, Alumnus 2010, ihre jeweilige Arbeit als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit beim Jaques Delors Institut und als Projektmanager für Europa-Projekte bei der Stiftung Mercator GmbH vor. Kuhlmann und Schmid berichteten beide davon, wie ihnen ihre Zeit am College beruflich half und weiterhin hilft, sowohl bei der Vertrautheit mit Themen und Inhalten, als auch das dadurch entstandene Netzwerk. Anders als bei den vorherigen Rednerinnen und Rednern verlief Kuhlmanns beruflicher Weg nicht über das Auswärtige Amt. Beim Jaques Delors Institut schätzt sie die freie Arbeitsweise, die ihre aktuelle Tätigkeit mit sich bringt und welche unabhängig von großen Strukturen und Hierarchien wie zum Beispiel im Auswärtigen Amt ist. Bevor Schmid zu seiner Tätigkeit bei der Stiftung Mercator kam, arbeitete er beispielsweise als Wahlbeobachter vor allem in Krisenregionen wie der Ukraine und Afghanistan für das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze und die OSZE. Bei der Stiftung Mercator entscheidet er über die Mittelvergabe von verschiedenen Projekten mit Europabezug. Dabei ist die Bandbreite sehr groß – von Schul- über Staatsprojekte ist alles dabei.

Von A wie Auswärtiges Amt ging es anschließend direkt weiter zu B wie Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Dort trafen die Studierenden und Alumni auf zwei weitere Absolventinnen und einen Absolventen. Julian Pfäfflin, Alumnus 2008, arbeitet im Referat Grundsatzfragen Flucht und Migration und Carmen Esser, Alumna 2015, in dem Referat Entwicklungsfinanzierung und Geberpartnerschaften. Mit dabei war auch Marijke Eschenbach, Alumna 2014. Sie berichtete von ihrer Tätigkeit als Medienreferentin bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung sowie beim Rat für Nachhaltige Entwicklung – Organisationen, die auch eng mit dem BMZ zusammen arbeiten.

Nach einer generellen Einführung zu den Institutionen gingen die drei Alumni genauer auf ihre eigenen Werdegänge und die Bewerbungsanforderungen im BMZ und GIZ ein. Pfäfflin erläuterte die Einstellungskriterien des BMZ, die neben Studienabschluss vor allem relevante Arbeitserfahrungen umfassen. Außerdem gibt es das Nachwuchsförderprogramm „Beigeordnete Sachverständige zu Internationalen Organisationen“ (kurz: JPO-Programm), für das weniger Arbeitserfahrungen erforderlich sind. Für den Nachwuchs im BMZ gibt es das so genannte „EZ-Kolleg“, das eine kompakte, BMZ-spezifische Einführung in grundlegende entwicklungspolitische Inhalte sowie in Arbeitstechniken und Verfahren einer Ministerialverwaltung bereitstellt. Die Auswahlverfahren im BMZ finden laut Pfäfflin in unregelmäßigen Abständen statt. Esser erläuterte das Bewerbungsverfahren am BMZ. Nach einem Online-Test gibt es einen schriftlichen Test, auf den ein mündlicher Test und ein Interview mit der Auswahlkommission folgen. Die Studierende stellten Fragen zu Austauschmöglichkeiten zwischen dem BMZ und EU-Institutionen, wie viele Stellen beim BMZ besetzt werden und wie sich der Arbeitsbezug zwischen BMZ und den Vereinten Nationen gestaltet. 

Das BMZ stellte die letzte Station der Karrieretage 2019 dar. Nach zwei Tagen voller spannender Redebeiträge und Diskussionen werden sich die neuen Studierenden im September in Natolin und Brügge zum Beginn des neuen Semesters wiedersehen. Und die Alumni 2019 bleiben sicher miteinander weiter im Kontakt! Die EBD bedankt sich bei allen Referentinnen und Referenten sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern für diese informativen und abwechslungsreichen Tage.

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